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„Ein Haufen Arbeit ist das schon, aber das hält fit, wie man sieht“: Brigitta (79) und Werner Geis (81) in ihrem Garten.

Garten schont den Geldbeutel

Selbstversorger aus Ebersberg kaufen nie Gemüse ein

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Das Ehepaar Brigitta und Werner Geis aus Ebersberg kauft nie Gemüse ein. Warum auch? Alles, was sie brauchen, haben die Geis im Garten.

Ebersberg – Eigenes Gemüse ist gleich doppelt gesund. Es ist vitaminhaltig, ohne chemische Belastung gewachsen und der Anbau sorgt für viel Bewegung an der frischen Luft. „Ein Haufen Arbeit ist das schon, aber das hält fit, wie man sieht“, sagt der Ebersberger Werner Geis und weist auf sein Alter von 81 Jahren hin. Er und seine Frau Brigitta (79) haben einen großen Schrebergarten im Laufinger Moos und kaufen das ganze Jahr über kein Obst oder Gemüse. „Da sparst du dir einen Haufen Geld“, weiß der pensionierte Polizist.

Als Gärtner kompletter Selbstversorger, geht das überhaupt? „Kein Problem“, meint Geis stolz. „Vor vier Wochen hatten wir die letzten Kartoffeln vom vergangenen Jahr.“ Neue sind bereits in langen Reihen angebaut, wovon das üppig sprießende Kraut schon Zeugnis ablegt. „Gedüngt wird nur mit Kompost und Schafsmist“ von den in der Nähe weidenden Tieren, erläutert Brigitta die Versorgung der Pflanzen mit den notwendigen Nährstoffen. Dass das gut funktioniert, belegen die bereits mächtig großen Salatstauden. „Wollen Sie einen mitnehmen?“

Schlangenbohnen, Kürbisse, Sellerie, Lauch und Zwiebeln wachsen hier

In diesem Stückchen Erde hinter der Schallschutzmauer der Ebersberger Südumfahrung wächst alles, aus dem gute einheimische Hausmannskost gekocht werden kann – und zwar ganzjährig. „Schlangenbohnen, Kürbisse, Sellerie, Lauch, Zwiebeln sowieso und in einem Gewächshaus auch verschiedene Sorten von Tomaten“, nennt Geis eine Auswahl. Gewirtschaftet wird im Kreislauf. „Ich habe sieben Komposthaufen angelegt“, sagt der professionelle Hobbygärtner. Von seinem Haus in der Laufinger Allee bis zu seinem Schrebergarten ist es keine Minute zu Fuß. Der Hang hinab ist steil, die Treppe mit den Trittsteinen hat der Pensionist in mühevoller Handarbeit selbst angelegt „samt dem Geländer“.

Auch einen Teich hat das Ehepaar vor dem Haus

Auch einen Teich hat das Ehepaar vor dem Haus. „Den habe ich mit der Hand ausgehoben“. An der tiefsten Stelle sei er 1,20 Meter tief. „Da sind nur Goldfische drin. Am Karfreitag braucht deshalb keiner zu mir kommen“, grinst Geis. Die Einfassungssteine für den Teich hat er aus den Bergen Bayerns nach Hause geschleppt. „Was machst du denn damit?“, hat ihn seine Frau damals gefragt und als Antwort erhalten: „Da fällt mir schon was ein.“ Daraus geworden ist dann der Zierteich, der auch als Vogeltränke dient. Hinter dem Haus sind nämlich jede Menge Vogelhäuschen. „Die sind alle belegt.“

Zu dem Grundstück und auch seinem Haus ist das Ehepaar ebenfalls über das Garteln gekommen. Denn mit den Vorbesitzern entwickelte sich über den regelmäßigen Pflänzchentausch eine Art Freundschaft. Die ursprünglichen Eigentümer kamen aus dem Sudetenland und waren vertrieben worden. „Die hatten eine Landwirtschaft und eine Gastwirtschaft“, erklärt der Ebersberger deren Bezug zu selbst gezogenem Gemüse, der auch in der neuen Heimat aufrechterhalten wurde.

„Wir konnten das Haus auf Leibrente erwerben“

Das Ehepaar Geis kümmerte sich um die älter werdenden Besitzer bis zu deren Tod. „Wir konnten das Haus auf Leibrente erwerben, sonst hätten wir uns das nicht leisten können.“ Den Schrebergarten hat die Familie Geis „der Bayerischen Landessiedlung abgelöst“. Früher gab es hier mehrere Selbstversorger. Aber der Elan hat nachgelassen. „Wir sind noch die Einzigen aus der ganzen Laufinger Allee“, berichten Werner und Brigitta Geis, die hier viele Stunden mit Arbeit zubringen.

Aber auch nach der Ernte ist die Mühe noch nicht vorbei. „Wir mieten zum Beispiel schwarze Rettiche ein“, berichtet Brigitta. Im Garten wächst jede Menge Obst, das eingeweckt wird. „Erdbeeren, Johannisbären, rote und schwarze, Äpfel, Kirschen, Stachelbeeren“, wachsen hier und auch Aronia. Das sind Apfelbeeren, aus denen ein vitaminreicher Saft mit intensiver blauer Farbe gewonnen werden kann. Die Schrebergärtner veredeln ihn aber lieber zu Likör. „Mögt’s ein Stamperl probieren?“

Garten schont den Geldbeutel

Auch andere Produkte aus dem eigenen Garten werden veredelt und konserviert durch Einlegen. „Zum Beispiel Brotzeitgurken“, sagt Geis. Langweilig wird dem Ehepaar mit seinem gemeinsamen Hobby jedenfalls nicht und der Geldbeutel wird auch geschont. Wann die Familie Geis das letzte Mal Gemüse eingekauft hat, weiß es gar nicht mehr. „Höchstens vielleicht mal einen Salat“, sagt Geis. Er lässt die üppige Blumenwiese hinter seinem Haus gerne das ganze Jahr über stehen als Bienenweide. Einmal jährlich muss er aber ran für eine Pflegemahd. Und das ist auch viel Arbeit.

In einem Gartenhaus in Forstinning ist ein Brand aufgetreten. Die Ursache war weder Fremdverschulden noch ein technischer Defekt. Es war ein biologischer Zersetzungsprozess.

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