Prominenter Besuch: Im Jahr 1962 kam der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, in die Kreisstadt. Er wurde 1969 zum vierten deutschen Bundeskanzler gewählt.
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Prominenter Besuch: Im Jahr 1962 kam der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, in die Kreisstadt. Er wurde 1969 zum vierten deutschen Bundeskanzler gewählt.

Ausstellung im Rathaus

Großes Vermächtnis: Ebersberg SPD wird 100 Jahre alt

  • Michael Seeholzer
    VonMichael Seeholzer
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100 Jahre Ebersberger SPD: Das ist in doppeltem Sinne ein Vermächtnis, das jetzt mit einer Ausstellung im Ebersberger Rathaus gewürdigt werden soll.

Ebersberg – Ein Vermächtnis ist das Jubiläum zum einen, weil das Material zu dieser bemerkenswerten Rückschau zu einem guten Teil aus dem Nachlass des verstorbenen Ebersberger Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer stammt, dessen Familie in der Geschichte des SPD-Ortsvereins tief verwurzelt ist.

Die Ausstellung ist zum anderen gleichzeitig ein Erbe, dem sich die

Sebastian „Bob“ Schurer, langjähriger und prägender Ortsvorsitzender der Ebersberger SPD (1972)

örtliche SPD in Erinnerung des politischen Weges auch künftig verpflichtet fühlen wird. Und schließlich ist die Präsentation und vor allem auch die vom Ebersberger Stadtrat Hans Mühlfenzl (Recherche) und Maria Weiniger (Gestaltung) dazu angefertigte Broschüre ein echtes Gemeinschaftswerk, so wie es bei den Sozialdemokraten der gute Brauch ist und immer war.

Die Idee zur Jubiläumsveranstaltung und auch dazu, den Werdegang des Ortsvereines historisch aufzuarbeiten im Kontext nicht nur der Ortsgeschichte von Ebersberg, hatten Mühlfenzl und Schurer schon vor längerer Zeit. „Der Ewald hatte eine Sammelleidenschaft, aber es war nichts geordnet“, berichtet Stadtrat Mühlfenzl. Nach dem frühen Tod des Ebersberger Abgeordneten habe er die Kisten aus dessen Büro zu sich mit nachhause genommen und das umfangreiche Material gesichtet. Ziel sei dabei von Anfang an auch gewesen, darzustellen, „wie die politische Situation vor hundert Jahren gewesen ist in Deutschland, Bayern und in Ebersberg.“

Blick auf Widerstand, Zweifel, Verfolgung

Die Ausstellung lenkt den Blick nicht nur auf die Entwicklung des Ortsvereins von der Gründung bis heute, auf Widerstände, Zweifel, Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus und persönlich erlittene Schicksale, sondern auch auf politische Erfolge und Glanzlichter der Vereinsgeschichte.

Dass dabei zeitgenössische Alltagsprobleme aufblitzen, macht die Zeitgeschichte authentisch und lebendig. Etwa dann, wenn Eleonore Schurer, die Schwiegertochter des Gründers der SPD-Ortsgruppe Ebersberg und Ehefrau des späteren 2. Bürgermeisters Sebastian Schurer jun., davon berichtet, der Februar 2029 sei derart klirrend kalt gewesen, dass das Eis im Klostersee eine Stärke von einem Meter aufgewiesen habe.

Sperrholzwerk legt Betrieb still

Sie berichtet aber auch davon, dass ein paar Monate später der Börsenkrach im Oktober die Zahl der Arbeitslosen von Woche zu Woche

Auch Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel kam gerne zu den Genossen nach Ebersberg.

auch im Landkreis steigen ließ, das Ebersberger Sperrholzwerk seinen Betrieb stilllegen musste und eine Volksküche für 20 Pfennige ein Mittagessen an Notleidende abgab. Gerade ein Kontext wie dieser ist wertvoll, wenn das Engagement des Ebersberger Ortsvereins über ein Jahrhundert lang in der Rückschau betrachtet werden soll und von den Besuchern der Ausstellung damit besser bewertet werden kann.

Ausstellung und Broschüre sind umfangreich bebildert, und so bleibt es nicht aus, dass man örtlichen SPD-Größen wieder begegnet wie etwa dem Ebersberger Stadtrat Sepp Geislinger oder Nikolaus Küfner, dessen rhetorische Fähigkeiten auch lange nach seinem Tod noch sprichwörtlich blieben. Die SPD hatte zu dieser Zeit längst zu einer selbstbewussten und politisch auch wirksamen Kraft in der Kreisstadt entwickelt, der soziale Belange der Bevölkerung ein wichtiges Anliegen war, was von der Bevölkerung auch so wahrgenommen wurde und wird.

Willy Brandt in der Kreisstadt

In die Zeit der sich damals bereits abzeichnenden großen Erfolge der SPD als Volkspartei auf Bundesebene fällt auch im Jahr 1962 der Besuch von Willy Brandt als Regierender Bürgermeister Berlins in der Kreisstadt, der 1969 zum vierten deutschen Bundeskanzler gewählt wird. 1972 erreichen die Sozialdemokraten bei den Bundestagswahlen 45,8 Prozent Stimmenanteil, „übrigens das bis heute beste Ergebnis.“ Auch an dieses Vermächtnis wird erinnert.

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