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Kinderpornos auf dem Handy: Angeklagter gesteht, seine Frau weint

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Von: Christoph Hollender

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Stoppschild des BKA für eine Internetseite mit kinderpornografischen Inhalten (Symbolbild).
Stoppschild des BKA für eine Internetseite mit kinderpornografischen Inhalten (Symbolbild). © picture alliance / dpa / Jens Schierenbeck

Ein 40-Jähriger aus dem Landkreis Ebersberg ist am Amtsgericht verurteilt worden, weil er im Besitz von kinderpornografischem Material war. Seine Taten erklärt er mit seiner Biografie.

Ebersberg – Es ist nicht kalt im Sitzungssaal 2. Eine Frau sitzt mit schwarzer Lederjacke auf den grünen Sitzen im Zuschauerraum. Ende 30, zierlich. Ein orangefarbener Schal geht ihr bis zum Kinn. Ihre braunen Haare sind hochgesteckt, die Nägel pink lackiert und an einigen Stellen abgenagt. Vor ihr sitzt ihr Ehemann auf der Anklagebank. 40 Jahre, Glatze, blaues Hemd mit weißen Punkten. Er starrt auf den Holztisch, rührt sich nicht. Sie weint.

Das jüngste Kind ist ein Jahr alt

65 Minuten wird der Prozess am Amtsgericht in Ebersberg dauern. 65 Minuten, in denen ihr Mann sagen wird, dass er sich die abscheulichen Bilder von Kindern, das Jüngste gerade einmal ein Jahr alt, nur schicken hat lassen, weil er als Bub in Albanien selbst von einem Nachbarn sexuell missbraucht wurde. 65 Minuten, in denen seine Frau zehn Meter hinter ihm sitzt und weint.

Die Bilder, die der Mann auf seinem Handy und Computer hatte, sind derart schlimm, dass der Staatsanwalt, der Strafverteidiger und Richterin Vera Hörauf darauf verzichten, sie während des Prozesses erneut anzuschauen. Einige liegen ausgedruckt in einer Papiermappe auf dem Richtertisch.

August 2016: Der 40-Jährige aus dem westlichen Landkreis erstellt ein falsches Profil bei Facebook. Als 20 Jahre alte Frau nimmt er Kontakt zu Männern im Internet auf. Er tauscht mit einem Mann regelmäßig intime Details aus. Irgendwann gesteht er seinem Chatpartner, dass er ein selbst ein Mann ist. Und, dass er 1988/89 in Albanien missbraucht wurde.

Der Mann schickt ihm Bilder von Kindern- und Jugendlichen. Der 40-Jährige schaut sie an, löscht sie, schreibt dem Mann irgendwann von seinem Handy aus an. Er wolle mehr Bilder. Und Videos. Dieser schickte ihm, was er wollte, immer wieder, bis Oktober. Bis heute konnte die Polizei den Mann, der die Bilder verbreitete, nicht identifizieren.

Therapieplatz in München besorgt

Hinter der Ehefrau sitzen Vertreter von Presse und einige Zuhörer im Gerichtssaal. Der 40-Jährige starrt immer noch, wirkt bestürzt, beschämt. Bevor er spricht, spricht sein Anwalt. Er sagt, sein Mandant räume alles ein, gebe zu, die Bilder bekommen zu haben. Sie hätten „Neugier“ bei ihm ausgelöst. Und ihn an die Zeit in Albanien erinnert. Dann erzählt der Angeklagte: Dass er aus „Blödheit“ bei Facebook seine „Geschichte“ über den Missbrauch erzählt habe und es so zu den Bildern gekommen sei. Er hätte sie immer gleich gelöscht. „Ich kann nicht erklären, was ich empfunden habe“, sagt er. Vielleicht, um das zu verarbeiten, was ihm passiert sei. Seine Stimme ist hell und leise. Einen Therapieplatz in München habe er bereits, seiner Frau habe er alles erzählt und sie stehe zu ihm.

Wenn es die eigenen Kinder wären

Richterin Vera Hörauf schaut ihn an, fragt: „Haben Sie Kinder?“ Er nickt, sagt: „Ja“. „Haben Sie überlegt, wenn das mit ihren Kindern gemacht würde?“, fragt Hörauf. „Eine schreckliche Vorstellung“, sagt der Mann. Sekunden vergehen, niemand spricht.

154 Bilder und drei Videos fanden die Ermittler auf seinem Computer, weitere 75 konnten sie auf seinem Handy wiederherstellen. Hörauf verurteilt ihn zu zehn Monaten auf Bewährung. Er muss 500 Euro bezahlen und eine Therapie machen. Der 40-Jährige sagt: „Es tut mir leid, ich schäme mich.“ Seine Frau atmet tief ein. Sie weint.

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