Ein roter Bus, der für Corona-Schnelltests verwendet wurde auf einem Parkplatz.
+
„Bis auf Weiteres geschlossen“ steht auf dem Corona-Schnelltest-Bus vor dem Ebersberger Einkaufszentrum E-EinZ. Gegen den Betreiber ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Betrugsverdacht bei Corona-Schnelltests - Rote Busse ärgern Einkaufszentren: „Versuchen, sie loszuwerden“

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen

Der Betreiber mehrerer Corona-Test-Busse Im Landkreis Ebersberg steht unter Betrugsverdacht. Nun werden die Standorte die stillgelegten Busse nicht los.

Update Montag, 14. Juni: Geschäftsführer in U-Haft, Webseite nicht erreichbar: Die Staatsanwaltschaft hat dem Testbetrieb der Firma MediCan ein jähes Ende gesetzt. Die markanten roten Busse aber stehen rund zwei Wochen später immer noch auf zwei Parkplätzen im Landkreis – vor den Einkaufszentren E-EinZ in Ebersberg und Seewinkel-Center in Poing. „Wir prüfen, wie wir sie loswerden“, sagt eine Sprecherin der ILS Centermanagement, Betreiberin der Einkaufszentren. Das gelte auch für die Standorte in Dachau, Brunnthal und Unterschleißheim.

Problem nur: Der Kontakt zu dem im Betrugsverdacht stehenden Bochumer Unternehmen ist abgerissen. Und die Busse wegzufahren, steht derzeit offenbar nicht auf seiner Agenda. Die Verträge seien fristlos gekündigt, sagt die Center-Sprecherin, die sich über die Optik und die weggefallenen Parkplätze ärgert. „Aber Aufbrechen und Wegfahren geht nicht.“ Auch Abschleppen sei schwierig: Die Busse, fremdes Eigentum, müssten andernorts abgestellt werden; würden dort laufende Kosten verursachen.

Corona-Betrugsverdacht gegen Testbus-Betreiber: Abrechnung schwierig zu prüfen

Ob die Bochumer Firma auch mit den oberbayerischen Test-Bussen betrogen haben könnte, bestätigt die für die Abrechnung zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) auf Anfrage nicht. Da es keine Vergleichszahlen gebe, gestalte sich die Prüfung schwierig.

Geschäftsführer in U-Haft, die Webseite nicht erreichbar: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben dem Testbetrieb der Firma MediCan ein plötzliches Ende gesetzt. Die markanten roten Busse aber stehen rund zwei Wochen nach dem jähen Aus weiterhin auf den Parkplätzen im Landkreis Ebersberg - vor den Einkaufszentren E-EinZ in Ebersberg und Seewinkel-Center in Poing. „Wir prüfen, wie wir die Busse loswerden“, sagt eine Sprecherin des Betreibers der beiden Einkaufszentren, der ILS Centermanagement.

Erstbericht vom 1. Juni:

Landkreis – Mit Kugelschreiber hingekritzelt hängt ein Schild an der Innentür des roten Testbusses vor dem Ebersberger Einkaufszentrum E-EinZ: „Bis auf Weiteres geschlossen“, steht darauf, geschmückt von einem Schwung Ausrufezeichen. Ebenso vor verschlossenen Türen stehen Corona-Schnelltest-Willige an einem baugleichen Bus vor dem Seewinkel-Center in Poing.

Ob die knallroten Testbusse der Firma MediCan irgendwann wieder ihre Türen öffnen, dürfte maßgeblich von der Staatsanwaltschaft Bochum abhängen. Die ermittelt gegen den dort ansässigen Betreiber wegen Abrechnungsbetrugs: Er soll wesentlich mehr Tests gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben, als die Firma tatsächlich durchgeführt hat.

Corona-Schnelltest-Betrugsverdacht: Auch Stationen in Brunnthal, Unterschleißheim und Dachau betroffen

Bereits am Freitag wurden die Geschäftsräume des Unternehmens im Ruhrgebiet durchsucht, bestätigt ein Staatsanwaltschafts-Sprecher der EZ auf Anfrage. Seit Dienstagfrüh sind ihm zufolge offenbar alle 55 bundesweiten Teststationen der MediCan GmbH geschlossen – in der Region München betroffen sind neben den Bussen in Ebersberg und Poing Standorte in Brunntal, Unterschleißheim und Dachau.

Der Vermieter ist an allen diesen Orten derselbe: Die ILG Centermanagement GmbH. Offiziell möchte sich dort mit Blick auf das laufende Verfahren niemand äußern. Ein Insider auf Vermieter-Seite sagt der Redaktion aber, dass man in „intensiven Gesprächen“ mit der unter Verdacht stehenden Firma MediCan stehe: Entweder es gebe eine zeitnahe Öffnung oder die Busse müssten weg.

Corona-Schnelltest-Betrugsverdacht: Ob Teststationen in Ebersberg betroffen sind, wird weiter geprüft

„Mit möglichen unlauteren Machenschaften möchten wir nichts zu tun haben“, sagt die Quelle. Offiziell habe der Betreiber die Schließung damit begründet, seine Internet-Server funktionierten nicht. Pikant: Der Vertrag sei auf behördliche Empfehlung zustande gekommen, sagt der Insider, das sei quasi ein „Gütesiegel“ gewesen – ein Gesundheitsamt aus Hessen habe dem Einkaufszentrums-Betreiber eine Reihe von möglichen Test-Anbietern genannt, darunter sei die Firma MediCan gewesen.

Ob auch den Teststationen der Firma im Landkreis Ebersberg beim Gesundheitsamt falsche Abrechnungen vorgeworfen werden, konnte die Staatsanwaltschaft Bochum am Dienstag nicht sagen. Die Ermittlungen richteten sich gegen das gesamte Unternehmen, damit seien auch die bayerischen Niederlassungen betroffen. Die Schließungen der Teststationen habe aber nicht die Staatsanwaltschaft veranlasst.

Corona-Schnelltest-Betrugsverdacht: Landratsamt Ebersberg erfährt durch die Medien von Vorfall - und prüft weiteren Anbieter

Das Landratsamt Ebersberg hat nach eigener Mitteilung aus den Medien von dem Fall erfahren. Der Betreiber sei für die Behörde nicht mehr zu erreichen. Eine Prüfung der Abrechnung sei nicht möglich, da diese über die Kassenärztliche Vereinigung erfolge. Vor der Eröffnung habe das Amt eine „Plausibilitätsprüfung“ der Unterlagen des Betreibers durchgeführt. Derzeit prüft das Amt nach eigener Auskunft zudem das Geschäftsgebaren eines weiteren Schnelltest-Anbieters aus Poing – im Auftrag der Regierung von Oberbayern.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft äußerte sich zur momentanen Beweislage nicht weiter. Teststationen vor Ort seien nicht durchsucht worden, Festnahmen habe es im Zuge der Ermittlungen noch nicht gegeben. Auch ob die durchgeführten Tests medizinisch korrekt abgenommen und ausgewertet wurden, werde wohl noch Teil der Ermittlungen sein. Die Firma MediCan ließ eine Anfrage der Redaktion zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den Schließungen ihrer Schnelltest-Stationen bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare