Verstreicht hier eine Chance? Der vorläufige Mietvertrag, den die Klinik-Initiatoren für das Ex-Bürogebäude an der Sonnenstraße in Kirchheim geschlossen haben, läuft in den nächsten Wochen aus. Er war schon einmal verlängert worden.

In Kirchheim soll ein neues Krankenhaus entstehen

Ebersberg hat Angst vor neuer Klinik

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  • Charlotte Borst
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Für die Klinikneugründung in Kirchheim (Lk. München) geht es jetzt um alles. 2,5 Jahre haben sich die Befürworter für eine Vorzeigeklinik engagiert, die vor allem den Ebersbergern Angst macht, weil sie eine mächtige Konkurrenz zur hiesigen Kreisklinik darstellt. Jetzt liegt es am Gesundheitsministerium zu entscheiden.

Ebersberg/Kirchheim – Die Initiatoren des „Klinikum München Land Kirchheim“ (KMK) haben über ihren Anwalt erwirkt, dass der Krankenhausplanungsausschuss am 17. Juli eine zusätzliche Sitzung abhält. „Danach muss Gesundheitsministerin Melanie Huml entscheiden“, sagt Franz Gruber. Er hat das 180-Betten-Projekt initiiert und kämpft gemeinsam mit den Professoren Andreas Sendler und Rudolf Hipp seit 2015 für die Realisierung des modernen Krankenhauses.

Sie haben Briefe an Ministerpräsident Horst Seehofer, und Finanzminister Markus Söder geschrieben und mit Wirtschaftsminiserin Ilse Aigner gesprochen. „Alle haben zugesagt, dass sie ein Wort bei Ministerin Huml einlegen“, sagt Franz Gruber, 68, selbständiger Kameramann und Videofilmer aus Kirchheim.

Andreas Sendler, Professor und Initiator der Klinikneugründung.

Doch es regt sich erheblicher Widerstand: Die Ministerin hatte durch eine Umfrage unter den Landräten der Nachbarlandkreise erfahren, dass kein Bedarf für eine neue Klinik gesehen wird. Noch schlimmer: Die Landräte befürchten wirtschaftliche Einbußen für ihre eigenen Kreiskrankenhäuser. Die neue Klinik in Kirchheim soll auf Onkologie, Tumor- und Wirbelsäulenchirurgie ausgerichtet sein, eine Station für Innere Medizin und eine 24-Stunden-Notaufnahme haben. Sie wird damit zur Konkurrenz für die Kreisklinik Ebersberg werden.

Das aber, so Gruber, dürfe bei der Entscheidung nicht den Ausschlag geben: „Das Projekt ist so besonders, es geht nicht an, dass Lobbydenken Priorität bekommt vor der bestmöglichen medizinische Versorgung der Bürger.“ Wenn das Projekt aus solchen Gründen scheitert, werde er keine Ruhe geben, kündigt er an: „Ich werde protestieren im Internet, in Blogs, vor Kameras.“

Für die einen ist der Standort ideal, für die anderen ist das ganze Projekt schlicht überflüssig. Seine Kritik an den Plänen erneuerte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU): „Das Projekt ist nicht bedarfsnotwendig für die Region“, sagte der Landrat und befürchtet „Rosinenpickerei“. Auch die Oberbürgermeister aus München und Erding, Dieter Reiter und Max Gotz, sowie der Freisinger Landrat Josef Hauner würden das so beurteilen, berichtet Niedergesäß. „Ärzte dürfen sich nicht überall niederlassen, Kliniken anscheinend schon“, kritisiert Niedergesäß, dass sich die Initiatoren des Projektes auf das Grundgesetz und die Berufsfreiheit berufen.

Franz Gruber Initiator der Klinikneugründung aus Kirchheim.

Der Münchner Kreistag steht hinter der Spezialklinik. Doch das neue Krankenhaus muss in den bayerischen Krankenhausplan aufgenommen werden. Eigentlich tagt der beratende Krankenhausplanungsausschuss des Gesundheitsministeriums zweimal pro Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Doch für Montag, 17. Juli, wurde eine zusätzliche Sitzung erwirkt, teilt das Gesundheitsministerium mit. Die letzte Hoffnung der KMK-Betreiber für einen Durchbruch.

Die Bedenken aus dem Landkreis Ebersberg glaubte Professor Sendler eigentlich bei einem Treffen ausgeräumt zu haben. Mit der Kreisklinik Ebersberg strebt er eine enge Kooperation an. „Wir werden Patienten an die sehr gute Urologie und Kardiologie nach Ebersberg weiterschicken, da fungieren wir als Portalklinik und machen genau das, was die Kassen immer fordern, Schwerpunkte bilden.“ Auch Personal wolle man nicht abwerben. „Das haben wir Landrat Niedergesäß und Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber zugesichert.“ Eine ursprünglich geplante Palliativstation hätten die KMK-Betreiber sogar fallen lassen, „weil die Ebersberger signalisiert haben, dass ihre Palliativstation nicht voll ist. Mehr Entgegenkommen geht nicht“.

Auch Franz Gruber, einst Krebspatient, ist irritiert. „Ich war der Meinung, dass wir uns geeinigt haben“, wundert sich der 68-Jährige: „Sie haben Angst vor 180 Betten, das ist Quatsch bei 23 000 Betten in München!“

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