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Die Patientenbetten in der Notfallklinik hat der Landkreis geleast.

Corona-Krise in Ebersberg

Ebersberger Hilfskrankenhaus ab Montag einsatzbereit: 105 zusätzliche Notfallbetten

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Ab Montag einsatzbereit: In der Ebersberger Dreifachturnhalle stehen nun zusätzliche 105 Notfallbetten. Eine beispiellose Gemeinschaftsanstrengung.

Ebersberg – In einer für den Landkreis beispiellosen Gemeinschaftsanstrengung ist in der Ebersberger Dreifachturnhalle innerhalb kürzester Zeit eine Notklinik für zusätzliche 105 Patienten mit Atemproblemen infolge einer akuten Corona-Infektion entstanden. Der Kreis sei damit zwar nicht so schnell gewesen „wie die Chinesen, aber für europäische und deutsche Verhältnisse war das eine Meisterleistung“, sagte Landrat Robert Niedergesäß am Freitag.

Ab Montag könnte der Betrieb aufgenommen werden, auch wenn sich derzeit niemand vorstellen mag, dass die auf 500 Betten aufgestockte Kapazität der Kreisklinik im Ernstfall nicht mehr ausreichen könnte. Das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, gute Kontakte zur Bundeswehr, der Krisenstab des Landratsamtes, regionale Firmen und der Grafinger Architekt Niko Rinkes, der ehrenamtlich beim Umbau tätig wurde: Sie alle haben mitgeholfen, dieses Notfallzentrum zu realisieren, das nicht an ein Feldlazarett erinnert. 

Es kommen Patientenbetten zum Einsatz, die auch ein Hochlagern der Personen ermöglichen. „Die Betten haben wir geleast“, so der Landrat. Die entstehenden Kosten würden zu 80 Prozent vom Staat übernommen. Behandelt würden hier „die leichteren unter den schweren Fällen“ einer Corona-Infektion.

Stellvertretender Jugendamtsleiter jetzt „Hausmeister“

Florian Robida (45) ist eigentlich stellvertretender Jugendamtsleiter. Jetzt leitete er als „Hausmeister“ und Notfallmanager den Umbau der Halle in eine Notaufnahme, die auch überregionale Bedeutung bekommen könnte. 

„Der Landkreis ist von Hotspots umgeben“, gibt Niedergesäß zu bedenken. „Wir stehen solidarisch zusammen“, kündigte er an. Robida sei der Erste, der am Morgen auf die Baustelle komme, und der Letzte, der am Abend das Gebäude verlasse.

An alles gedacht: Oropax für ruhigen Schlaf.

Neben jedem Bett stehen Container mit Sauerstoff

Neben jedem Bett stehen Container mit Sauerstoff, der von der Firma Linde geliefert wird. Vor der Halle befindet sich ein großer Tank, aus dem nachgefüllt werden kann. Die Container am Patientenbett versorgen die Erkrankten drei Tage lang ununterbrochen mit unterstützendem Sauerstoff, dann muss nachgetankt werden.

Günter Felsmann vom THW bedankte sich für die Unterstützung, mit der regionale Firmen schnell und unkompliziert zur Realisierung der Notfalleinrichtung beigetragen haben. Eine Schicht beim Aufbau der Einrichtung besteht aus je zehn Kräften des Technischen Hilfswerks und des BRK Ebersberg. Die Zahl sei bewusst so gewählt, erläuterte Bernhard Nowotny, damit sei der Sicherheitsabstand des arbeitenden Personals gewährleistet. 

Holger Mauerer vom BRK informierte, dass in die Halle ein Lüftungssystem implementiert wurde, mit Filtern, derer sich auch die Kreisklinik bediene. Damit sei gewährleistet, dass keine kontaminierte und virenbelastete Luft nach Außen gepumpt werde.

Der Sicherheitsabstand ist gewährleistet.

Im Ernstfall: 16 Pflegekräfte und sieben Ärzte fürs Hilfskrankenhaus

Stefan Huber, Geschäftsführer der Kreisklinik, kündigte an, dass im Ernstfall „16 Pflegekräfte und sieben Ärzte“ die Betreuung der Patienten gewährleisten werden. Einem Aufruf zur freiwilligen Mithilfe seien inzwischen 90 Personen gefolgt, berichtete der Landrat. Die Versorgung mit Essen erfolgt aus der Klinikküche, erläuterte Huber.

Die Halle wurde auch mit einem Aufenthaltsraum und einer TV-Sat-Anlage ausgerüstet. Das sei vermutlich die einzige Dreifachturnhalle weit und breit, die so etwas habe, sagte Robida.

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