Eine Frau schreibt in einen Papierordner auf dem ein Spielzeugauto steht.
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Beim Autokauf stimmte etwas bei den Unterlagen der Kundin nicht (Symbolbild).

Amtsgericht Ebersberg

Kein Geld, aber Auto gekauft: Frau wegen Betrugs vor Gericht

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Obwohl die Haagerin wusste, dass sie es sich nicht leisten konnte, erwarb sie einen Ford. Nun musste sich die Angestellte im Amtsgericht verantworten.

Ebersberg – Eine Frau aus Haag (Lk. Mühldorf) kaufte in einem Autohaus in Kirchseeon einen Ford „Ranger“ für knapp 40 000 Euro. Nicht für sich, sondern ihren Stiefvater. Schon beim Kauf wusste die Angestellte, dass sie die Raten nicht bezahlen könne. Trotzdem war der Vater daraufhin mit dem Auto unterwegs, während das Autohaus auf die Raten-Überweisungen wartete. Deshalb fand sich die Angeklagte nun wegen Betrugs vor dem Ebersberger Amtsgericht wieder.

Dort gab ihr Anwalt an, dass sich das Kirchseeoner Autohaus scheinbar kaum darum gekümmert habe, ob seine Kunden überhaupt zahlungsfähig seien. Die unzureichenden Unterlagen, welche die 44-jährige Frau beim Autokauf vorgelegt habe, hätten dem Verkäufer auf die Schnelle genügt.

Angeklagte hoffte durch Grundstücksverkauf den Ford „Ranger“ bezahlen zu können

Der Rechtsanwalt erklärte, dass die Angestellte damals ein Grundstück in Kirchseeon gekauft hatte. Da sich dies jedoch als nicht rentabel erwies, verkaufte sie es wieder. Die Haagerin dachte, dass sie durch das Rückgeld die Raten bezahlen könne. Doch das Geld war als Sparguthaben zweckgebunden und durfte deshalb nicht zum Autokauf verwendet werden. In diesem Irrglauben versicherte die Angeklagte mehrmals, die Überweisung sei auf dem Weg.

Der Ford wurde schließlich zum Autohaus zurückgebracht und konnte, für einen niedrigeren Preis, erneut ausgestellt werden. Das familiäre Verhältnis der Angeklagten sei seitdem angespannt, gab der Rechtsanwalt an.

Mehrmals Verurteilte kommt gerade nochmal so mit Bewährung davon

Da die Haagerin bereits zwei mal einschlägig wegen Betrugs vorbestraft war, und der Autokauf noch während ihrer laufenden Bewährung stattfand, stand eine Gefängnisstrafe im Raum. Für die Angeklagte sprach laut Staatsanwalt, dass die Tat gestanden wurde. Außerdem war der Autokauf für ihren Stiefvater, also fremdnützig. Obendrein habe sich das Autohaus sehr fahrlässig verhalten. „Mit zwei zugedrückten Augen“ könne man sie doch noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davonkommen lassen.

Ähnlich sah es Richterin Vera Hörauf. Sie verurteilte die Haagerin schließlich zu elf Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung. Dazu kam eine Spende von 2000 Euro an die Fachambulanz für Suchterkrankungen. „Diese Bewährungsstrafe ist kein Freispruch, sondern das Damoklesschwert über ihnen“, stellte Hörauf klar. Beim nächsten Vergehen gäbe es kein Entrinnen mehr vor dem Gefängnis.

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