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Der Troll und die Hexe fegen bei der Bayerischen Rauhnacht im Alten Speicher in Ebersberg wild über die Bühne.

Wiedersehen mit Troll und Hexe

Eine Welt, in der Träume schlummern

Die Bayerische Rauhnacht begeistert das Publikum noch immer. Das Mystical von Schariwari hat auch in der aktuellen Fassung – viele Jahre nach der Uraufführung – nichts von seiner Anziehungkraft verloren. Das war im Alten Speicher in Ebersberg deutlich zu spüren.

Ebersberg – Wirre Schreie aus der Dunkelheit, Gepolter, das Geräusch von Schlägen, Gebell und Gewieher: Alles ist dunkel, dicke Nebelschwaden quellen von der Bühne, füllen den Raum und zu sehen ist nichts. Dann bohren zwei weiße Strahler einen hellen schmalen Weg ins Dunkel und die Umrisse von zwei Figuren auf der Bühne werden wieder erkennbar: Es ist der kleine Troll aus dem hohen Norden mit spitzen Ohren, die aus der weißen Kappe hervorblitzen und das Holzmandl, mit großen Stiefeln, die braune Mütze über die Stirn gezogen.

Eingespieltes Team: Günther Lohmaier und Franz Mair-Dini (v. l.) im Alten Speicher.

Ein bisschen unheimlich ist sie schon, diese Bayerische Rauhnacht, das Mystical von Schariwari, das am 6. und 7. Dezember im alten Speicher wieder zum Leben erweckt worden ist. Das liegt auch an den Licht- und Geräuscheffekten. Einmal erscheint die Bühne in grellem Blau und Grün, dann wieder in Rot und Gelb, zwischendurch wird es ganz dunkel und plötzlich flackern Blitze auf oder oder eine gruselige Maske am Bühnengiebel wirkt fast lebendig, weil sie für eine kurze Zeit die einzige Lichtquelle ist. Gleichzeitig donnert und kracht es oder dumpfe Geräusche dringen ans Ohr, manchmal von der Bühne, manchmal von hinten oder aus dem Off. Es liegt aber vor allem auch an den Masken der Perchten, die mit langen Zotteln und grimmigen Grimassen Furcht einflößen.

Das Publikum ist begeistert von dieser Neuauflage des Stücks, das bereits 1996 Premiere feierte und dann rund 200 Mal aufgeführt wurde. Der Alte Speicher war an beiden Abenden ausverkauft. Die Songs von Schariwari sind ebenso intensiv wie legendär: Wenn Rudi Baumann von der finsteren Nacht singt oder Günther Lohmeier voller Inbrunst „Mama, warum bist du ned bei mir?“ ins Mikrofon stöhnt, bekommen die Zuhörer immer wieder Gänsehaut.

Rudi Baumann gewohnt ausdrucksstark.

Doch auch das Zwerchfell kommt auf seine Kosten: Der Gegensatz zwischen dem jungen hochdeutsch schnatternden Troll und dem urbayerischen Holzmandl führt zu mancher aberwitzigen Situation, über die alle im Saal herzlich lachen können. Da folgt auf ein joviales „Moin-Moin“ ganz trocken ein süddeutsches „Ja, aber ned um die Uhrzeit!“.

Der Höhepunkt der konträren Dialekte ist erreicht, als das Nordlicht einen Baustamm ritzt und ab diesem Zeitpunkt nur noch bayerisch sprechen kann. Erst das Aufzählen bayerischer Schimpfwörter in alphabetischer Reihenfolge löst den Bann auf, aber da haben sich die Zuschauer schon krumm gelacht.

Ein richtiger Genuss sind die alten Geschichten und Sagen, die das Holzmandl erzählt: Überlieferungen aus einem dicken Buch von kleinen Seelen, die keine Ruhe finden, pubertierenden Teufelchen auf Brautschau und von der Veronika, die aus vier Verehrern einen Ehemann aussuchen muss. Auf wilde Jagden folgt das Haberergericht über den Großkopfbauern, den der gespenstische Tod holt. Aber da leuchtet auch der magischen Flakon des Trolls, dessen Licht jedem Glück und Leben bringen könnte. „Das ist eine Welt, in der eure Träume schlummern“, sagt der Troll zum Publikum, „weckt sie wieder auf!“.

VON EVI THIERMANN

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