Das Amtsgericht von außen.
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Wegen ihres Beziehungsdramas mussten sich zwei Frauen vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten.

Amtsgericht Ebersberg

Prozess um Sex-Attacke: Jetzt kommt Zeugin zu Wort

Ein lesbisches Paar, das sich im Internet kennengelernt hatte, war im März 2019 in seiner gemeinsamen Wohnung in Poing in Streit geraten, der eskalierte. Nun fand der zweite Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Ebersberg statt.

Poing/Ebersberg - Die Angeklagte muss sich vor dem Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung unter Gewaltanwendung verantworten. In der mehrseitigen Stellungnahme, die sie zu Beginn der Verhandlung vorlas, macht die 39-Jährige ihre Ex-Freundin und Geschädigte für alles verantwortlich. Diese sei hochmanipulativ gewesen und habe sie immer wieder terrorisiert.

„Ich kam gegen ihre Art der Manipulation nicht mehr an“, so die Angeklagte. Schon zuvor sei es immer wieder zu Streit und Handgreiflichkeiten gekommen. Ein Streit im November 2018 war bereits so eskaliert, dass die Geschädigte die Polizei gerufen hatte und die Angeklagte, die mit Suizid gedroht hatte, in die Akutpsychiatrie eingewiesen worden war.

Streit in gemeinsamer Wohnung: Nun sagt die Freundin der Geschädigten aus

Da eine wichtige Zeugin am ersten Verhandlungstag nicht erscheinen konnte und die Verhandlung deshalb ausgesetzt worden war, hatte bislang nur die Angeklagte die Möglichkeit gehabt, ihre Sicht der Dinge vor Gericht zu schildern. Am Mittwoch konnte nun auch die Geschädigte befragt werden, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Auch die wichtige Zeugin, eine Freundin der Geschädigten, konnte am zweiten Tag der Verhandlung ihre Aussage machen: Sie habe die Geschädigte an besagtem Abend im März 2019 abgeholt. Schon im Auto habe diese ihr von dem sexuellen Übergriff erzählt. Sie habe ihre Freundin daraufhin dazu gedrängt, zur Polizei zu fahren und Anzeige zu erstatten. Die Geschädigte sei sich zuerst nicht sicher gewesen. „Was soll denn die Polizei da jetzt machen?“, soll sie gefragt haben. „Letztendlich hatte aber ich die Autoschlüssel und bin gefahren“, erklärte die Zeugin.

Wegen Nötigungsvorwurf: Gleich mehrere Vernehmungen bei der Polizei

Sie seien nicht mit der Absicht zur Polizei gefahren, ein Kontaktverbot zu erwirken. Das habe erst der Beamte vor Ort ins Gespräch gebracht. Die Geschädigte habe auf das Näherungsverbot zunächst auch gar nicht richtig reagieren können, sie sei „nur noch ein Beifahrer ihrer selbst“ gewesen.

Die Zeugin gibt an, sie habe die Geschädigte zu zwei von drei Vernehmungen begleitet. Bei der dritten, ausführlichen und einzigen Befragung, die von einer Frau durchgeführt wurde, sei sie nicht dabei gewesen. Die Details, die bei den Vernehmungen durch die männlichen Polizeibeamten nicht erwähnt wurden, habe die Geschädigte ihr jedoch bereits an jenem Abend im Auto erzählt.

Das Urteil in dem Fall steht noch aus, der dritte Verhandlungstag ist in zwei Wochen angesetzt.

von Helena Grillenberger

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