Prozess zieht sich

Asylbewerber-Party gerät außer Kontrolle - Richter genervt

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Eine Party von Asylbewerbern gerät außer Kontrolle. Ein Mann aus Sierra Leone geht mit einer Flasche auf einen 32-Jährigen los. Der Prozess vor Gericht zerrt nicht nur an den Nerven des Richters. 

Ebersberg– Es riecht nach süßem Parfüm im Gerichtssaal. Mohamed B. sitzt auf der Anklagebank: Goldene Uhr am linken Handgelenk, ein vergilbter, weißer Verband am rechten Handgelenk, rot-schwarze Sneakers, Jeans, dunkelgrüne Winterjacke mit Pelz. Ein großer, kräftiger Mann mit kurzen Haaren und Bart. Die Jacke behält der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber – zumindest behauptet er das – in der mehrstündigen Verhandlung immer an. Zwei Polizisten wachen hinter ihm. Richter Markus Nikol sagt: „Sie haben eine denkbar schlechte Sozialprognose, verschleiern seit Jahren Ihre wahre Identität, haben keine Arbeit und keinen festen Wohnsitz.“

18 Monate Freiheitsstrafe - ohne Bewährung

34 Jahre alt soll der Mann sein, Behörden hätten drei unterschiedliche Geburtsdaten von ihm registriert. Wegen eines Drogendelikts, Hausfriedensbruchs und illegalem Einschleusen von Ausländern ist er bereits verurteilt. Zur Verhandlung in dieser Woche kam der Mann aus Sierra Leone in Handschellen. Und er verlässt den Gerichtssaal im Ebersberger Amtsgericht in Handschellen. 18 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung lautet das Urteil des Schöffengerichts. Mit einer Bierflasche ist der Mann auf einen anderen Asylbewerber in einer Unterkunft in Grafing losgegangen. Er schlug die Flasche auf den Schädel eines 32-jährigen Mannes aus Eritrea und verletzte ihn schwer. Es sei ein Glück, dass er nur eine Woche im Krankenhaus verbringen musste, sagte die Staatsanwältin. Denn: Ein Angriff mit einer Flasche zum Kopf könne auch tödlich enden. 

Eine regelrechte Schlacht mit Steinen und Flaschen

Alles begann im August vor vier Jahren, als in einem Haus in Grafing, in dem zahlreiche Flüchtlinge aus Afrika untergebracht waren, zwei verschiedene Partys stattfanden. Es kam zu Streit zwischen einer Gruppe aus Sierra Leone und Eritrea. Der führte zu einer regelrechten Schlacht mit mehren Verletzten und einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften. Sogar ein Helikopter war im Einsatz. Mit Flaschen und Steinen, die die Männer – mehr als ein Dutzend – in die Finger bekamen, sollen sie sich in und vor dem Gebäude gegenseitig beworfen und geschlagen haben. Mohamed B. soll einer der Hauptakteure gewesen sein. Eine Polizistin erinnert sich an die Aggressivität des Mannes. Fünf Beamte brauchte es, um ihn zu bändigen. Schnaps habe er pur getrunken, einen Alkoholwert von über zwei Promille.

Er kam einfach nicht...

Vor Gericht sitzt er ruhig auf dem Stuhl und lauscht den Worten seiner Dolmetscherin. Es ist bereits der dritte Termin. Im Dezember sollte B. bereits der Prozess gemacht werden. Er kam einfach nicht. Er wurde festgenommen und in U-Haft gebracht. An einem anderen Termin kam B. zwar, dafür aber nicht alle Zeugen. In dieser Woche dann der dritte Anlauf: Alle kamen. Ein Prozess, der an den Nerven aller Prozessbeteiligten zerrte. Viele der Zeugen wollten nicht aussagen. Oder sagten das Gegenteil, wie sie bei der Polizei angaben. Dennoch, am Ende reichte es: Das Urteil (noch nicht rechtskräftig) fiel, die Handschellen klickten. 

Rubriklistenbild: © dpa

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