Kardinal Reinhard Marx hebt vor einem Bücherregal die Hände.
+
Kardinal Reinhard Marx beschloss überraschend, sich aus seinem Amt zurückzuziehen. (Archivbild).

Interview zu Kardinals-Rücktritt

Kardinal Marx vor dem Rücktritt - Kirchen-Experte aus Ebersberg: „Eher aus anderen Diözesen erwartet“

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen

Kardinal Reinhard Marx hat beim Papst seinen Rücktritt eingereicht. Im Interview spricht der Ebersberger theologische Bildungsreferent Tobias Christl über den Paukenschlag. 

Ebersberg - Das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, ob der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sendet Schockwellen durch die Region. Der theologische Referent des katholischen Kreisbildungswerks Ebersberg, Tobias Christl (32), spricht im Interview darüber, wie er den Schritt empfindet und was er für die Gläubigen bedeutet.

Tobias Christl (32) Theologischer Bildungsreferent
Herr Christl, was haben Sie sich gedacht, als Sie vom Rücktritt des Kardinals erfahren haben?
Die Meldung im Radio kam sehr überraschend für mich. Den Schritt hätte ich eher aus anderen Diözesen erwartet.
Was meinen Sie damit?
Der Erzbischof von Köln wurde bei einer Firmung ausgeladen, weil ihn die Menschen nicht als Firmspender wollten. Das könnte jemand als Zeichen begreifen, einen Neubeginn möglich zu machen, alles – und damit auch sich selbst – zu hinterfragen.
Ist die Begründung von Kardinal Marx schlüssig?
Ja. Er stellt heraus, dass er als Erzbischof von München und Freising entscheidet, aber auch als Mensch, der Teil der Kirche ist. Er übernimmt Verantwortung als Person und Amtsträger.
War das notwendig?
Wenn er das für sich persönlich entschieden hat, steht mir kein Urteil zu. Es war ja offensichtlich kein Schnellschuss.
Kardinal Marx schreibt, die Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen.
Es gibt einen Punkt, an dem Erneuerung mit dem vorhandenen Personal und den vorhandenen Strukturen nicht mehr möglich ist – wenn alle versuchen, daran festzuhalten. Diesen Gedanken verbindet der Kardinal mit der österlichen Hoffnung eines Aufbruchs – dass aus Totem wieder Neues wachsen wird.
Teilen Sie die Hoffnung?
In gewissen Gesichtspunkten. Die Leute werden nach Corona nicht automatisch wieder in die Kirchen strömen. Solange wir nicht miteinander einen Aufbruch wagen, wird es schwierig für die Amtskirche. Das ist anstrengend. Dafür müssen wir alles einsetzen, was wir haben.
Was bedeutet der Rücktritt für die Gläubigen?
Auch als in der Kirche engagierter Gläubiger oder Ehrenamtlicher fühlt man sich manchmal an einem toten Punkt angelangt. Der Bezug des Kardinals zu Ostern, zum Neuanfang, könnte für uns alle die Chance sein, nach dem Corona-Lockdown zu sagen: Es gibt dieses Licht, auf das wir uns zubewegen. Die Kirche in ihrem Wesenskern ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Derer, die mit Christus, mit Gott und dem Heiligen Geist auf dem Weg sind. Wenn wir uns darauf zurückbesinnen, sind schon mehr Schritte getan, als sie der Kardinal in seinem Brief beschreibt.

Das Interview führte Josef Ametsbichler.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare