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„Ich identifiziere mich mit dem Lkw,“ sagt Werner Halle (rechts), der das Müllauto fährt. Sein Kollege Pavel Lebedev ist Lader. Er fährt auf dem Trittbrett mit und holt die Tonnen zur Leerung.

EZ-Serie heute: Abfallfahrzeug einen Nachmittag lang begleitet

Müllmänner haben keinen leichten Job - warum sie starke Nerven brauchen

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Müllmänner fallen erst auf, wenn etwas mit der Abfallentsorgung nicht funktioniert oder sie einen Weg versperren. Dabei ist ihr Beruf aus der Konsumgesellschaft nicht wegzudenken. 

Ebersberg – Müllwagenfahrer ist kein einfacher Job. Man braucht starke Nerven. Die Straßen sind eng und zugeparkt, Mülltonnen müssen entleert werden, dazu kommen wartende, aggressive Autofahrer. „Die Leute sind unverschämt“, sagt Werner Halle, 61. An einem Spätsommertag sitzt er hinterm Steuer eines orangenen Müllwagens. Sein Kollege Pavel Lebedev, 39, steht auf einem Trittbrett am Heck. Halle biegt in eine Straße südlich des Ebersberger Bahnhofs ein. Seit 28 Jahren ist er Müllmann, sammelt Abfall in Ebersberg, Poing und Forstinning. „Auch wenn Autofahrer nur kurz warten müssen, beschimpfen sie uns“, sagt er. Andere parken ihr Auto nicht um, auch wenn die Müllmänner darum bitten. Zum Glück gibt’s auch nette Menschen. Die etwa, die ihn und seinen Kollegen auf einen Kaffee oder eine Brotzeit einladen. Müllmann. Ein Knochenjob mit kulinarischen Annehmlichkeiten.

Wartende Autofahrer werden aggressiv

„Cool bleiben“ lautet Halles Devise, wenn wartende Autofahrer aggressiv werden. Es ist Mittag, der Arbeitstag bald rum, die Sonne scheint. Der Mann mit den orange blendenden Klamotten ist bestens gelaunt. Er ist absoluter Müllwagen-Fan, über seinen neuen Lastwagen freut er sich wie ein kleines Kind über Schokolade. „Ich identifiziere mich mit dem Lkw.“

Manchmal bleibt sogar die Müllabfuhr stecken.

Hier landet der gesamte Restmüll

Seit 5.30 Uhr ist er schon in der Kreisstadt unterwegs. Erst in den Straßen, „wo es sowieso laut ist“. Ab 6.30 Uhr holt er den Restmüll aus den Wohnbezirken. In der ersten Fuhre hat er schon acht Tonnen ins Entsorgungszentrum „Schafweide“ gefahren. Dort landet der Restmüll aus dem ganzen Landkreis.

Der Vorgang ist immer wieder gleiche. Anhalten, vom Trittbrett springen, die Mülltonnen an das Heck des Wagens stellen (die Maschine leert sie automatisch), Tonnen wegstellen, wieder aufspringen. Sobald die Maschine läuft, dreht sich die Trommel, in die der Müll kommt. Eine Schnecke presst den Müll nach hinten, zum Fahrerhaus.

Beifahrer muss einweisen

„Es ist schon stressig“, sagt Pavel Lebedev, ein sogenannter Lader. Er rollt den ganzen Tag die dunkelgrauen Mülltonnen herum. Dafür darf er auf dem Trittbrett stehen und rumfahren. Fühlt sich ziemlich cool an.

Einige Male muss er seinen Kollegen beim Rückwärtsfahren einweisen, in enge Straßen und zugeparkten Wegen. Die Beiden sind ein eingespieltes Team. Es läuft wie am Schnürchen. 800 Mülltonnen leeren sie so am Tag.

Natürlich passieren auch Fehler

Natürlich passieren bei so vielen zu leerenden Tonnen auch Fehler. Manchmal vergessen sie welche, einer Frau ist Halle mal aufgefahren. Werner Halle erinnert sich auch noch an den Mord in Poing, „vor 20 Jahren oder so“. Da musste er den gesamten Müll seines Wagens ausleeren, weil die Polizei den Abfall durchsuchen musste. Pavel und Werner, sie sind zufrieden mit ihrer Arbeit.

Und der süß-säuerliche Gestank? Wie kommen sie damit klar? „Die Folien, wo das Grillfleisch drinnen lag, die stinken zum Kotzen“, sagt Halle entschieden. Aber er denkt dann nicht weiter nach. „Zack, weg mit der Tonne.“ Man dürfe nur nicht in die Tonne schauen, sonst ekelt es einen.

Manchmal müssen sie aber den Deckel aufmachen und reingucken. Wenn ein Fahrradmantel, zu einer Acht verformt, die Tonne verstopft. Oder wenn eine Windel kleben bleibt. Nase zu und reingreifen!

Übrigens: Den Müllmännern tun Sie einen Gefallen, wenn sie die Tonnen mit dem Henkel zur Straße stellen. Dann geht’s viel schneller.

Lesen Sie dazu auch:Unser Müll fährt quer durch Mitteleuropa

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