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Helfer vor Ort: (v.l.) Wolfgang Haller, Edith Niederstehbruch (Kreisklinik), Linda Boven (Anästhesistin), im Hintergrund Markus Stumpf (Unfallchirurg), Doris Sixt (Laborleiterin Kreisklinik), Antonia von Martius (Assistentin in der Unfallchirurgie Kreisklinik), Nils Niederstehbruch (Globolab Aßling), und Martin Kreutzer (Anästhesist) Der Rest sind Patienten, die von der Organisation versorgt wurden.  

Orthopädie für die 3. Welt

Ebersberger Mediziner operieren in Afrika

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Es geht langsam wieder bergauf“, sagt der Ebersberger Mediziner Wolfgang Haller. Die kleine Hilfsorganisation „Orthopädie für die 3. Welt“ kümmert sich um ein Krankenhaus in Lunsar in Sierra Leone. Zwei Mal pro Jahr fliegt ein Team zum Operieren in das westafrikanische Land, das von der Ebola-Epidemie 2014/15 stark betroffen war.

Landkreis – „Ich war gleich nach Ebola unten“, erzählt Haller. Inzwischen kehre die afrikanische Fröhlichkeit wieder ein, die Hilfe komme wieder an und die internationalen Firmen kämen zurück. Klar geworden sei inzwischen aber auch, dass, so wichtig die mehrwöchigen Aufenthalte der deutschen Mediziner in dem westafrikanischen Land sind, dies nicht ausreicht. „Die Frage war: Was machen wir?“, so Haller. Die Helfer wollen jetzt die Unterstützung auf eine breitere Basis stellen. Sie wollen einheimische Medizier vor Ort in Unfallchirurgie ausbilden. „So etwas gibt es im ganzen Land nicht.“ Unterstützt wird das Projekt durch den Rotary Club Ebersberg-Grafing.

Hintergrund: Sierra Leone ist ungefähr so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen und hat etwa sechs Millionen Einwohnern. Es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Ort Lunsar mit circa 30 000 Einwohnern liegt rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Freetown entfernt im Landesinneren. Die dortige Klinik „Saint John of God“ wird vom katholischen Orden der „Barmherzigen Brüder‘ geführt, der seine Zentrale in Spanien hat. Die Klinik hatte vor der Ebola-Epidemie 150 Betten, jetzt sind es noch rund 100. „Das ist sicher eine der besten Kliniken im Land“, sagt Haller.

In Absprache mit der Klinikleitung und dem Orden soll eine kleine unfallchirurgischen beziehungsweise orthopädische Abteilung aufgebaut werden. Hierzu sind bereits Räume in der Klinik vorhanden. Eine Station mit acht Betten stände zur Verfügung, eine Klimaanlage wird installiert, um Infektionen zu verhindern. Ein Arzt beziehungsweise ein so genannter „Community Health Officer“ wird für zwei Jahre in der Klinik angestellt und dort durch die Teams aus Deutschland in Grundlagen der orthopädischen und unfallchirurgischen Therapie ausgebildet. Die Kursteilnehmer können „während dieser Zeit selbstverständlich nicht die Durchführung schwieriger Operationen erlernen, aber sie sollen eine Basisversorgung Frisch-Verletzter durchführen können, so wie sie bei uns auch noch vor circa 50 Jahren üblich war“, erklärt Haller. Die weitere Versorgung könne nur durch so genannte „Bone Specialists“ aus Europa durchgeführt werden, wie die Helfer vor Ort genannt werden. „Für die zweijähriges Ausbildung brauchen wir 20 000 Euro“, so Haller. „Wir haben eine gute Konstanz in der Klinikleitung und wir können davon ausgehen, dass gespendet Geld auch dort bleibt.“ Natürlich wäre nach den zwei Jahren ein Anschlussprojekt in der Ausbildung sinnvoll, so Haller. „Aber jetzt müssen wir zunächst einmal anfangen.“

Um den Klinikbetrieb zu sichern, läuft noch ein zweites Projekt. Dabei geht es um einen Generator und dessen Anschaffung wird durch den Freistaat Bayern unterstützt. Bisher existieren laut Haller zwei alte Generatoren, die einen hohen Verbrauch haben und durch Stromschwankungen verschiedene Geräte wie digitales Röntgen oder Sterilisation gefährden. Der Kauf des Generators in Freetown und der Standort in der Klinik sind geklärt. 40 000 Euro wird das kosten, zehn Prozent zahlt die Klinik selbst.

Parallel arbeitet in Lunsar auch die Aßlinger Hilfsorganisation „Globolab“, die dort ein mikobiologisches Labor aufbaut und das Personal vor Ort schult. Über das Labor soll unter anderem verhindert werden, dass Menschen dort zwar erfolgreich operiert werden, danach aber wegen einer Infektion sterben. Unterstützt wird auch eine Krankenschwesternschule, die an Klinik in Lunsar angebunden ist.

Zudem geht es in dem Krankenhaus um weitere Probleme mit der Infrastruktur. So funktioniere derzeit der Brunnen nicht, erzählt Haller. Es gebe eine Solaranlage, aber die sei auch nur eingeschränkt funktionsfähig. „Da muss mal ein Elektriker drüber schauen. Vielleicht ist es ja nur eine Kleinigkeit.“

Was inzwischen gut funktioniert, ist der Kontakt der Ärzte vor Ort mit den Medizinern in Deutschland. Per Handy kann unter anderem die Behandlung von Patienten abgesprochen werden. „Die Nutzung des Mobiltelefons ist in Sierra Leone im Vergleich zu uns extrem billig“, erklärt Haller. Und die Helfer werden auch über den Fortschritt bei der Genesung von Patienten unterrichtet. „Wenn man dann später Röntgenbilder bekommt und den Heilungsverlauf sieht, dann ist das ein gutes Gefühl“, sagt Haller. „Unsere Arbeit in Sierra Leone ist sicher nur ein Tropfen auf einem heißen Stein, aber vielleicht ein Hoffnungsschimmer für die Menschen dort.“ Haller will nun in Deutschland junge Ärzte begeistern, als Helfer nach Afrika zu gehen.

Der nächste Einsatz eines Teams der Kreisklinik Ebersberg um Chefarzt Artur Klaiber wird Ende nächsten Monats sein. Und: Am 27. Januar findet die große Benefizgala des Rotary Clubs Ebersberg-Grafing statt, bei der Spenden für das Projekt an der Klinik „Saint John of God“ in Lunsar gesammelt werden.


Weitere Informationen

Orthopädie für die Dritte Welt: www.o-d-w.ne.
Rotaryclub Ebersberg Grafing: ebersberg-grafing.rotary.de.
Globolab Aßling: globolab.de
Kreisklinik: www.klinik-ebe.de.

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