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Schon vor der ersten Stadtratssitzung: Knatsch in der Ebersberger CSU

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Von: Michael Acker

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Günter Obergrusberger soll nach dem Willen der CSU-Fraktion 2. Bürgermeister von Ebersberg werden. Die Frauen Union hat nichts gegen den Kandidaten, fühlt sich aber von der Fraktion übergangen.
Günter Obergrusberger soll nach dem Willen der CSU-Fraktion 2. Bürgermeister von Ebersberg werden. Die Frauen Union hat nichts gegen den Kandidaten, fühlt sich aber von der Fraktion übergangen. © Stefan Rossmann

Der neue Stadtrat hat sich noch nicht einmal konstituiert, da gibt es in der Ebersberger CSU schon Ärger. Es geht um den 2. Bürgermeister. Die Frauen läufen Sturm.

Ebersberg – Wer soll den neuen Bürgermeister Uli Proske (SPD) vertreten, wenn dieser im Urlaub oder krank ist? Beim mittlerweile ausgeschiedenen Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) hatten die Stellvertreter-Posten Toni Ried (Freie Wähler, 2. Bürgermeister) und Josef Riedl (CSU, 3. Bürgermeister) inne, beide hatten im Vorfeld erklärt, unter Proske nicht mehr zur Verfügungen zu stehen. Ersterer wegen der veränderten Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat, die seine erneute Wahl unwahrscheinlich gemacht haben. Zweiterer aus gesundheitlichen Gründen.

Proske (SPD) wollte CSU-Vize

Für den neuen Rathauschef Proske war klar, dass die CSU den 2. Bürgermeister stellen soll. Zwar sind die Schwarzen von zehn auf acht Sitze geschrumpft, doch stellen sie im neuen Stadtrat damit immer noch die stärkste Fraktion – vor den Grünen. Entsprechende Signale sendeten Proske und die langjährige SPD-Stadträtin Elisabeth Platzer aus, nicht unbedingt zur Freude aller Genossen. Einige hätten sich über eine „Revanche“ gefreut, schließlich war die SPD bei allen Stellvertreter-Wahlen der vergangenen Jahrzehnte übergangen worden.

Die Wahl fällt auf Obergrusberger

In einer Telefonkonferenz der alten und der neuen CSU-Fraktion verständigten sich die Mitglieder dann mehrheitlich auf Stadtrat Günter Obergrusberger für das Amt des 2. Bürgermeisters (wir berichteten).

Frauen Union übt scharfe Kritik

Eine Entscheidung, die in der Frauen Union Ebersberg, auf schärfste Kritik stößt, was nichts mit der Person Obergrusbergers zu tun hat, wie unisono betont wird. Die Frauen hätten ihre Vorsitzende Marina Matjanovski gerne in dem Amt gesehen, weil sie bei der Wahl des Stadtrats und auch bei der Wahl des Kreistags herausragende Ergebnisse erzielt hatte.

Evelyn Möckl, Elvira Weißmann-Polte und Anna Vocke äußern sich mit drastischen Worten: „Wir drei stellvertretende Vorsitzende der Frauen

Marina Matjanovski
Marina Matjanovski © sro

Union sind geschockt und können diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Wir fragen uns ernstlich, warum unsere 1. Vorsitzende Frau Marina Matjanovski nicht als 2. Bürgermeisterin ins Rennen geschickt wird. Sie hat von den Wählerinnen und Wählern am 15.03.2020 bei der Stadtratswahl eine sehr hohe persönliche Zustimmung erhalten und wurde parteiübergreifend als Frau mit der höchsten Stimmenzahl (3936 Stimmen) gewählt. Herr Obergrusberger hat eine Gesamtstimmenzahl von 2770 erhalten.“ Matjanovski sei in den vergangenen sechs Jahren eine „äußerst engagierte Politikerin auf Stadt- und Kreisebene“ gewesen und habe viele Ideen und Anträge eingebracht. Die Frauen Union finde die Vor-Entscheidung über das 2. Bürgermeisteramt in der Stadt Ebersberg „nicht in Ordnung“. Und: „Wo bleibt die Berücksichtigung des demokratischen Wählerwillens und welchen Wert hat dann noch die ausstehende Wahl der Bürgermeisterstellvertreter im Stadtrat am 5. Mai, wenn im Vorfeld schon alles fest steht?“, fragen die Frauen, in deren Reihen einige wegen des Vorfalls mit dem Gedanken eines Parteiaustritts spielen, wie die EZ aus gut unterrichten Quellen erfuhr.

Matjanovski sagt: Bin sehr enttäuscht

Matjanovski selbst sagte auf Nachfrage am Freitag, dass sie ob der fraktionsinternen Entscheidung „sehr enttäuscht“ sei, weil der Wählerwille nicht berücksichtigt werde. Eingehender wolle sie sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Matjanovski hätte gerne für das Bürgermeisteramt in Ebersberg kandidiert, war aber im vergangenen Jahr parteiintern an Alexander Gressierer gescheitert. Dieser verlor im März die Wahl gegen Proske.

Brilmayer verteidigt das Vorgehen

Der neue CSU-Fraktionschef Florian Brimayer verteidigt das Vorgehen der Fraktion. Obergrusberger habe in einer geheimen Wahl

Florian Brilmayer
Florian Brilmayer © sro

sechs von acht Stimmen und damit eine absolute Mehrheit erhalten. Zuvor hätten sich drei Personen zur Verfügung gestellt. Nach Informationen der EZ waren dies neben Obergrusberger der frühere Fraktionssprecher Martin Schedo und Marina Matjanovski. Bei allen drei Bewerbern handele es sich um „sehr engagierte und sehr angesehene Persönlichkeiten, die für das Amt bestens geeignet wären, sagt Brilmayer. Also habe eine Wahl entscheiden müssen. „Als neu gewählter Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, die künftig mit Bernhard Spötzl von der FDP eine Ausschuss- bzw. Fraktionsgemeinschaft bilden wird, werde ich daher Günter Obergrusberger für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters vorschlagen“, so Brilmayer.

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