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Mehr Wohngeld für mehr Berechtigte: Behörde rüstet sich für Antragsflut

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Von: Robert Langer

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Antrag auf Wohngeld (Symbolbild)
Ein Antrag auf Wohngeld. (Symbolfoto) © Rolf Kosecki/IMAGO

Die bundesweite Wohngeldreform stellt das Landratsamt Ebersberg vor eine Großaufgabe: Die Behörde rüstet sich für deutlich mehr Anträge.

Landkreis – Wesentlich mehr Menschen kommen seit dem 1. Januar nach einer Gesetzesänderung aus Berlin in den Genuss von „Wohngeld-Plus“. Was für Bedürftige in einer Region wie dem Landkreis Ebersberg mit hohen Mieten eine frohe Botschaft bedeutet, heißt für das Landratsamt Ebersberg zusätzliche Arbeit wegen der Bearbeitung von Anträgen. Es braucht zusätzliches Personal, um die Aufgabe bewältigen zu können.

Von der „größten Wohngeldreform in der Geschichte Deutschlands“ spricht die Bundesregierung. Die Leistung wird als Zuschuss an Haushalte gezahlt, deren Einkommen knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt. Und sie dient der „wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens“. Daher können Mieter und Eigentümer Wohngeld erhalten. Der Bund geht davon aus, dass in Deutschland künftig rund zwei Millionen Haushalte das neue „Wohngeld Plus“ bekommen. Bisher waren es in der alten Regelung rund 600 000 Haushalte. Im Schnitt werde das Wohngeld verdoppelt (siehe Kasten). Mit einer dauerhaften Heizkostenkomponente sorge die Bundesregierung zudem dafür, dass die Menschen die steigenden Heizkosten bezahlen könnten.

Ebersberger Kreisbehörde warnt jetzt schon vor Bearbeitungsrückständen

Durch die von der Bundesregierung sehr kurzfristig auf den Weg gebrachten Ausweitungen der Wohngeldleistungen werde es allerdings zu einem sehr großen Antragsaufkommen und entsprechenden Bearbeitungsrückständen kommen, so das Landratamt Ebersberg. Dort werden die Anträge bearbeitet. Aufgrund der Wohngeld-Plus-Reform rechne die Wohngeldbehörde des Landratsamtes mit einem starken Anstieg der Fallzahlen. Derzeit erhielten rund 1 330 Haushalte im Landkreis Wohngeld. Wie viele es künftig sein werden, dazu können man derzeit noch keine Angaben machen, so das Landratsamt.

Zahlen, um wie viel Geld es geht, liegen für die vergangen Jahre vor. Auszahlung im Jahr 2020: 857 685 Euro, 2021: 1 174 930 Euro 2022: bis dato 1 661 571 Euro. Die Zahl der Fälle hat in den vergangenen Jahren bereits deutlich zugenommen, von 1417 Antragseingängen im Jahr 2013 (Wohngeld, Mietzuschuss und Lastenzuschuss) über zunächst teilweise sinkende Zahlen auf 1910 im Jahr 2020 auf 1961 2022.

Wohngeld-Plus: Zuschuss mehr als verdoppelt

Der Wohngeldbetrag wird sich laut Bundesregierung 2023 voraussichtlich um durchschnittlich rund 190 Euro pro Monat erhöhen. Das bedeute mehr als eine Verdoppelung des bisherigen Wohngeldes. Es steige von durchschnittlich rund 180 Euro pro Monat – ohne Reform – auf rund 370 Euro pro Monat.

Die Höhe des Wohngeldes berechnet sich laut Bund nach der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder, der Miete des Wohnraums oder der Belastung bei selbst genutztem Wohneigentum sowie dem Gesamteinkommen der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder. Die genaue Wohngeldhöhe werde vom örtlichen Wohngeldamt geprüft und festgelegt. Die Kosten der Wohngeldreform werden je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen. lan

Die neue Regelung hat auch Auswirkungen auf das benötigte Personal. Die Wohngeldstelle im Landratsamt Ebersberg besteht derzeit aus insgesamt umgerechnet etwa vier Vollzeitstellen, die mit sechs Mitarbeitern besetzt sind, davon fünf Teilzeitkräften. Für die Umsetzung des Wohngeld-Plus-Gesetzes werde mehr Personal gebraucht, so die Behörde. Beschlossen wurde im Kreistag eine Mehrung um rechnerisch zwei Vollzeitstellen sowie weitere Reservestellen. Ab wann das zusätzliche Personal zur Verfügung stehen könnte und eingearbeitet sei, sei unklar, so das Amt.

Wohngeld-Reform: Wer schon bezieht muss im Kreis Ebersberg nichts unternehmen

Derzeitige Bezieher von Wohngeld müssen übrigens nichts unternehmen. Diese erhalten einen automatisierten Bescheid. Bürgerinnen und Bürger, die derzeit noch kein Wohngeld beziehen, können dagegen einen Antrag stellen. „Es ist natürlich möglich, sich bei Bedarf bei der Wohngeldbehörde des Landratsamtes Ebersberg persönlich beziehungsweise telefonisch beraten zu lassen“, so die Behörde auf Anfrage.

Ein Rat: Um Verzögerungen vorzubeugen, sollten Bürger den Antrag vollständig und, falls möglich, online mit den erforderlichen Nachweisen einreichen und auf „nicht zwingenden Nachfragen zum Beispiel zum Bearbeitungsstand“ verzichten. Maßgeblich für den Beginn der Bewilligung sei grundsätzlich der Monat, in dem der ausgefüllte Antrag bei der zuständigen Behörde eingegangen sei. Eine rückwirkende Bewilligung sei nicht möglich.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohngeldstelle bemühen sich nach Kräften, die Bearbeitungszeiten so kurz wie möglich zu halten“, versichert die Behörde.

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