Der Briefkasten mit den Firmennamen der betreffenden Immobilienfonds in St. Hubertus mitten im Ebersberger Forst.
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Der Briefkasten mit den Firmennamen der betreffenden Immobilienfonds in St. Hubertus mitten im Ebersberger Forst. Das dortige Konstrukt droht dem Landkreis Ebersberg zum Steuerdebakel zu werden.

Frust im Forst

Steueroase im Forst: Landkreis Ebersberg droht Millionendebakel - Zahlungen könnten jetzt noch teurer werden

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der Kreis Ebersberg muss wegen Rückzahlungen aus der Steueroase im Ebersberger Forst einen Millionenkredit aufnehmen. Weitere Forderungen könnten nachkommen.

Landkreis – Die Rechnung für den Landkreis Ebersberg aus der Steueroase Seegrasstadel könnte sich noch um 1,5 Millionen Euro plus Zinsen verteuern. Das räumte Landrat Robert Niedergesäß nun ein. Der aktuelle Bescheid der Stadt München summiert sich auf 23,5 Millionen Euro, bezieht sich aber nur auf die Jahre 2007 bis 2010. Auch danach bezahlten die Briefkastenfirmen im Ebersberger Forst dem Kreis noch Gewerbesteuer. „Im Vergleich zur Hauptforderung eine überschaubare Summe“, so Niedergesäß. „Ob das noch nachkommt, wissen wir nicht.“

Steueroase im gemeindefreien Forst: Millionen-Rechnung könnte für Landkreis noch höher ausfallen

Begleichen muss der Kreis die aktuelle 23,5-Millionen-Rechnung noch in diesem Jahr, finanziert per Kassenkredit. Derweil rätselt die Kreisverwaltung immer noch, was den Sinneswandel der Finanzbehörden bei der Bewertung des Steuersparmodells im Wald bewirkt hat. Die Steuerfahndung habe sich mit dem Fall beschäftigt, so formuliert es der Landrat etwas kryptisch. Erfahren habe er davon im Februar, offiziell sei der Bescheid im August eingegangen und den Kreisgremien vorgelegt worden.

Finanzmanagerin zu Steueroase im Ebersberger Forst: Im Seegrasstadel wurde zu Bürozeiten gearbeitet

Brigitte Keller, selbst mehrfach im Forst.

Die Finanzmanagerin des Landkreises, Brigitte Keller, betont, das Landratsamt habe sich immer wieder rechtlich abgesichert und deshalb kein Verständnis für die Rückzahlung: „Wir haben keinen einzigen Schritt ohne das Finanzamt gemacht.“ Sie sei persönlich mehrfach zu den angeschlagenen Bürozeiten in den Forst gefahren, wo ja nicht nur ein Briefkasten gehangen habe, sondern auch ein Raum für die Firmen bestand. „Es war immer jemand da“, sagt Keller über die dreistündigen Präsenzzeiten pro Woche, in denen im Seegrasstadel tatsächlich gearbeitet worden sei.

Steueroasen-Affäre im Forst: Eine Erleichterung gibt es für den Landkreis Ebersberg

Eine kleine Erleichterung gibt es aus der ganzen Affäre übrigens für den Kreishaushalt 2022. Dann wirkt sich der finanzielle Tiefschlag auf die Zuweisungen und Umlagen aus, die Ebersberg vom Freistaat bekommt und an den Bezirk zahlt. Wegen seiner plötzlichen Finanzschwäche wird der Kreis dann laut Landrat um rund 10,7 Millionen Euro entlastet.

Wenn es nach dem Landkreis Ebersberg geht, will er das Haus in Bestlage von Ebersberg nun doch nicht mehr als Unterkunft für Asylsuchende haben. Und ein Tierdrama, das im Herbst für Aufsehen gesorgt hatte, hat nun ein gutes Ende genommen: Fünf Katzenbabys waren in einer Mülltonne gefunden worden. Jetzt haben sie ein neues Zuhause. Alle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg gibt es bei der Ebersberger Zeitung.

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