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In einem Hotelzimmer im südlichen Landkreis Ebersberg soll es zu den Übergriffen gekommen sein.

Aus dem Gerichtssaal

Sex-Attacke im Hotelzimmer

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Bei Sexualdelikten vor Gericht gibt es häufig ein Problem, wenn Aussage gegen Aussage steht: Wem glaubt man? Auch das Schöffengericht in Ebersberg musste am Mittwoch genau diese Frage klären.

Ebersberg – Der Personalchef eines italienischen Restaurants aus dem südlichen Landkreis, Luigi P. (Name geändert), soll im November 2015 eine Angestellte eines direkt angrenzenden Hotels, das über den gleichen Eingang wie das Speiselokal zugänglich ist, in einem Zimmer gewaltsam sexuell genötigt haben. Als die 22-Jährige die Betten machte, sei P. in das Zimmer gekommen, habe die Türe abgesperrt und sie zum Sex aufgefordert. Vehement habe die Hotelfachfrau das abgelehnt und den Italiener (41) gefragt, ob er Drogen genommen habe, wie sie vor Gericht schildert.

Als die Frau fliehen wollte, habe P. sie von hinten gepackt, festgehalten und versucht, ihre Brüste und ihren Po anzufassen. Dann habe er sie gewaltsam auf das Bett geworfen. „Er hat mit seinem linken Arm meine Hände festgehalten und sich mit seinem gesamten Körpergewicht auf mich gelegt“, sagte die 22-Jährige mit Tränen in den Augen. Dann habe er unter ihre Bluse gegriffen, die Brüste „geknetet“ und sie inständig zum Geschlechtsakt gedrängt. Nachdem sich die Hotelangestellte wehrte und sagte, dass er „Frau und Kind“ habe und ihr Freund Polizist sei, ließ P. von ihr ab und verschwand.

10 000 Euro Schmerzensgeld

Vor Gericht bestritt Luigi P. die Vorwürfe, er sei weder in dem Zimmer gewesen, noch habe er sich an die 22-Jährige herangemacht. Von der Unterstellung sei er „schockiert“ – für ihn und seine Familie sei das ruf- und existenzschädigend. Diese Befürchtung war auch der Grund, warum er versuchte, die Tat nicht öffentlich werden zu lassen. In einem Schreiben wollte er gemeinsam mit seiner Anwältin die Frau überzeugen, nicht zur Polizei zu gehen. Für das Opfer sei das keine Option gewesen. Sich noch erpressen zu lassen, sei zu viel, sagte die 22-Jährige. Es sei ihr alles „sehr unangenehm“, nach der Tat sei sie verstört gewesen und hatte Angst, ihre Arbeit im Hotel zu verlieren. Monatelange psychologische Behandlung folgte.

Das Schöffengericht glaubte ihr. Richter Markus Nikol sagte, sie habe alles detailliert und objektiv geschildert. Ein Motiv, wieso sie diese Tat erfinden sollte, gebe es nicht ansatzweise. Nur weil Luigi P. von ihr abgelassen habe – sprich sie weder weiter begrapscht oder gar vergewaltigt hatte – wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Nikol sagte, die Bewährung sei sehr bedenklich. An die 22-Jährige muss er 10 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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