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Das Kinderhaus St. Sebastian soll durch einen Neubau ersetzt werden. Doch seit Jahren geht nichts voran. Und das liegt an der Kirche.

Neubau Kinderhaus St. Sebastian

Weil nichts weitergeht: Ebersberger Stadträte stocksauer auf Kirche

Gut Ding will Weile haben, heißt es. Wer geduldig ist, wird also mit der Aussicht auf eine optimale Lösung belohnt. Dumm nur, wenn Geduld gefragt ist und das Ergebnis über die Zeit nicht besser, sondern stattdessen immer schlechter wird.

Ebersberg – So oder so ähnlich ergeht es der Stadt Ebersberg beim geplanten Neubau des Kinderhauses St. Sebastian. Geschlagene sechs Jahre wartet man im Rathaus schon darauf, dass es beim Eigentümer, der Katholischen Kirche, nach der Vorentwurfsplanung endlich weitergeht. Jetzt war es endlich soweit und die Kirche hat von sich hören lassen. Allerdings mit unschönen Nachrichten. Das Ordinariat will aus Kostengründen keine Tiefgarage mehr unter den Neubau setzen.

Kirche zahlt ein Drittel

Die Kirche trägt ein Drittel der Kosten für das Gesamtprojekt, zwei Drittel zahlt die Stadt. Ursprünglich hatte die Stadt vorgehabt, die Gelegenheit zu nutzen und durch eine Erweiterung unterirdisch zusätzlich noch öffentliche Stellplätze unterzubringen. Diese werden zentrumsnah dringend benötigt, um den Stadtkern zu entlasten und es vielleicht irgendwann doch möglich zu machen, den Marienplatz von den parkenden Autos zu befreien. Knapp 80 Parkplätze könnten in der Tiefgarage entstehen, hatte eine zwischenzeitlich von der Stadt in Auftrag gegebene Studie ergeben. Abzüglich der vom Personal des Kinderhauses und Familienzentrums benötigten wären das immer noch rund 50 frei verfügbare Parkplätze – ein wahrer Segen in dieser Lage.

Stadträte herb enttäuscht

Ob dieser Nachrichten zeigten sich die Stadträte in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses allesamt herb enttäuscht. „Ich bin sprachlos und wütend“, schimpfte Hans Mühlfenzl (SPD). „Das ist schon ein sehr ungewöhnliches Verhalten. Nach sechs Jahren heißt es, das, was wir besprochen haben, gilt einfach nicht mehr.“ Nicht genug damit, dass das Ordinariat keine Tiefgarage mehr will, auch reduziert es die oberirdischen Personal-Stellplätze von ursprünglich 30 auf 15. Damit wird die in der Stellplatzsatzung geforderte Mindestmenge geradeso erfüllt. „Das ist ein Gebiet, das schon jetzt durch parkende Fahrzeuge überbelastet ist“, wetterte auch FW-Bürgermeisterkandidat Toni Ried. „Das Ordinariat will Kosten sparen auf Kosten der Stadt! Wir werden hier übervorteilt!“

Moralische Kritik

Alois Lachner, langjähriger CSU-Stadtrat und Jurist, meinte: „So geht es eigentlich nicht. Da heißt es, was schert mich mein Geschwätz von gestern. Allerdings können wir nur einen moralischen Grund anführen, aber keinen rechtlichen. Da müssen wir wohl die Kröte schlucken.“

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Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) hofft, mit der moralischen Kritik bei der Kirche trotzdem ein gutes Pfund in der Hand zu haben, und sucht noch einmal das Gespräch mit dem Ordinariat. „Wir brauchen die Parkplätze, je mehr, desto besser“, beharrte er. Die Chance auf unterirdischen Parkraum dürfe man sich nicht entgehen lassen, zumal es mit einer Ein- und Ausfahrt über die Ulrichstraße aufgrund der Hanglage verhältnismäßig günstig werden könnte. Falls es überhaupt einmal etwas werde, dann würde es „beim Hölzerbräu im zweiten und dritten Untergeschoss mit Sicherheit teurer, öffentliche Tiefgaragenplätze zu schaffen“.

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Selbst wenn die Kirche überhaupt nicht mit sich reden lassen sollte, müsse man andenken, ob die Stadt nicht auf eigene Faust zumindest auf dem ihr eigenen Grundstücksteil eine Tiefgarage bauen sollte, regte Lachner noch an. „Die Gelegenheit haben wir so schnell nicht wieder.“

Uta Künkler

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