Der Eingang des Amtsgerichts in Ebersberg
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Ein syrischer Asylbewerber, wohnhaft in Poing, musste sich wegen versuchtuer Einschleusung vor dem Amtsgericht in Ebersberg verantworten.

Amtsgericht Ebersberg

Weil er Bekannte vom Bahnhof abholen wollte: Poinger vor Gericht

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Eigentlich sollte er nur Bekannte seines Vaters vom Bahnhof abholen. Doch weil diese mehrmals den falschen Zug nahmen, fand sich ein Asylbewerber nun vor dem Amtsgericht wieder.

Ebersberg/Poing – Mehrmals am Bahnhof verpasst: Ein syrischer Asylbewerber, der in Poing zu Hause ist, wollte fünf Bekannte seines Vaters in Empfang nehmen. Weil diese allerdings keine Aufenthaltsgenehmigung hatten und er dabei mehrmals die deutsche Grenze passierte, musste sich der 23-jährige Mann nun vor dem Ebersberger Amtsgericht verantworten.

Sein Vater hatte ihn darum gebeten, seinen Bekannten nach der Einreise in Deutschland zu helfen. Deshalb wartete der Poinger im März vergangenen Jahres auf deren Ankunft am Passauer Bahnhof. Dort bekam er jedoch die Nachricht, dass sie wohl im falschen Zug gelandet wären und jetzt in Salzburg seien. Also fuhr der Asylbewerber gegen Mittag mit dem Zug nach Salzburg – und passierte dabei die deutsche Grenze.

Weil sie sich ständig verpassten: Asylbewerber fährt nach Österreich und zurück

In Österreich stellte er dann gegen 18.30 Uhr fest, dass die Fünf bereits nach Mühldorf weitergereist waren. Also stieg er wieder in den Zug nach Mühldorf und überschritt dabei von der anderen Seite die Grenze.

Da der Asylbewerber die Freunde in Mühldorf nicht fand, hakte er bei der Polizei nach. Diese hatte die Gruppe bereits aufgegriffen. Dem Poinger wurde nun der Versuch des Einschleusens von Ausländern vorgeworfen. Da er dabei die deutsche Grenze passiert hatte, kam noch eine Klage wegen unerlaubter Einreise dazu.

Angeklagter stellt vor Gericht klar, dass er in keinerlei Hinsicht bereichern wollte

Vor Gericht gestand der Angeklagte die Taten vollständig. Er betonte jedoch, dass er keinerlei finanziellen oder anderweitigen Nutzen erzielen wollte. „Ich habe die gar nicht gekannt. Ich hab das nur meinem Vater zu Liebe gemacht, der mir die Nummer von seinem Bekannten gegeben hat“, sagte er.

Richterin Vera Hörauf stellte fest, dass der Asylbewerber bereits zwei „erheblich hohe Vorstrafen“ wegen Drogen hat. Er befindet sich seit der letzten Tat 2020 immer noch auf Bewährung. Laut der Richterin spricht aber für den Angeklagten, dass er geständig war. Denn dadurch konnte sich das Gericht die Ladung mehrerer Zeugen von weit her ersparen. Außerdem hatte der Poinger bisher brav seine Bewährungsauflagen erfüllt und sei mittlerweile mit einem Beruf auf dem richtigen Weg zur Integration. Richterin Hörauf verurteilte ihn deshalb zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

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