Die kleine Kapelle in Halbing. In der Nähe hätte die Freiflächen-Photovoltaikanlage realisiert werden sollen.
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Die kleine Kapelle in Halbing. In der Nähe hätte die Freiflächen-Photovoltaikanlage realisiert werden sollen.

Investor verärgert

Riesige Photovoltaikanlage im Ebersberger Osten: Antrag wird zurückgezogen

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Es wird wohl nichts mit der neun Fußballfelder großen Freiflächen-Photovoltaikanlage in Ebersberg. Der Mann dahinter ist stocksauer. Er will seinen Antrag zurückziehen. 

Ebersberg – Franz Schechner wohnt im Weiler Halbing im Osten von Ebersberg. Dort betreibt er auch seine Holzbau-Firma. Gerne wäre er für die Energiewende aktiv geworden, hätte diese im Landkreis Ebersberg einen großen Schritt voran gebracht. Nämlich indem er angrenzend an sein Haus eine neun Fußballfelder große Freiflächen-Photovoltaikanlage realisiert hätte – projektiert vom kommunalen Energieversorgungsunternehmen Eberwerk. Doch daraus wird nichts. Danach sieht es im Moment zumindest aus. Schechner ist stocksauer auf die Stadträte von CSU, FDP und SPD.

Der Technische Ausschuss hat sein Vorhaben in seiner Sitzung am Dienstag zwar nicht abgelehnt, forderte aber zunächst die Erstellung eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (wir berichteten). Mit dieser Art Konzentrationsflächenplan will man steuern, wo Freiflächen-PV-Anlagen entstehen dürfen und wo eben nicht. Franz Schechner sagt, der Stadtrat spiele auf Zeit. Ihm werde das Prozedere zu lange dauern. Deswegen wird er in der nächsten Woche seinen Antrag zurückziehen.

„Stadt anscheinend aus Dornröschenschlaf erwacht“

Der Zimmerer wundert sich, dass in der Sitzung von der Schaffung eines Präzedenzfalles gesprochen wurde, „obwohl bereits zwei Anlagen im Umkreis von zwei Kilometern genehmigt wurden.“ Die Stadt sei anscheinend plötzlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Sie bremse mit allen Mitteln die eigene Energieagentur, anstatt sie konstruktiv zu unterstützen, sagt Schechner. Und: „Wenn ein Konzentrationsflächenplan in dieser Sache unverzichtbar ist, hätte dieser bereits vor fünf Jahren mit der Einleitung des Genehmigungsverfahrens zur PV-Anlage an der Schafweide erfolgen müssen.“

Wenn die Landwirte im Stadtrat nicht merkten, dass sie die Leidtragenden seien, wenn der Klimawandel, sprich der Borkenkäfer, ihnen „die Wälder unterm Arsch wegfrisst“, dann sei das äußerst traurig. Schechner: „Ich bin gespannt, wie sie ihren Kindern in 20 Jahren erklären, dass sie den Kampf gegen den Klimawandel mit allen Möglichkeiten verhindert haben und tatkräftig zu diesem Schlamassel beigetragen haben“. 

Schechner: Stadtrat verhindert 80.000 Quadratmeter Biotopfläche

Der Stadtrat verhindere die Schaffung von 80 000 Quadratmeter Biotopfläche, die nebenbei 2000 Haushalte mit Sonnenstrom versorge. Außerdem würden dadurch jährlich 3200 Tonnen CO2 eingespart. Schechner in seinem mit „sonnigen“ Grüßen an alle Stadträte gerichteten Schreiben: „Es muss wohl noch eine Wahlperiode ins Land ziehen, bis sich die Sitze im Stadtrat der drei Parteien (CSU, SPD, FDP) so weit reduzieren, dass die Stadträte von den Grünen, von Pro Ebersberg und den Freien Wählern die Energiewende in Ebersberg herbei führen können.“ 

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