Ein Mann trinkt aus einer Bierflasche
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Immer mehr Menschen greifen wegen Corona zur Flasche.

Wegen Corona-Schutz-Maßnahmen

Corona feuert Alkoholsucht an - Immer mehr Suchtkranke im Landkreis

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Beratungsstellen im Landkreis Ebersberg verzeichnen Anstieg der Hilfesuchenden wegen Suchterkrankung. Vor allem der Alkoholkonsum stieg gewaltig.

Landkreis – Die Corona-Pandemie hat zu einer massiven Steigerung von Suchtproblemen geführt, allem voran beim Alkoholkonsum im Landkreis Ebersberg. Wie Georg Knufmann, Einrichtungsleiter der Sozialpsychiatrischen Dienste Ebersberg, mitteilt, griffen pandemiebedingt deutlich mehr Menschen zur Flasche.

„Alkohol ist sicherlich das größte Problem, da es gerne zur Bewältigung von Stresssituationen benutzt wird, weil er leicht erreichbar ist“ erklärt der Experte. Zwar habe der Konsum in der Öffentlichkeit deutlich abgenommen, eine Folge der Lockdown-Maßnahmen, dafür sei der Konsum daheim deutlich gestiegen. So seien die Verkaufszahlen an hartem und leichtem Alkohol in den Supermärkten um etwa 20 Prozent gestiegen, meint Knufmann. Im Zusammenhang mit einer psychischen Störung habe der Alkoholkonsum um rund 60 Prozent zugenommen.

Suchtexpertin sicher: Homeoffice verführt zum Alkoholkonsum

Das bestätigt Margit Schwarz, Suchttherapeutin der Caritas. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen sei vielen Menschen erst der hohe Konsum aufgefallen: „Ich erhalte vermehrt Anfragen in die Richtung: ,Mein Mann oder meine Frau trinkt mehr als ich dachte’, was nun erst sichtbar wurde, weil es zu Hause geschah“ so Schwarz. Dazu komme die fehlende Kontrolle im Homeoffice, dass etwa kein Auto mehr gefahren werden muss oder Kollegen nicht sehen können, dass die Hand bereits nachmittags zur Flasche greift.

Georg Knufmann von den Sozialpsychiatrischen Diensten Ebersberg

Beide sehen die Schuld für den Anstieg klar bei den Corona-Maßnahmen. Die psychische Belastung für alle sei einfach enorm gewesen, beinahe alle Ausgleichsmöglichkeiten seien weggefallen. „Um die Weihnachtszeit rum wusste auch ich nicht, was ich raten soll, weil alles, was sonst gegen das Verlangen von Alkohol empfohlen wird, nicht möglich war“, erinnert sich Schwarz. Außer Spazieren gehen oder Videochats habe es kaum Möglichkeiten zur Beschäftigung und Stressbewältigung gegeben.

Auch Illegale Drogen und Medikamentenmissbräuche erhöhten sich dank Corona-Maßnahmen

Laut Knufmann hat ebenso der Konsum von illegalen Drogen um etwa ein Drittel zugenommen, vor allem bei Männern. Vermutlich weil diese „selbstzerstörerischer“ bei ihrer Suche nach Problembewältigung vorgehen, schätzt er. Bei Frauen dagegen sei ein erhöhter Medikamentenmissbrauch festzustellen. Daher sind beide sehr erleichtert über die derzeit milderen Maßnahmen: „Die Lockerungen spielen uns Profis in die Hände“, sagt Schwarz. Den Menschen sei es wieder leichter möglich sich abzulenken, Menschen zu treffen und abzuschalten.

Knufmann freut sich, dass wieder mehr Menschen in den Behandlungsräumen zugelassen sind, und somit besser geholfen werden kann. Psychische Probleme und der erhöhte Konsum von Rauschmitteln würden das Sozialwesen jedoch noch mehrere Jahre nach der Pandemie belasten, sind sich die Experten einig. Bereits jetzt stünden insgesamt rund 50 Voranmeldungen für die Psychiatrische Tagesstätte auf Knufmanns Bedarfsanmeldungsliste.

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