Wachsam haben die Jäger im Landkreis Ebersberg ihre Reviere im Blick. Es sollen in der Region immer noch Wilderer unterwegs sein. Einen Täter zu erwischen, ist aber noch niemandem gelungen. 
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Wachsam haben die Jäger im Landkreis Ebersberg ihre Reviere im Blick. Es sollen in der Region immer noch Wilderer unterwegs sein. Einen Täter zu erwischen, ist aber noch niemandem gelungen. 

Es gibt sie, aber nur einmal wurde ein Täter fast geschnappt

Wilderei im Landkreis Ebersberg: Von wegen Jennerwein

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Für viele Jäger besteht kein Zweifel daran, dass im Landkreis Ebersberg bis heute Wilderer unterwegs sind. Erwischt wurde  noch keiner. Aber fast.

Landkreis– Filzhut, Schnurrbart, Donnerbüchse – und dem Gesetz dank strammer Wadl immer einen Stiefelschritt voraus: Der Wilderer erfreut sich im Alpenraum bis heute gewisser romantischer Beliebtheit. Jennerwein-Verklärung stilisiert ihn sogar beizeiten zum Volkshelden, der es wagt, sich in seinem Freiheitsdrang gegen „die da oben“ aufzulehnen.

„Die Schlimmsten ballern drauf los“

Die Realität sieht anders aus, erklärt Heinz Utschig, Chef des Staatsforstbetriebs Wasserburg und damit Herr über den Ebersberger Forst. Die Schlimmsten, so Utschig, blenden das Rehwild auf den Wiesen und Lichtungen mit ihren Autoscheinwerfern und ballern mit ungeeigneten Waffen drauf los. Dann kann es sein, dass ein Jäger oder Förster Tage oder Wochen später im Unterholz den Kadaver eines Tieres findet, das zunächst davonlief und dann kläglich verenden musste. „Ich weiß nicht, was diese Leute reitet“, sagt Utschig. Das Strafgesetzbuch sieht für Wilderer bis zu fünf Jahre Gefängnis vor.

Der Polizei werden immer wieder Fälle gemeldet

Darüber, wie groß das Problem im Landkreis Ebersberg ist, gehen die Meinungen auseinander. Ebersbergs Polizeichef Ulrich Milius sagt: „Wenn man den Jägern glaubt, sind es mehr als noch vor 20, 30 Jahren.“ Immer wieder seien ihm in den vergangenen Jahren Fälle gemeldet worden. Fahrzeuge, die nachts im Wald ohne Licht unterwegs waren, vereinzelte Schüsse, die keinem Jäger zuzuordnen waren. Und der eine oder andere zurückgelassene Kadaver.

Konrad Metzger, Chef der Ebersberger Kreisgruppe im Landesjagdverband, berichtet Ähnliches: Die Täter schössen zum Teil aus dem heruntergelassenen Autofenster heraus. Beute, die liegen bleibt, nähmen sie mit. Was später verende, hole sich der Fuchs. Jagdlust und Geldgier vermutet Metzger als Antrieb. Die Täter hätten es vor allem auf Rehwild abgesehen. „Die haben feste Abnehmer, aber kein festes Revier“, sagt er. Deshalb seien Wilderer heute schwer zu stellen.

Über Identität lässt sich nur spekulieren

Von einem, der im Landkreis dingfest gemacht worden wäre, kann kein Jäger, Förster, Polizist berichten. Über die Identität der Täter lässt sich so nur spekulieren. Manche bringen angesichts des Jagdschein-Booms hinter vorgehaltener Hand sogar Jagdscheininhaber ohne Begehungsschein ins Gespräch, die lieber keine Hochstände reparieren oder bei Nacht und Nebel für angefahrene Tiere aus dem Bett springen wollten – aber doch dann und wann einen selbst erlegten Rehbraten schätzten.

Am eifrigsten arbeitet am Fahndungserfolg vielleicht Max Schauberger. Der 70-jährige Jagdpächter betreut ein Revier rund um das Gewerbegebiet im Norden Ebersbergs. Fünf Mal sei ihm allein 2019 Verdächtiges aufgefallen – einmal habe er 200 Meter neben sich auf dem Nachbarhochsitz einen Unbekannten beobachtet, der sich aus dem Staub gemacht habe, als er den Jäger bemerkt habe. „Dreist“, nennt dieser das Vorgehen der Wilderer, die teils sogar mit Wärmebildkameras unterwegs seien. Auch heuer schon habe er einen Steinwurf entfernt im Wald einen Schuss gehört, hinter dem er einen Wilderer vermutet. „Ich lauere ganz massiv“, sagt Schauberger. Zwischen der Mülldeponie Schafweide und den Weilern rund um Ebersberg, entlang der Staatsstraße, sichte er in seinem Revier keinen einzigen Rehbock mehr. Der Jäger ist sich sicher, dass daran die Wilderer schuld sind.

Schwarzwild ohne Kopf

Entspannter sieht das Heinz Utschig von den Staatsforsten. Zuletzt habe er in seinem Hoheitsgebiet keine Probleme mit Wilderern mehr zugetragen bekommen. Vor einigen Jahren hätten seine Jäger zweimal Schwarzwild gefunden, dem der Kopf abgetrennt wurde, wohl als Trophäe. Das habe man zur Anzeige gebracht – und schließlich habe eine seiner Jägerinnen ein verdächtiges Auto im Wald stellen können. Die Polizei habe die Personalien überprüft, aber keine Wilderei nachweisen könne. Seither sei jedoch Ruhe. Vielleicht wirkte die Kontrolle abschreckend. „Wir sind im Wald präsent“, warnt Utschig. Seine Leute seien quasi rund um die Uhr im Forst, auch wenn Passanten sie oft nicht wahrnähmen.

Gegen das Gesetz, gegen die Moral: Jäger tötet Muttertier - aus Versehen?

Auch Polizeichef Milius erinnert sich an die Kontrolle. Seine Beamten hätten weder Waffe noch Wildbret gefunden. „Aber die Erklärungen der Personen lassen den Schluss zu, dass es Wilderer waren“, sagt Milius. „Oder dass sie im Wald etwas getrieben haben, von dem die Ehefrau nichts wissen durfte.“

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