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Studie belegt: Untersuchungen am Herzen können in der Azurion-Angiografieanlage strahlenreduzierter durchgeführt werden. Hier ist Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie an der Kreisklinik Ebersberg, bei der Arbeit zu sehen. 

Interview mit Chefarzt Martin Schmidt

Kreisklinik: Top-Technik mit weniger Strahlenbelastung

Strahlen in Herzkatheterlaboren sind gefährlich - sowohl für Patienten als auch für Ärzte. Die Kreisklinik Ebersberg meldet eine  im Vergleich niedrige Belastung. Warum? Das erklärt Chefarzt Martin Schmidt.

Ebersberg Dank verbesserter Technologien hat sich in den letzten zehn Jahren die Strahlenbelastung in Herzkatheterlaboren sowohl für Patienten als auch für Ärzte deutlich verringert. An der Kreisklinik Ebersberg liegt sie im bundesweiten Vergleich besonders niedrig, wie eine auf der nationalen Fachtagung vorgestellte Studienauswertung belegt. Die Hintergründe erläutert Martin Schmidt, Chefarzt der Kardiologie.

Bei welchen Eingriffen kommen im Herzkatheterlabor Röntgenstrahlen zum Einsatz?

Bei den meisten diagnostischen und interventionellen Verfahren, etwa bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, beim Implantieren eines Herzschrittmachers, bei der Untersuchung von Herzrhythmusstörungen, bei Ablationen, kurz: Bei allen Erkrankungen, bei denen wir die Struktur des Herzens und der Gefäße unter Durchleuchtung sehen müssen. Bei der kathetergestützten Untersuchung über die Blutgefäße wird der Patient mittels Röntgenstrahlung durchleuchtet und die Bilder werden uns auf einem großen Monitor angezeigt. Bei Bedarf können wir dann sofort eine entsprechende Therapie durchführen.

Wie hoch ist bei solchen Eingriffen die Strahlenbelastung für Patienten?

Das ist unter anderem abhängig von den Röntgengeräten, mit denen gearbeitet wird. In unseren beiden Herzkatheterlaboren haben wir neue Angiografie-Plattformen, die zwischen 40 und 75 Prozent mehr Strahlung herausfiltern können als ältere Gerätegenerationen. Bei Inbetriebnahme des zweiten Herzkatheterlabors 2017 startete die Klinik mit dem damals gerade erst vorgestellten und komplett neu entwickelten Philips Azurion Labor auch ein Pilotprojekt: Wir waren bundesweit die erste Akutklinik, welche diese Angiografie-Plattform auf neuestem technischem Niveau in der täglichen klinischen Arbeit einsetzen konnte. Bis dahin war sie nur wissenschaftlich getestet worden.

Hat sich die Anschaffung in der Praxis bewährt?

Auf jeden Fall! Die geringere Strahlenbelastung für unsere Patienten hatte neben den verbesserten Arbeitsprozessen für uns höchste Priorität. Jetzt können wir das mit einer Studie belegen, die unser Team Ende April auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt hat. Im Zeitraum von zwei Jahren haben wir bei 174 Patienten die Strahlendosis gemessen und verglichen, die während einer Pulmonalvenenisolation – also dem Veröden des Muskelgewebes vor den Lungenvenen, einer Therapie bei Vorhofflimmern – in beiden Herzkatheterlaboren auf sie eingewirkt hat.

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Bei diesem Eingriff, der in der Regel etwa ein bis zwei Stunden dauert, ist die Strahlenbelastung sowohl für den Patienten als auch für den Behandler relativ hoch im Vergleich zu anderen, kleineren Eingriffen. Das Ergebnis: Die Strahlenbelastung durch die Azurion-Plattform war im Mittel noch einmal etwa 35 Prozent niedriger als bei der Allura-Plattform in unserem ersten Herzkatheterlabor. Sie betrug durchschnittlich 385 Zentigray pro Quadratzentimeter (cGy/cm2), bei der Allura-Plattform waren es im Durchschnitt 625 cGy/cm2. Das sind umgerechnet etwa 1,08 Millisievert (mSv) beziehungsweise 1,75 mSv. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlung, der ein Mensch täglich ausgesetzt ist, liegt auf ein Jahr hochgerechnet bei 2,1 mSv. Die Strahlenbelastung ist also vergleichsweise gering, liegt aber für Untersucher und Operateure höher.

Wie ist das zu erklären?

Bei einigen Eingriffen, wie etwa bei einer Herzschrittmacher-Transplantation, steht der Arzt direkt unter der Strahlenquelle über dem Behandlungstisch. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Strahlenbelastung in erster Linie durch die Streustrahlung aus dem Körper des Patienten heraus erfolgt. Da wir mehrere Patienten am Tag im Herzkatheterlabor untersuchen, ist die Strahlenbelastung dementsprechend hoch. Wichtig ist, die bestehenden Schutzmaßnahmen wie eine bleihaltige Brille gegen Augenlinsentrübungen und Bleischürzen, die von der Schilddrüse über den Rumpf bis zu den Knien reichen, konsequent einzusetzen. Dennoch sind die Arme und Hände ungeschützt. Je näher der Arzt am Patienten steht, desto höher ist die Strahlendosis. Wir tragen immer zwei Messgeräte, sogenannte Dosimeter am Körper, eines unter der Bleischürze, eines am Ringfinger. Die Daten werden monatlich in einem Strahleninstitut an der zuständigen Strahlenschutzbehörde ausgewertet. In Ebersberg liegen wir durchgehend klar unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Neben den Patienten profitieren also auch unsere im Herzkatheterlabor arbeitenden Kollegen von der neuen Technologie mit niedrigerer Strahlenbelastung.

Kann der Untersucher die Strahlendosis beeinflussen?

Grundsätzlich wählen wir die geringstmögliche Bildrate, um die Dosis zu reduzieren. Da spielt die Bildverarbeitung eine wichtige Rolle. Die Dosis der Röntgenstrahlung können wir dank der weiter verbesserten Arbeitsprozesse bei beiden Angiografie-Plattformen zusätzlich steuern. Dies geschieht etwa über die Anpassung der Bildgebung, zum Beispiel indem wir nach Möglichkeit kleinere Bildausschnitte wählen. Wir arbeiten immer nach dem Prinzip: so viel Strahlung wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Das Interview
führte Sybille Föll

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