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Essengehen wird immer teurer: Gaststätten müssen Preise erhöhen

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Von: Raffael Scherer

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Maximilian Mack, Wirt des Purfinger Haberer vor seinem Eingangstor.
Maximilian Mack, Wirt des Purfinger Haberer, hat einen pandemiebedingten Nachholbedarf bei seinen Gäste festgestellt. Er freut sich über zahlreiche Reservierungen für Familienfeiern. Mitte Mai gibt es bei ihm eine neue Preisliste. © SRo

Wirte im Landkreis Ebersberg spüren die Inflation stark und gleichen ihr Angebot nach oben an - auch um ihre Mitarbeiter fair zu behandeln.

Landkreis – Die Drucker für neue Speisekarten laufen heiß in den Gaststätten im Ebersberger Landkreis. Denn aufgrund der wegen des Ukraine-Kriegs steigenden Gesamtkosten müssen auch dort die Preise angehoben werden. „Bestes Beispiel: Vor dem Krieg haben zehn Liter Speiseöl 13 Euro gekostet, jetzt kosten die mich über 30“, erklärt Korbinian Kugler vom Landgut Kugleralm in Ebersberg. Wegen der steigenden Kosten, sowohl für die Lebensmittel selbst als auch für Lieferungen und und Energie, müsse nun eben mehr verlangt werden, erklärt Kugler.

Auch im Landlust Wirtshaus am Reitsberger Hof in Vaterstetten musste Christoph Link bereits vor drei Wochen neue Speisekarten mit höheren Preisen drucken: Die Getränke kosten bei ihm nun etwa drei bis vier Prozent mehr, die prozentuale Preiserhöhung bei den Speisen liege „kurz vor dem zweistelligen Bereich“. „Extrem“ fielen ihm die steigenden Preise auf, als er Gas bestellen musste: Statt den gewohnten 1900 bezahlte er diesmal über 4000 Euro. „Ich weiß, gerade ist der blödeste Moment, um Gas zu bestellen, aber wenn der Tank leer ist, ist er leer“, so Link.

Preise für Butter um 100 Prozent gestiegen

„Sicher mussten wir die Preise erhöhen“ bestätigt Franz Schwaiger, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis (Dehoga) und Betreiber des gleichnamigen Hotel-Gasthofs in Glonn. Da die Preise für Milch um rund 30, Mehl um rund 50 und Butter um sogar 100 Prozent teurer wurden, müsse das eben kompensiert werden: „Das sind lauter so Sachen, wo wir nicht auskommen“, fasst Schwaiger zusammen.

Bei Maximilian Mack vom Gasthof Purfinger Haberer kommen die neuen Preislisten erst Mitte Mai. Bis dahin wolle er noch die Rückmeldungen seiner Lieferanten abwarten. Er schätzt bei sich auf eine Preiserhöhung um die zehn Prozent, wobei der Preis für jedes Gericht „einzeln neu durchkalkuliert“ werde – das schaffe mehr Transparenz für die Kunden.

Höhere Mitarbeiterlöhne für steigende Lebenserhaltungskosten

Steigende Preise bedeuten gleichzeitig auch Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter: „Ich kann nicht sagen: ,Das Essen wird teurer, aber es gibt nicht mehr Gehalt’“, stellt Kugler in Ebersberg klar. Ein weiterer Grund für steigende Preise. Auch Link in Vaterstetten habe bereits die Mitarbeiterlöhne erhöht. Allem voran die Pendler von weiter weg hätten ihn damals sehr schnell auf die gestiegenen Spritpreise aufmerksam gemacht, erinnert er sich.

„Gerade die Gastronomie ist sehr Lohn- und Mitarbeiter-intensiv, vom Spüler bis zu den Leuten, die über Nacht die Räume sauber machen“, erklärt Schwaiger. Vor allem der kommende Herbst werde diesbezüglich „spannend“. Denn dann soll der Mindestlohn von zehn auf 12 Euro steigen: „Eine heftige Sache“, sagt Schwaiger. Schließlich seien in der Gastronomie viele aus dem Niedriglohnsektor beschäftigt. Das führt dann gleich zur nächsten Preiserhöhung für die Kunden, ist er sich sicher. Gleichzeitig verstehe er die Forderung nach mehr Gehalt, angesichts der steigenden Lebenserhaltungskosten.

Steigende Preise in Gaststätten: Kunden zeigen Verständnis

Sorgen die steigenden Preise für Unmut bei den Gästen? „Bei den Kunden ist vollstes Verständnis da, wenn man mit dem Thema transparent umgeht und die Situation nicht ausnutzt“, heißt es auf der Kugleralm. Schließlich würde jedermann ja auch im Privatleben wie etwa im Supermarkt die steigenden Preise zu Gesicht bekommen und sei da im Restaurant nicht überrascht. Einen Schwund bei seiner Kundschaft befürchtet Kugler zunächst nicht.

„Wir merken schon, dass die Regelmäßigkeit nicht mehr so da ist“, heißt es dagegen von Christoph Link in Vaterstetten. Noch sei der Rückgang an Gästen nicht dramatisch fürs Geschäft, aber es sei auffällig dass manche Gäste nur noch ein oder zwei mal im Monat, statt wöchentlich kämen.

Umstieg auf billigere Lebensmittel keine Alternative

„Wir haben schon Hochzeiten, die am Mittwoch oder Donnerstag losgehen“, frohlockt unterdessen Schwaiger in Glonn über seinen vollen Veranstaltungskalender. Den Menschen habe pandemiebedingt lange der persönliche Austausch gefehlt, dafür seien Gaststätten nun der perfekte Ort. Dafür nehmen die Leute den ein oder anderen Euro mehr in Kauf, vermutet er.

Mack im Purfinger Haberer kann sich zwar vorstellen, dass Gäste seltener kommen könnten, momentan herrsche aber auch bei seinen Kunden pandemiebedingter „Nachholbedarf“. Dementsprechend viele Reservierungen habe er für Geburtstags- Firmen- und, Hochzeitsfeiern. Obendrein sei der Mai immer der „Kommunions- und Firmmonat“, also gebe es noch genügend Anfragen. Auf günstigere Lebensmittel umzusteigen kommt für ihn dagegen nicht in Frage, da die Qualität darunter leiden würde. Das müsse dem Kunden auch mal einen Euro mehr wert sein. „Aber auch Leute, die gern in den Biergarten gehen, werden sich wohl bald überlegen, ob sie einen Zwiebelrostbraten für 21 Euro essen oder doch lieber den günstigeren Schweinebraten.“

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