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Kein Ibuprofen und kein Nasenspray: Medikamente werden knapp

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Von: Raffael Scherer

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Ein Kind liegt krank im Bett: Schmerzmittel sind knapp – vor allem die für Kinder.
Ein Kind liegt krank im Bett: Schmerzmittel sind knapp – vor allem die für Kinder. (Symbolbild). © DPA

Lieferengpässe vor allem bei Schmerzmitteln für Kinder machen Apotheken und Patienten im Landkreis zu schaffen.

Landkreis – Apothekerin Margarete Meyer sitzt viel mehr am Telefon als gewöhnlich. Denn Schmerzmittelsäfte für Kinder mit Ibuprofen, genauso wie Paracetamolsäfte, die sonst einfach über den Großhandel automatisch mitbestellt werden, sind knapp. Darum versucht sie für die Forellen Apotheke in Glonn über andere Firmen Alternativen zu finden, bis die originalen Marken, die ihre Kunden kennen, wieder lieferbar sind: „Es ist sehr schwierig, momentan.“

Doch die Engpässe hören bei den beiden Medikamenten nicht auf: Betahistin gegen Schwindel, Tamoxifen bei Brustkrebs oder das Enzympräparat Wobenzym gegen Entzündungen seien ebenso knapper als sonst, berichtet Meyer. Doch sogar eher alltägliche Stoffe wie Kalzium, Elektrolyte oder Kochsalzlösung fehlen. Da muss Meyer eben diversen Alternativfirmen hinterher telefonieren, national, wie international.

Rohstoffe und Zubehör fehlen

Das kann Bernd Grünberg, Delegierter der Landesapothekerkammer Bayern und Betreiber der Eber-Apotheke in Ebersberg, nur bestätigen: „Gerade für Kinder ist es ,nicht schön’, dass die Schmerzmittel abgehen“, sagt er. Überall in der Apothekenbranche höre er ähnliche Beschwerden.

Grund dafür seien zum einen die Produktionsstätten im Ausland. Zum einen fehlen wegen Lieferproblemen in Indien oder China die Rohstoffe selbst, gleichzeitig kommt von dort auch einfaches Plastikzubehör für Medikamentenbehältnisse, wie etwa die Pumpen beim Nasenspray. „Das sind Punkte, wo wir einfach abhängig sind.“

Spenden in die Ukraine als möglicher Auslöser für Engpass

Parallel dazu würde sich die Produktion von Medikamenten wie etwa Schmerzmittel für Kinder für Großkonzerne immer weniger rechnen, sodass mehrere die Produktion herunterfahren. „Die Apotheker beratschlagen gerade dazu, ob sie sowas als Rezeptarzneimittel verabschieden“, sagt Grünberg. Dadurch könnten Apotheken die Medikamente im Labor selbst herstellen, jedoch verbunden mit mehr Aufwand und einem dementsprechend höheren Preis.

„Wir haben auch einiges in die Ukraine gespendet“, erinnert sich Meyer währenddessen in Glonn. „Wenn das in großem Maße gemacht wird, kann es schon sein, dass es dann Probleme gibt“, so ihre Vermutung. Ebenso sei seit der Pandemie der Kundenansturm auf die Apotheken größer geworden, da sich die Menschen vermehrt privat mit Medikamenten eindecken. Erhöhte Nachfrage könne da auch Engpässe mit sich bringen.

Ansturm auf Apotheken wächst

Auch bei Grünberg wuchs der Ansturm an Kunden in der Ebersberger Filiale: „Wenn sich wieder mehr Leute nach draußen begeben, bekommen eben mehr Sonnenbrand, Mückenstiche, Schnupfen, Husten und Heiserkeit. Gehen mehr Leute fort, stecken sich wieder mehr an und gehen in die Apotheke“, schlussfolgert er.

Zweiter Grund für den Ansturm sei das Apothekensterben. Immer mehr Filialen schließen, weil etwa die nahe gelegenen Ärzte weggezogen oder die Erhaltungskosten explodiert sind, sodass sich manche Filialen nicht mehr rentieren.

Das ist die Alternative für Schmerzsäfte

Dann müssen die bisherigen Kunden eben in die anderen. Die überall steigenden Kosten treffen die Apotheken genauso wie alle anderen, da wird über kurz oder lang eine Preissteigerung auf die Kunden zukommen, so Grünbergs Prognose.

Doch zum Glück muss erst einmal kein Kind mit Schmerzen ins Bett. Denn es gibt eine Alternative zu den Ibu-Säften: „Wir hätten noch genügend Zäpfchen da, aber die mag eben nicht jedes Kind“, sagt Meyer und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Und so mancher Erwachsener auch nicht.“

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