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Neue Chefärztin der Kreisklinik hat mit Corona noch eine Rechnung offen

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Von: Andreas Beez

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Die Notärztin umringt von medizinischer Ausrüstung.
Viktoria Bogner-Flatz (40) ist die neue Chefärztin der Zentralen Notaufnahme an der Kreisklinik Ebersberg. © Privat

Mit Viktoria Bogner-Flatz bekommt die Kreisklinik Ebersberg Verstärkung von einer erfahrenen Notärztin und Corona-Krisenmanagerin. Die dreifache Mama übernimmt als neue Chefärztin die Leitung der Zentralen Notaufnahme. Das Porträt einer Powerfrau.

Ebersberg – Wenn man als Notärztin Menschenleben retten will, muss man kühlen Kopf bewahren können – auch in absoluten Ausnahmesituationen, die andere in Schockstarre versetzen würden. Viktoria Bogner-Flatz hat schon viele solcher Einsätze erlebt. Sie ist darauf trainiert, Gefühle auszublenden. Aber seit Corona wird diese Fähigkeit öfter auf die Probe gestellt als der 40-Jährigen lieb ist. Seit Monaten organisiert sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Dominik Hinzmann als Krankenhaus-Koordinatorin die Verteilung schwerkranker Covid-Patienten auf die Intensivstationen der Münchner Kliniken.

Trotz allen Engagements muss sie immer wieder machtlos zuschauen, wie auch jüngere Menschen den Kampf gegen die Erkrankung verlieren. „Das ist schwer zu ertragen – vor allem, wenn man weiß, dass manche von ihnen nicht hätten sterben müssen“, sagt Bogner-Flatz. „Das Bittere ist: Es gibt Ungeimpfte, die lieber ihr Leben wegwerfen und andere gefährden, als sich selbst einzugestehen, dass sie sich in absurde Verschwörungstheorien verrannt haben.“

Neue Chefärztin der Ebersberger Kreisklinik: Auch ihre Familie blieb nicht vom Coronavirus verschont

Wie gefährlich das Virus sein kann, weiß Bogner-Flatz nicht nur aus der Theorie, es hat auch vor ihrer eigenen Familie nicht halt gemacht. In der ersten Welle erwischte es die Freundin ihres Bruders, keine 30 Jahre alt, zuvor kerngesund. Zehn Tage lang musste Miriam beatmet werden, verbrachte drei Wochen auf der Intensivstation, und es gab ein, zwei ziemlich kritische Nächte, die das Allerschlimmste befürchten ließen. „Es war sehr knapp“, erinnert sich Bogner-Flatz, „und für mich ein zusätzlicher Ansporn, meinen Beitrag zu leisten, damit wir alle gemeinsam Corona endlich besiegen.“

Sie lebt diese Überzeugung sogar in ihrer Freizeit, hilft immer wieder bei Impfaktionen aus. Wobei sie Freizeit eher aus der Theorie kennt – jedenfalls in den letzten Jahren. Mit 34 wurde die begeisterte Reiterin zum ersten Mal Mama, inzwischen hat sie eine ganze Rasselbande daheim: Die große ist Fünf, der Mittlere drei und der Kleinste gerade mal ein Jahr alt. „Mit drei kleinen Kindern lernt man schnell, sich zu organisieren. Das hilft mir auch im Job“, berichtet die Mama augenzwinkernd.

Neue Chefärztin der Ebersberger Kreisklinik: Kult-Regisseur Franz Xaver Bogner ist ihr Vater

Bei der Familienplanung war Corona natürlich nicht eingepreist, umso glücklicher ist Bogner-Flatz über den Rückhalt aus ihrer Familie. Ehemann Wilhelm (49), Radiologe und Oberarzt im LMU-Klinikum in Großhadern, macht auch als Papa „echt einen Bombenjob“, lobt die dreifache Mama, „und die Großeltern sind eine Riesen-Unterstützung.“ Falls sich im Kinderzimmer mal herzerweichende Zwergerldramen abspielen, ist der Opa übrigens gewappnet: Kult-Regisseur Franz Xaver Bogner gilt ja bekanntermaßen als Spezialist schlitzohrige Strizzis („Der Kaiser von Schexing“, „Irgendwie und Sowieso“). Bogner kam im Landkreis Ebersberg zur Welt, wuchs hier auf. Insofern hat er sich sehr gefreut, als ihm seine Tochter von ihrem Wechsel an die Kreisklinik erzählte.

Für Bogner-Flatz, die mit ihrer Familie in Neubiberg lebt, ist es ein weiterer Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Nach vielen Jahren im LMU-Klinikum Innenstadt, in dem sie die Notaufnahme leitete, bekommt sie jetzt ihre erste Chefarztstelle. Als Rüstzeug bringt die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzqualifikationen in klinischer Notfallmedizin unter anderem Forschungs-Aufenthalte in Florida mit. Dort untersuchte sie im Auftrag von Prof. Peter Biberthaler, heute Direktor der Unfallchirurgie im Klinikum rechts der Isar, unter anderem, wie das Immunsystem auf schwere Verletzungen reagiert.

Neue Chefärztin der Ebersberger Kreisklinik: „Es ist unglaublich, was die Kollegen leisten.“

Auf die Zusammenarbeit mit ihren neuen Kollegen in Ebersberg freut sich die neue Chefärztin schon sehr. „Sie machen einen sehr guten Job. Das ist wichtig, denn die Bevölkerung braucht bei Notfällen eine Anlaufstelle rund um die Uhr. Ich möchte gerne mithelfen, das hohe Qualitätsniveau sicherzustellen. So etwas schafft man nur im Team“, erklärt Bogner-Flatz ihre Philosophie. Respekt hat sie auch vor der Leistung der Pflegekräfte. „Es ist unglaublich, was die Kollegen leisten. Man darf nie vergessen, dass das nicht selbstverständlich ist.“

Ihre Erfahrungen will sie auch einbringen, wenn es um den geplanten Neubau der Notaufnahme geht. Denn in ihrem alten Job in der Notaufnahme des LMU Klinikums Innenstadt hat Bogner-Flatz den heuer eingeweihten Neubau und die damit verbundenen logistischen Herausforderungen hautnah miterlebt. Nach ihrem Ausscheiden im November wollte sie eigentlich gerne mal wieder öfter mit ihrem Pferd Mariechen ausreiten, das ihr gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Lissy gehört. Daraus wurde leider nichts – wegen Corona. Und auch in Zukunft wird sie ihren Job als Münchner Krankenhaus-Koordinatorin weitermachen. Ihr ist klar, dass die Mehrfachbelastung stressig wird. Aber Bogner-Flatz ist lieber einfach Macherin als notorische Bedenkenträgerin, sie nimmt’s mit Humor: „Mit Corona hab’ noch eine Rechnung offen“, sagt sie lachend. „So leicht wird mich das Virus nicht los.“

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