1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Ebersberg

Der Musik den Puls gefühlt: So schön war das Jazzfestival Ebersberg

Erstellt:

Kommentare

 The Three Continents Jazz Ensemble bei der Generalprobe
Von der Matinee am Vormittag mit Christos Anastasiadis und Soitra Kollia bis zum Abschlusskonzert mit dem The Three Continents Jazz Ensemble (Foto) ließen die Ebersberger auch am letzten Festival-Taq nichts anbrennen. © Peter Kees

Neun Tage lang hat Ebersberg den Jazz, die Wiederbelebung der Kulturszene und sich selbst gefeiert. Wir haben hinter den Festival-Kulissen den Endspurt begleitet.

Ebersberg – Frank Haschler ist im Stress. Gerade, es ist Sonntagmorgen 9.30 Uhr, laufen im Alten Speicher die Vorbereitungen zur Generalprobe des Abschlusskonzertes beim diesjährigen Ebersberger Jazzfestivals. Nach all den Stars der vergangenen Tage stehen heute die einheimischen Jazzer aus dem Landkreis auf der Bühne, die Amateure. Im Rahmen des Festivals hatten der Bandleader, E-Bassist und Komponist Schalk Joubert und die Sängerin Tutu Puoane, beide aus Südafrika, als „artist in residence“ einen einwöchigen Workshop geleitet.

Haschler ist begeistert: „Wir haben sehr viel gelernt. Bei 7/4- oder 11/8-Takten haben wir erst einmal schön brav gezählt, bis wir begriffen, dass es darum nicht geht, sondern darum, einfach den Puls zu fühlen.“

Jazz in Ebersberg: Internationale Klasse von Anfang bis Ende

Für 17 Uhr ist das Konzert angesetzt. Noch werden Kabel verlegt, das Licht eingestellt. Lampenfieber. Auf dem Programm des Finaltages steht aber noch einiges mehr. Für 11 Uhr ist zu einer Matinee mit den griechischen Musikern Christos Anastasiadis und Sotiria Kollia im Café Mala im Klosterbauhof geladen. Und um 14.30 Uhr spielt das Münchner Panama Ensemble im Alten Kino ein Konzert für Kinder.

Neun Tage Jazz liegen nun hinter Ebersberg. „Es war ein absoluter Erfolg,“ freut sich Haschler, der immer daran glaubte, dass EBE-JAZZ 21 tatsächlich stattfinden kann. Seine Rechnung ist aufgegangen, wenn auch nicht so viel Publikum zugelassen war wie zu regulären Zeiten.

Ausverkauft war bereits das Eröffnungskonzert mit der legendären, fast 93-jährigen US-amerikanischen Jazz-Sängerin Sheila Jordan, „New York’s First Lady of Bebop“. Auch der zweite Abend mit Mario Biondi und Band, der mehr im Zeichen von Pop denn klassischem Jazz stand, aber mit einer wunderbaren Soul-Stimme, war ausverkauft. Selbiges konnte für das Konzert zum 50-jährigen Bestehen des Jazzlabels ENJA vermeldet werden. Mit Plattencovern vor allem aus der Anfangszeit des Labels gab es sogar eine Ausstellung im Ebersberger Kunstverein.

Jazzfestival Ebersberg: Der BR schneidet Konzerte mit

Das Konzert von Franco Ambrosetti und dem Anke Helfrich Trio wird am 10. Dezember zum Nachhören auf BR Klassik gesendet. Die Ebersberger applaudierten für die Mikrofone, schließlich lies das, was zu hören war, gar nichts anderes zu. Mitgeschnitten hat der BR noch einen zweiten Abend, das Konzert mit der Schweizer Schlagzeuglegende Daniel Humair und Band.

Christos Anastasiadis und Soitra Kollia
Von der Matinee am Vormittag mit Christos Anastasiadis und Soitra Kollia (Foto) bis zum Abschlusskonzert mit dem The Three Continents Jazz Ensemble ließen die Ebersberger auch am letzten Festival-Taq nichts anbrennen. © Peter Kees

Das Fazit des Festivals: neun intensive Tage mit internationalen Jazz-Größen und jeder Menge unterschiedliche Stilrichtungen, von Oldtime-Jazz bis zum Experimentellen. „Ich bin ein wenig müde,“ verrät der Festival-Chef bei der Generalprobe fürs Abschlusskonzert. Am Abend zuvor, so erzählt Frank Haschler, habe man bis vier Uhr in den Morgenstunden mit den Musikern gefeiert. Ja, auch das gehört zum Job der Festivalleitung: sich um die Gäste zu kümmern.

Konzerte in Ebersberg: Ein paar Zugeständnisse an die Pandemie sind unumgänglich

Einziger Wermutstropfen: die Veranstaltungsorte durften wegen der Corona-Pandemie nur halb gefüllt werden. „Es war uns aber wichtig,“ so Haschler, „dass unser Publikum die Konzerte ohne Maske genießen kann. Deshalb mussten wir auf Abstand achten.“ Ob alles auch rein rechnerisch, sprich: finanziell – der Etat des Festivals lag bei knapp 100 000 Euro – aufgegangen ist? Das wisse man noch nicht. Der Kassensturz stehe noch aus. Zusatzkosten jedenfalls seien einige hinzugekommen, ob für verspätete Flüge oder für teure PCR-Tests. Das alles addiert sich. Insgesamt allerdings sei das Festival etwas günstiger gewesen als das vor zwei Jahren, denn man habe auf alle Vorbands verzichtet, da man ansonsten bei jedem Wechsel die Mikrofone hätte desinfizieren müssen.

Unterm Strich des Non-Profi-Festivals: zehn Tage Internationalität im Landkreis mit aufregender Musik, ergänzt um Filmvorführungen, Lesungen, Ausstellungen und Jazz-Talk. All das kam beim Publikum bestens an. Haschler: „Wir freuen uns auf das nächste Festival in zwei Jahren, dann hoffentlich ohne Corona-Einschränkungen.“

Jetzt aber gilt für die Macher der vergangenen Tage, erst einmal durchzuatmen. 15 Leute waren vor und hinter den Kulissen beteiligt, für sie war das EBE-JAZZ 21 Freude und Arbeit zugleich.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter

Auch interessant

Kommentare