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Der Griff zu Hochprozentigem wird jungen Menschen im Landkreis zu leicht gemacht. 

Testkäufe im Landkreis Ebersberg beweisen

Jugend kommt viel zu leicht an Schnaps

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Wie einfach es für Jugendliche unter 18 Jahren ist, an hochprozentigen Alkohol zu kommen, zeigen Testkäufe des Landratsamtes im Landkreis Ebersberg. Das Ergebnis ist Bersorgnis erregend.

Landkreis– Auszubildende des Ebersberger Landratsamts versuchten in Geschäften Schnaps zu kaufen. In fast zwei Dritteln der Fälle zahlten die minderjährigen Tester ohne Probleme an der Kasse. Für das Kassenpersonal droht ein Bußgeld, wenn es erwischt wird. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, betont Ingo Pinkofsky vom Jugendamt im zuständigen Ausschuss des Kreistages.

Die Überprüfungsaktion läuft landkreisweit. Bisher wurden vor allem Geschäfte in den größeren Gemeinden besucht. In 43 Fällen waren die Testkäufer „erfolgreich“, in 26 Läden hielten sich die Verkäufer an die Bestimmungen: Hochprozentiges ist erst ab 18 Jahren erlaubt.

Für Testkäufe gebe es strenge Regeln, wie Pinkofsky erklärt. Besorgte Eltern, die einen Verdacht haben, könnten nicht einfach ihre Kinder losschicken. Das sei strafbar. Das Landratsamt setze nur eigene Auszubildende unter 18 Jahren ein. Überwiegend sind das Mädchen, weil die Mehrzahl der Azubis in der Behörde weiblich sind. Der Einsatz ist freiwillig, die Eltern müssen zustimmen. Die Tester werden geschult. Beim Einsatz sollen sie altersgerecht gekleidet sein, die Mädchen „nicht geschminkt“. Im Ausschuss wird bezweifelt, ob sich Mädchen im entsprechenden Alter überhaupt ungeschminkt in der Öffentlichkeit zeigen. Erklärung von Pinkofsky für die Vorgabe: Wenn ein Fall vor Gericht landet und das Mädchen „aufgebrezelt“ war, „dann haben wir schlechte Karten“. Will heißen: Der Verkäufer könnte sagen, die Kundin hätte älter ausgesehen.

Die Tester gehen nur zu zweit in ein Geschäft. Zudem ist unauffällig eine Begleitperson dabei, zum eine als Zeuge, zum anderen, um sofort eingreifen zu können. Festgelegt ist zudem, dass das Verkaufspersonal nicht beeinflusst werden darf. Fragen nach dem Alter müssen wahrheitsgemäß beantworten und nach Aufforderung mit dem Personalausweis belegt werden.

Bei Verstößen erfolge eine sofortige „Vernehmung“ des Verkaufspersonals ohne Anwesenheit der Tester. Das Personal werde umfangreich aufgeklärt. „Es geht es nicht darum, Bußgeld einzunehmen, sondern darum, dass in Zukunft so etwas nicht mehr passiert“, betont Pinkofsky. Er geht davon aus, dass sich die Situation ändert. „Unter den Jugendlichen geht schon rum, wo man Schnaps bekommt und wo nicht.“

Rumgesprochen hat sich auch, dass Mitarbeiter des Landratsamtes auf Festen kontrollieren. Beispielsweise müssten Barbereiche abgetrennt werden, um Jugendlichen unter 18 Jahren den Zugang zu verwehren. Das sei beispielsweise beim Volksfest in Grafing so. „Wenn ich aber ein Fest in einer Maschinenhalle habe, bei dem eine Seite nur Bar ist, dann wird es schwierig“, so Pinkofsky. Verhindert werden müsste auch, dass ein 18-Jähriger an der Bar Getränke holt und sie an Minderjährige weiter gibt. Derartige Vorgaben führten dazu, dass Veranstalter bei Festen nur Gäste ab 18 Jahre zulassen wollen. Für Pinkofsky ist das der falsche Weg. Denn auch Jugendlicher ab 16 Jahren sollten an Festen teilnehmen können. Sie müssen allerdings um Mitternacht gehen. Auch das werde kontrolliert. „Dazu hat es noch keine Bußgelbescheide gegeben.“ Inzwischen ließen sich auch viele Veranstalter vor einem Fest vom Jugendamt beraten. „Da kann man dann viele Unsicherheiten ausräumen.“

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