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Am Amtsgericht Ebersberg dauerte es vier Stunden, bis der Angeklagte gestand, 820 Euro unterschlagen zu haben.

Prozess am Amtsgericht

Miete unterschlagen: Unehrlicher Makler vor Gericht

Ebersberg - Seine schauspielerischen Leistungen vor dem Ebersberger Amtsgericht retteten einen gelernten Bankkaufmann (41)  nicht vor einer Verurteilung wegen Unterschlagung.

Ebersberg – Augenverdrehen, Gelächter und Dazwischengerede – seine schauspielerischen Leistungen vor dem Ebersberger Amtsgericht retteten einen gelernten Bankkaufmann (41) aus dem Landkreis Ebersberg, der mittlerweile in München lebt, nicht vor einer Verurteilung wegen Unterschlagung und vor 3600 Euro Geldstrafe.

Der Prozess, bei dem es um eine veruntreute Mietzahlung ging, war vor allem eines: zäh für alle Beteiligten. Vier Stunden Verhandlung ohne Pause brauchte es, bis sich der Angeklagte, ein bereits mehrfach verurteilter Dieb, Betrüger und Insolvenzverschlepper, ein Geständnis abringen konnte – „damit der Deckel drauf ist, und wir heimgehen können“, wie der Mann ohne erkennbares Schuldbewusstsein sagte.

Vier Stunden Verhandlung wegen 820 Euro

Von vorn: 820 Euro Miete, so die Anklage, habe der Mann im vergangenen Juni einem Steinhöringer (59) vorenthalten. Nicht seine eigene Miete – der Angeklagte hatte als Mittelsmann zwischen dem Vermieter und einem Münchner Arzt fungiert. Der Mediziner hatte in München ein Haus gekauft, an dessen Stelle er eine Villa bauen wollte. In dem Haus wohnte aber noch eine Mieterin. Die Rentnerin zu „entmieten“ und in einer Münchner Wohnung unterzubringen, die dem Steinhöringer gehört, hatte der Angeklagte dem Arzt angeboten.

Die Zahlungen zwischen dem Arzt und dem Steinhöringer liefen über den Angeklagten, das vereinbarten die Beteiligten per Handschlag. Der Mann erwies sich allerdings als unzuverlässig: „Er hat immer verspätet überwiesen“, so der Vermieter. Oft sei das Geld auch unvollständig oder gar nicht eingegangen.

Einbehaltene Miete nur die Spitze des Eisbergs?

In der Verwirrung um geleistete, verspätete und unvollständige Zahlungen versuchte der Angeklagte möglicherweise, für sich eine Provision abzugreifen. Ob an den vielen Erklärungen, die er für das Einbehalten der 820 Euro in petto hatte, etwas dran war, blieb bis zum Ende unklar. Dafür klang bei den Aussagen des Vermieters sowie des Arztes durch, dass eventuell noch viel mehr Geld an den Angeklagten geflossen war – jeweils mehrere tausend Euro fragwürdiger Provisionen, die aber mangels schriftlicher Belege nicht nachzuweisen waren.

Angesichts dieser Vorwürfe war der Angeklagte dann vermutlich an einem schnellen Ende des Prozesses interessiert. Es folgte das Geständnis. Nach einem Rechtsgespräch hatte ihm Richterin Vera Hörauf dafür in Aussicht gestellt, dass er nur eine Geldstrafe erhalten werde. Die Mietschulden müsse er aber ebenfalls begleichen. Das tat der Mann noch im Gerichtssaal. „Das ist ja wie Weihnachten“, sagte der Vermieter erfreut, auch wenn er angab, bei der Sache „enorm draufgezahlt“ zu haben.

„Wenigstens eine kleine Wiedergutmachung“, kommentierte das der Verteidiger. Der Angeklagte verließ das Gericht deutlich wortkarger, als er es betreten hatte. „Nächsten Mal sitzen Sie wieder“, gab ihm die Ebersberger Richterin noch mit auf den Weg.

Von Josef Ametsbichler und Anna Bierwirth

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