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Verlagerung und Rohstoffmangel: Munition für Sportwaffen wird knapp

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Von: Raffael Scherer

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Auch bei der Munition für Luftpistolen macht sich der Metallmangel bemerkbar.
Auch bei der Munition für Luftpistolen macht sich der Metallmangel bemerkbar. © Stefan Rossmann

Sportschützen im Landkreis Ebersberg spüren Auswirkungen des Ukraine-Kriegs erheblich.

Landkreis – Auch vor den Sportschützen machen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges nicht Halt. So herrscht seit Anfang des Jahres deutlicher Munitionsmangel in den Waffengeschäften: „Es gibt keine, und wenn, dann ist sie unverschämt teuer“, sagt etwa Markus Fuierer vom Poinger Schützenverein Hubertus. Eine Schachtel mit 50 9-mm-Patronen kostete regulär bisher rund 15 Euro, mittlerweile seien es über 27. Allein beim Training für eine Serie nach Verbandsregeln brauche es 40 Schuss sowie fünf zur Probe, erklärt Fuierer. Da ist eine Schachtel schnell weg. „Zum Glück haben wir noch was übrig, weil wir in der Pandemie nicht so viel schießen konnten.“

Der Mangel liegt nach Meinung Fuierers vorwiegend an der Pulverproduktion: „Das Problem ist, dass wir in Europa nur eine gewisse Anzahl an Pulvermühlen haben, die Schwarz- oder Nitropulver produzieren können, und die produzieren zur Zeit für die Munitionslieferungen in die Kriegsgebiete“, sagt er.

Mangel an Messing, Blei und Kupfer

„Teurer ist nicht der richtige Ausdruck, sondern nicht verfügbar“, heißt es währenddessen vom Grafinger Schützenmeister Josef Fertich. „Es hieß nur ,schnell kaufen, wir haben nur noch die Restbestände und da kommt nix mehr nach’“, so seine Erfahrung in den Waffenläden. Egal ob 357er Magnum, 9mm oder auch kleine Kaliber, überall gebe es nur noch etwa 30 Prozent der gewohnten Munitionsmenge.

„Laut Herstellern liegt das momentan an einem Rohstoffengpass“, hat sich Fertich sagen lassen, vorwiegend ein Mangel an Messing für die Hülsen, sowie Blei und Kupfer für die Geschosse. Denn bisher sei ein Großteil der Metalle aus der Ukraine und den Gebieten drum herum importiert worden, erklärt Fertich.

Einfach Pausieren geht nicht

Knapp wird es jedoch auch bei den Grafingern vorerst nicht: „Wir haben vorausschauend eingekauft und kaufen immer gleich 3000 bis 5000 Schuss“, so Fertich. Bisher seien die Vorratsschränke noch dementsprechend voll. Vergangenes Wochenende bei einer Schützenmeisterschaft habe er zumindest noch niemanden über fehlende Munition klagen gehört: „Es ist bis jetzt nicht so, dass wir unseren Sport nicht mehr ausführen können.“

„Es knirscht zwar bei jedem, wenn er dran denkt, aber es läuft noch“, stimmt ihm Fuierer zu. Noch dazu käme, dass jeder Schütze mit scharfer Munition, egal ob bei Groß- oder Kleinkaliber, pro Waffengattung in den ersten zehn Jahren dem Landratsamt jährlich zwölf Ergebnisse der Benutzung vorlegen müsse. Sonst bestünde das Landratsamt auf die Abgabe der Waffe, erklärt er. Während der Pandemie habe es zwar den ein oder anderen gegeben, der wegen geschlossener Schützenheime diese Anzahl nicht ganz erfüllen konnte, da sei aber coronabedingtes Verständnis gekommen. Einfach so Pausieren gehe hingegen nicht.

Mangel auch bei Luftgewehren und Luftpistolen bemerkbar

Und sogar bei der Munition für Luftgewehre und -pistolen macht sich der Metallmangel bemerkbar: „Bei den Diabolos ist es etwa ein Aufschlag von 15 Prozent“, so Walter Hartl, Sportleiter des Gau Ebersberg und Inhaber von „Hartl Schützen-/ Vereinsbedarf“. Bei Sportbekleidung sei es das Gleiche. Aber auch hier müsse man eben in den sauren Apfel beißen: „Ein ambitionierter Schütze, der trainiert, kann auf sein Sportgerät nicht verzichten, genauso wie ein Fußballer auf den Fußball.“

Doch auch bei den Ebersbergern hatte zumindest in dieser Hinsicht die Pandemie ihr Gutes: „Normalerweise gehen die meisten jetzt eh in die Sommerpause. Zudem waren wir gebeutelt durch die Lockdowns und auch dazwischen als Indoorsport eingeschränkt: Das Material, das man hat, ist fast nicht verbraucht worden.“ Die Munition wird also zunächst noch niemandem ausgehen.

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