Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

Gericht 

Burschenfest mit ungeahnten Folgen

  • schließen

Gehirnblutung, ausgekugelte Schulter, ein zerkratztes Auto und viele Fragen. Vor dem Ebersberger Amtsgericht wird ein komplizierter Fall verhandelt. 

Ebersberg – Burschenfeste sind, zumindest in Bayern, dafür bekannt, dass es schon mal rustikaler zugeht. Doch was bei einem Burschenfest im Juni 2016 in Valley (Landkreis Miesbach) passierte, schlägt über die Stränge und hat für alle Beteiligte möglicherweise bittere Folgen.

Zwei Ebersberger (zur Tatzeit unter 21 Jahre) und ein Rosenheimer (über 21) sollen einen 27-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Miesbach und seine 24-jährige Schwester bei dem Burschenfest verletzt und deren Pkw beschädigt haben. Das Trio musste sich vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten. Doch der Fall stellt das Gericht vor Rätsel – das Wort „möglicherweise“ wird im Laufe der Verhandlung auffällig oft benutzt.

Möglicherweise...

Denn: Möglicherweise kam es durch die Verletzungen, die der 27-jährige Maschinenbauingenieur bei dem Fest durch Schläge an seinen Kopf erlitten haben soll, einige Wochen später zu einer Gehirnblutung. Eine kleine Ader sei geplatzt und habe Stück für Stück in den Kopf eingeblutet, schildert das Opfer. Ein Arm und eine Seite seines Körpers seien, Wochen nach dem Vorfall in Valley, taub geworden. Der 27-Jährige kam ins Krankenhaus, er wurde operiert, die Schädeldecke musste geöffnet werden, das Blut konnte abfließen. Er sei dreieinhalb Monate krank geschrieben gewesen und leide bis heute unter dem Vorfall und den Schmerzen, sagt er.

Männer auf dem Auto

Die Verteidiger der drei Angeklagten sehen bei der Gehirnblutung Raum für Spekulation – ein Zusammenhang mit den Vorfällen beim Burschenfest müsse nicht bestehen, so deren Argument. Wie es zu der Situation kam, schildern die Geschwister so: Beide seien im Auto neben dem Festplatz gesessen, um nach Hause zu fahren. Plötzlich seien zwei Männer auf die Heck-Stoßstange des Fahrzeugs gehüpft – es seien zwei der jungen Männer gewesen, die auf der Anklagebank sitzen. „Ich war sehr angepisst“, sagt die 24-Jährige. Sie stieg aus, wollte die Täter zur Rede stellen, sei dann von einem der Angeklagten mit nicht druckreifen Kraftausdrücken beleidigt worden, sogar einer „Watschn“ habe sie ausweichen müssen. Ihr Bruder kam zu Hilfe, habe einen der Täter in die Wiese geschubst. Dann sei es zu einer Rauferei gekommen, in der Folge ihr Bruder Schutz auf dem Beifahrersitz des Pkw suchte. Dieser behauptet, dass mindestens einer der Angeklagten rund zehnmal auf ihn eingedroschen habe. Als die Schwester ihrem Bruder helfen wollte, sei sie von einem anderen der drei Angeklagten „weggezogen“ worden, woraufhin sich das Schultergelenk verletzt habe, mit unerwarteten Folgen. Muskeln und Sehnen seien derart lädiert worden, dass sie Wochen nach der Tat operiert werden musste. Bis heute bekomme sie Physiotherapie, eine optimale Bewegung der Schulter sei immer noch nicht möglich, ihr Sport-Studium müsse sie verlängern.

Schläge mit der Faust habe es nicht gegeben 

Die drei Angeklagten schildern den Vorfall anders: Schläge mit der Faust habe es von niemand gegeben. Einer der beiden Ebersberger habe dem 27-Jährigen „zwei oder drei mal eine Watschn gegeben“, gibt er zu. Das aber nur, weil er seinen „Spezl“ bedroht gesehen habe.

Dass zwei der Beschuldigten auf das Fahrzeug der Geschwister gestiegen sind, gestehen sie ein. Es sei halt eine „Gaudi“ gewesen, sagt der Rosenheimer. Und: „Es tut mir leid.“ So etwas sollte man nicht machen.

Richter Dieter Kaltbeitzer unterbricht die Verhandlung nach über viereinhalb Stunden. Am 10. März geht es weiter. Bis dahin soll ein Gutachten klären, ob die Gehirnblutung und die Verletzung der Schulter auf die Vorfälle beim Burschenfest zurückzuführen sind – möglicherweise.

Rubriklistenbild: © sro

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Betrunken und auf funkender Felge heimwärts
Er war selbst von einem „Plattfuß“ nicht aufzuhalten und das lag vermutlich an seiner Alkoholisierung: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag verursachte ein Mann kurz …
Betrunken und auf funkender Felge heimwärts
Grafinger Erfolg an Siebentausender in Pakistan
Drei Jahre lang hatte es kein Bergsteiger auf den 7027 Meter hohen Spantik im pakistanischen Karakorumgebirge geschafft – nun gelang es als Ersten dem Grafinger Thorsten …
Grafinger Erfolg an Siebentausender in Pakistan
Wahlwerbung: AfD ärgert sich - Polizei ermittelt
Im Landkreis Ebersberg sprießt die Parteiwerbung. In welcher Kommune die CSU richtig stark wirbt und wieso die AfD richtig sauer sein dürfte. 
Wahlwerbung: AfD ärgert sich - Polizei ermittelt
Bulldogs und Boliden
Nach längerer Pause gibt es heuer wieder einen Oldtimer-Frühschoppen  bei Poing: am Sonntag, 20. August, auf dem Angelbrechtinger Hansn-Hof.
Bulldogs und Boliden

Kommentare