+
Er hatte sich seinen Abschied und den seiner Stadtratskollegen anders vorgestellt: Walter Brilmayer.

Er leitete 500 Stadtratssitzungen

Er war 26 Jahre Bürgermeister von Ebersberg: Walter Brilmayer und Stadträte verabschieden sich

Walter Brilmayer und sieben Stadträte verabschieden sich in ungewöhnlicher Corona-Sitzung. Bürgermeister Brilmayer geht nach 26 Jahren Amtszeit.

Ebersberg – Er hat in seiner Amtszeit mehr als 500 Sitzungen des Stadtrats und seiner Ausschüsse geleitet, nun stand seine letzte an: Am Dienstag hat der scheidende Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) die „alten“ Räte ein letztes Mal begrüßt – statt im Rathaus dieses Mal im Alten Speicher, wo sie den Mindestabstand einhalten konnten.

Eigentlich hätte Brilmayer zu seinem Abschied und dem von sieben Stadtratsmitgliedern gerne Sekt und Häppchen gereicht. Eigentlich hätte er langjährigen Räten per Handschlag gedankt und zur Ehre Anstecknadeln ans Revers gepinnt. Eigentlich hätte die Runde sich fürs Erinnerungsfoto fürs Goldene Buch der Stadt aufgestellt. Doch all das ließ Corona nicht zu. „Vielleicht werden wir das nachholen im Herbst“, sagte Brilmayer, der sich ein anderes Ende seiner 26-jährigen Amtszeit erhofft hatte. „Aber wenn es nicht geht, dann können wir es auch nicht ändern, dann gibt es auch schlimmere Sachen.“

So forderte er die scheidenden Stadträte auf, nach der Sitzung die mit Namen versehenen Präsentkörbe selbstständig zu holen. Ihren letzten Auftritt im Amt hatten Hans Mühlfenzl (36 Jahre Stadtrat, SPD), Alois Lachner (24, CSU), Rupert Abinger (24, CSU), Susanne Luther (24, CSU), Brigitte Schurer (18, SPD), Philipp Goldner (12, Grüne) und Michael Schulte-Langforth (12, Grüne).

Letzte Sitzung im Alten Speicher: „fast eine Witz“

Es sei in gewisser Weise „Ironie des Schicksals, fast ein Witz“, dass die letzte Sitzung dieses Stadtrats ausgerechnet im Alten Speicher stattfand, sagte Brilmayer. Denn vor sechs Jahren sei es eine der ersten Amtshandlungen des damals neu gewählten Gremiums gewesen, eben diesen Saal einzuweihen. Stolz sei er darauf, wie sehr der Alte Speicher das kulturelle Renommee der Kreisstadt aufgewertet habe. 

Auch in anderer Hinsicht stehe Ebersberg sehr gut da, was letztlich ein Verdienst der lösungsorientierten Stadtratsarbeit der vergangenen Jahre sei. „Wir sind viel beneidet worden von anderen, die sich im Gemeinderat untereinander viel mehr behackt haben“, sagte er und wünschte seinem Nachfolger Uli Proske (SPD), der als Zuhörer gekommen war, ebenso viel Glück mit dem neuen Gremium. 

Das letzte Mal kam der amtierende Stadtrat zusammen, nicht im Rathaus, sondern im Alten Speicher, wo die Sicherheitsabstände gewährleitet werden können.

Uli Proske kann nicht mehr Feuerwehr-Kommandant bleiben

Weil dieser als Bürgermeister nicht mehr Kommandant der Feuerwehr bleiben kann und sein mutmaßlicher Nachfolger Christoph Münch in München arbeitet und daher tagsüber als Einsatzleiter ausfällt, beschlossen die Stadträte, künftig statt einem zwei stellvertretende Kommandanten zu installieren. Der finanzielle Aufwand für das Ehrenamt begrenze sich auf 100 bis 200 Euro pro Monat, rechnete Geschäftsführer Erik Ipsen vor. Die Räte votierten dafür – einstimmig, wie so oft in den vergangenen Jahren.

Toni Ried: „großartige Zusammenarbeit“

Dass Brilmayer von den Stadträten aller Fraktionen respektiert und geachtet wurde, machten diese in ihren Grußworten deutlich. Sie bedankten sich für „großartige Zusammenarbeit“ (2. Bürgermeister Toni Ried, FW) und „Souveränität“ (Hans Mühlfenzl, SPD) bei der „respektablen Persönlichkeit“ Brilmayer (Philipp Goldner, Grüne). Trotz geballter Anerkennung vor dem bisher langjährigsten Bürgermeister der Kreisstadt fasste sich jeder kurz, schließlich sollen sich in Corona-Zeiten Stadtratssitzungen auf das Wesentlichste beschränken. Und das war an diesem Abend das Wort „Danke“.

VON UTA KÜNKLER

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare