Bild des Schreckens: So sieht es jetzt in dem Biotop bei Aßlkofen aus.
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Bild des Schreckens: So sieht es jetzt in dem Biotop bei Aßlkofen aus.

Fehlende Bestrafung bemängelt

Nach Kahlschlag in Biotop bei Aßlkofen: Naturschützer entsetzt über Naturschutzbehörde

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Der Bund Naturschutz ist entsetzt: Die massive Baumfällaktion eines Landwirts in einem Biotop bei Aßlkofen wird nicht bestraft. 

Ebersberg Südlich von Aßlkofen, direkt am Radweg zwischen Ebersberg und Grafing, liegt ein idyllisches Gehölz, durch das sich ein mäanderartig verlaufendes Bächlein schlängelt. Eine Bank lädt den Passanten ein kurz inne zu halten. Der Fachmann weiß, dass es sich bei der Fläche um ein geschütztes Biotop handelt, das im Umwelt-Atlas Bayern kartiert ist. Für den weniger versierten Naturfreund ist es einfach ein idyllischer Ort.

Bund Naturschutz: Biotop von Harvester verwüstet

Das war so bis am 22. Mai in einer rücksichtslosen Fällaktion ein Großteil dieser Idylle mit dem Harvester verwüstet wurde“, sagt Regina Wegemann, Leiterin der Kreisgeschäftsstelle des Bund Naturschutz. Ohne Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde seien in dem geschützten Biotop etwa 25 Bäume „abgeerntet“ worden, vorwiegend Eschen aber auch Erlen. Es seien Sträucher und Gehölz geschreddert, das Bächlein teilweise verschüttet und der empfindliche Boden des Feuchtstandorts auf unabsehbare Zeit verdichtet worden. Wegemann: „Wie viele Vogelnester dem Kahlschlag zum Opfer fielen – die Aktion fand mitten in der Vogelbrutzeit statt – weiß niemand.“

„Umweltfrevel Tür und Tor geöffnet“

Günter Ettenhuber, jahrzehntelang Naturschutzwächter aus Grafing, meinte nach einer Ortsbegehung fassungslos: „So eine krasse Zerstörung eines hochsensiblen Biotops habe ich während meiner ganzen 40-jährigen Tätigkeit für die Untere Naturschutzbehörde noch nicht gesehen. Das muss bestraft werden, sonst ist dem nächsten Umweltfrevel Tür und Tor geöffnet.“ Die Untere Naturschutzbehörde hatte verlauten lassen, keine rechtlichen Schritte einleiten zu wollen.

Die nachgeschobene Begründung der Rodung als Aktion der Wegesicherung werde augenscheinlich von der Unteren Naturschutzbehörde akzeptiert und der Kahlschlag an sich bagatellisierert, kritisiert der Bund Naturschutz. Jedoch sei für jeden Betrachter, der das geschändete Biotop in Augenschein nimmt, offensichtlich, dass zur Wegesicherung die Entnahme einzelner Bäume gereicht hätte. „Der Kahlschlag bis zum Bächlein hinunter hat mit Wegesicherung definitiv nichts zu tun.“

Auch Klaus Grünebach, Naturschutzwächter und Vorsitzender der Ortsgruppe Grafing des BN, war kurz nach der Rodung vor Ort: „Ist das die vielzitierte ,gute fachliche Praxis?’“ Er fügt hinzu: „Wir dürfen der Natur nicht die letzten Rückzugsorte inmitten unserer intensiv genutzten Agrarlandschaft nehmen. Viele Land- und Forstwirte wirtschaften verantwortungsvoll und verdienen sich damit auch die gesellschaftliche Wertschätzung ihres Berufsstandes. Es darf nicht sein, dass einzelne rücksichtslose Umweltfrevler, mit ihrem Tun durchkommen und das öffentliche Bild bestimmen.“ Ob und wie die rabiate Rodung geahndet wird, obliegt der Unteren Naturschutzbehörde. 

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