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Lobt Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) für seinen integrativen Regierungsstil: Philipp Goldner (Grüne).

Kommunalwahl 2020: Tunnel-Erfinder Philipp Goldner kandidiert nicht mehr

Profiliertester Ebersberger Grüner hört auf: „Es hat Spaß gemacht“

Philipp Goldner, profiliertester Ebersberger Grünen-Stadtrat, den viele als Bürgermeisterkandidaten auf der Liste hatten, kandidiert nicht mehr. Ein Gespräch mit dem 35-Jährigen.

Ebersberg– Er wurde lange Zeit als aussichtsreicher künftiger Bürgermeisterkandidat gehandelt und ist Erfinder des neuerdings wieder viel diskutierten Ebersberger Tunnels: Stadtrat Philipp Goldner hat in den vergangenen zwölf Jahren Ebersberg bedeutend mitgeprägt. Jetzt kehrt der über Parteigrenzen hinaus geschätzte Grüne der Stadtpolitik vorerst den Rücken: Nach zwölf Jahren im Stadtrat stellt sich der 35-Jährige nicht mehr zur Wahl, weil sich sein Lebensmittelpunkt nach München verlagert hat. Wir sprachen mit ihm über Windkraft, Bürgermeister, Fahrradreisen und einen Rohdiamanten.

Herr Goldner, wie ist es als Oppositionspartei mit vier Sitzen im Stadtrat Ebersberg?

Die Arbeit hat Spaß gemacht, weil wir als Grüne auch Erfolge verzeichnen konnten. Natürlich, weil wir gute Ideen hatten, aber auch weil das Oberhaupt, Bürgermeister Brilmayer, sehr integrativ regiert hat. Es ist sein Verdienst, dass wir in Ebersberg die anderswo spürbare klare Blockbildung aufgelöst haben.

Zwölf Jahre waren Sie dabei – was bleibt hängen?

(lacht) Außer dem ewigen Thema Verkehr? Naja, wir haben die Schulen weitestgehend sehr gut saniert und viel in Kultur investiert, ob das der Klosterbauhof, das alte kino oder das Vhs-Gebäude war. In beiden Bereichen hat Bürgermeister Brilmayer große Fußstapfen gesetzt. Jetzt ist es an der Zeit für den sportlichen Bereich mit Hallenbad und Waldsportpark. Das wird Aufgabe des nächsten Bürgermeisters.

Wen würden Sie denn gerne auf dem Chefsessel sehen?

Mit der offiziellen Unterstützung eines Kandidaten warten wir Grünen wahrscheinlich mindestens bis zur Stichwahl. Aber ich wünsche mir jemanden, der Windkraft zu seinem Thema macht. Da müssen die Bürger mitgenommen werden, es braucht Überzeugungsarbeit. Das geht nur, wenn der Bürgermeister dahintersteht.

Wenn Sie nach den nächsten zwölf Jahren einen Blick auf Ebersberg werfen – was wollen Sie dann sehen?

Der Stadtumriss soll der von heute geblieben sein, flächenmäßig müssen und dürfen wir uns nicht weiter ausdehnen. Außerdem wird es gelungen sein, die Stadtmitte deutlich aufzuwerten. Die parkenden Autos sind in Tiefgaragen verschwunden, das Hölzerbräu-Gelände ist entwickelt. Die Innenstadt ist belebter, florierender, besonders Marienplatz, Schlossplatz und das Schloss. Das ist ein Rohdiamant, den man für Kultur, Gastronomie und Wohnraum unbedingt nutzen müsste. Und natürlich drehen sich am nördlichen Stadtrand drei Windräder. Mit ihnen und Photovoltaik-anlagen auf Dächern und Freiflächen ist die Stadt energieautark in der Stromproduktion.

Wie steht’s mit dem Tunnel?

Ja, den werde ich sicher immer im Auge behalten, der Straßenverkehr ist ja sowieso ein überregionales Thema. Darüber bin ich übrigens überhaupt zur Politik gekommen. Ich hatte meine Facharbeit im Gymnasium Grafing über die damals geplante Ebersberger Südumgehung geschrieben und bin dadurch irgendwie reingerutscht. Auch wenn ich nicht mehr Stadtrat bin und in München wohne, werde ich mich definitiv immer für die Tunnellösung zwischen Wasserburger Straße und Klostersee engagieren. Denn ein Tunnel ist für den Ost-Nord-Verkehr die einzige vernünftige Variante ohne Neuverlärmung und Flächenfraß.

Sie haben Ihr Ehrenamt ernst genommen, waren immer gut vorbereitet, das kostet Zeit – was machen Sie in den neu gewonnen Stunden ohne Stadtrat?

Die Arbeit im Stadtrat kommt immer schwallweise, in den Ferien ist wenig los, davor und danach aber umso mehr. Das ist wie in der Schule, weshalb es mich als Lehrer also doppelt trifft. Im Schnitt hat mich der Stadtrat auf jeden Fall 20 Stunden im Monat gekostet. Die freie Zeit kann ich gut mit meinen Fahrrädern füllen. Zu den 10 000 Kilometern, die ich in den letzten Jahren geradelt bin, werden sicher noch ein paar hinzukommen.

Sie kommen aus einer politischen Familie, ihre Mutter Bettina ist im Grünen-Ortsvorstand. Werden Sie sich in München weiter engagieren?

Erst einmal ist nichts geplant. Nächstes Schuljahr werde ich ein Sabbatical einlegen, also ein halbes Jahr Pause machen. Das will ich für Reisen und Fahrradfahren nutzen. Die Idee ist, mit meinem Fahrrad auf Landwegen und per Schiff die USA und Mexiko zu bereisen und dort meinen Bruder und Freunde zu besuchen. Was danach kommt, wird sich zeigen.


Das Gespräch führte
Uta Künkler

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