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Überlastete Straßen in Ebersberg: Teure Messung soll Hilfe zur Abhilfe schaffen

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Von: Raffael Scherer

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Verkehrszählung: Die Stadt Ebersberg nimmt 160 000 Euro in die Hand, um herauszufinden, wie sie dem mittlerweile gewaltigen Innenstadt-Verkehr begegnen soll.
Verkehrszählung: Die Stadt Ebersberg nimmt 160 000 Euro in die Hand, um herauszufinden, wie sie dem mittlerweile gewaltigen Innenstadt-Verkehr begegnen soll. © Stefan Roßmann

Bald an jeder Ecke Kameras und Radargeräte: Ebersberg sammelt konkrete Daten für eine Verkehrslösung. Dafür nimmt die Stadt ordentlich Geld in die Hand.

Ebersberg – Die Straßen der Kreisstadt Ebersberg sind überlastet. Allein schon wegen des Verkehrslärms hat Bürgermeister Uli Proske (parteilos) beim Pressegespräch zum „Integrierten Mobilitätskonzept“ im Sitzungssaal des Rathauses die Fenster nicht geöffnet, „weil man da sein eigenes Wort nicht mehr hört.“

„Die Staatsstraße 2080 ist dabei nicht das einzige, aber das größte Problem“, sagt Proske. Nicht nur rund um den Marktplatz kurven pausenlos die Fahrzeuge, auch die Strecken rund um die Wasserburger Straße zwischen Landratsamt und Amtsgericht sind nahe an der Überlastungsgrenze.

Fußgänger, Radfahrer und Nutzer der Öffentlichen als derzeitige Verlierer

Alternative Fortbewegungsmöglichkeiten sind derweil eher unattraktiv: „Als Fußgänger oder Radfahrer ist man da immer der Depp“, so der Bürgermeister. Gerade während der Zeit des 9-Euro-Tickets habe sich zudem gezeigt, wie unverlässlich dabei die öffentlichen Verkehrsmittel seien.

Deshalb hat die Stadt eine genaue Messung des Ebersberger Verkehrs in Auftrag gegeben, um aus den ermittelten Daten ein Konzept zur Entlastung zu gewinnen. Das österreichische Gutachterbüro BVR (Büro für Verkehrs- und Raumplanung) soll dabei herausfinden, wie viele Fahrzeuge auf den Straßen Eigenverkehr sind. Dabei soll unterschieden werden wie viele dabei Ebersberger sind, die etwa innerorts zum Einkaufen fahren, und wie viel Durchgangsverkehr herrscht.

Messung deutlich teurer als ursprünglich angenommen

Die Kosten belaufen sich laut Stadt dabei auf rund 160 000 Euro. „Wir brauchen diese Daten, sonst würden wir das Geld nicht dafür ausgeben“, betont Proske. Beim Beschluss zum Erstellen eines Mobilitätskonzepts mithilfe eines Fachbüros vergangenen Dezember waren noch rund 100 000 Euro angekündigt, die Angelegenheit wird also deutlich teurer.

An drei Werktagen Ende September überwacht das BVR mithilfe von Radargeräten und Kameras die Ortseingänge und Kreuzungen: „Die genauen Tage werden nicht verraten, das könnte das Ergebnis verfälschen“, erklärt Klaus Schlosser, Zivilingenieur für Bauwesen beim BVR. „Nur, dass sich die Bürger dann nicht wundern, was da für komische Kästen überall stehen.“ Die gewonnenen Daten werden daraufhin verarbeitet und anonymisiert: „Wir arbeiten nur mit nicht nachvollziehbaren Kennzeichen“, so Schlosser. Unterschieden wird bei der Messung, ob es sich um Ebersberger, Stadtbesucher oder Durchfahrende handelt. Ebenso vermerkt das BVR die Fahrzeuggröße, also Fahrrad, Mofa, Roller, Autos, sowie Lieferfahrzeuge mit und ohne Anhänger.

Umfragen auf Parkplätzen und mit Briefen

Zudem sollen einfahrende Fahrzeuge, egal ob Auto, Lkw oder Fahrrad, stichprobenartig mithilfe der Polizei auf den Parkplätzen an den Ortseingängen zu ihrem Aufenthalt und Fahrgewohnheiten bezüglich der Kreisstadt befragt werden.

Ebenso bekommen etwa 900 Ebersberger Haushalte Fragebögen zugesendet, in der Hoffnung mindestens 300 ausgefüllte Bögen zurückzubekommen. Sonst wäre laut Schlosser die Stichprobengröße nicht aussagekräftig genug.

Erste Ergebnisse im November erwartet

Daraufhin werden die Daten ausgewertet, sodass bereits im November beim Bürgerforum die ersten Ergebnisse bekannt gegeben werden können, so der Bürgermeister. In anderthalb Jahren hofft Proske, dass konkrete Vorschläge zur Entlastung des Verkehrs vorgelegt werden können. „Wir sind dabei wertfrei und ergebnisoffen“, betont Proske mehrmals. Erst wenn man ganz genau wisse, was auf den Straßen passiert, habe es einen Sinn über konkrete Konzepte wie etwa Tunnel, Einbahn- oder Umgehungsstraßen nachzudenken.

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