3000 Euro Beute

Diebstahl aus Heroinsucht

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Nachdem sie mit Beute im Wert von über 3000 Euro erwischt wurde, erhielt eine vorbestrafte Diebin aus Ebersberg vor dem Amtsgericht keine weitere Chance mehr. Die Drogenabhängige muss fast ein Jahr in Haft.

Die Taschen ganz schön vollgepackt hat sich eine 41-jährige Ebersbergerin in einem Grafinger Supermarkt: Weil sie dabei erwischt wurde, wie sie Kosmetika – und Heidelbeeren – im Wert von mehr als 3000 Euro stahl, musste sich die Frau am Dienstag vor dem Ebersberger Amtsgericht verantworten. Das Diebesgut wollte die arbeitslose Altenpflegerin bei ihrem Drogendealer gegen Heroin tauschen.

Eskortiert von zwei Polizisten betrat die Angeklagte den Gerichtssaal – sie kam direkt aus der Justizvollzugsanstalt Aichach, wo die Frau bereits eine Reihe aufgelaufener Vorstrafen wegen Betrugs und Diebstahls absitzt. „Das hat Sie offenbar nicht besonders beeindruckt“, kommentierte Richterin Vera Hörauf in Richtung der Anklagebank, dass die Diebin, obwohl sie mehrmals erwischt worden war, immer wieder straffällig wurde.

„Wir wissen, wie schwer es ist, von Heroin wegzukommen“, sagte der Verteidiger der Frau. Er warb für Verständnis angesichts der schwierigen Situation seiner Mandantin: Diese sei bereits zehn Jahre lang „sauber“ gewesen, habe 2014 aber einen Rückfall erlitten – Grund sei eine Vergewaltigung und Misshandlung durch ihren damaligen Ehemann gewesen, der für diese Tat zu fast sieben Jahren Haft verurteilt wurde. „Sie ist in eine Art Sumpf hineingezogen worden“, so der Verteidiger weiter.

Heroin für 50 Euro am Tag

Am Ende habe seine Mandantin Heroin für gut 50 Euro am Tag konsumiert – mit Hartz IV war dieser Konsum nicht zu finanzieren. Der missglückte Großdiebstahl sei daher auf den Drogenkonsum der Frau zurückzuführen und Schaden sei ohnehin keiner entstanden, „sie wurde ja erwischt“, sagte der Verteidiger weiter. Außerdem habe die 41-Jährige mittlerweile einen Entzug hinter sich und zeige Willen zu einer Therapie. „Nach dem Entzug geht es mir jetzt richtig gut“, warf die ansonsten eher schmallippige Angeklagte ein.

So ganz mochten sich weder Richterin noch Staatsanwältin aber der Aufbruchsstimmung anschließen – zu schwer wogen die fünf Vorstrafen und die teure Beute der Angeklagten. Auch ihr Verteidiger musste schließlich einräumen, dass es mit einer Bewährungsstrafe wohl nicht getan sei. Hätte sie den Kosmetik-Diebstahl bleiben gelassen, wäre die Frau bereits am 13. Juli vorzeitig aus der Haft entlassen worden. So packte Richterin Hörauf acht Monate obendrauf – ohne Bewährung.

ja/msa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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