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Sylvia Stolz,  53 (hier bei einem Gerichtstermin in München), ist verurteilte Holocaust-Leugnerin. 

Pikante Beziehung

Ebersberger Offizier pflegt Kontakte zu Holocaust-Leugnerin

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Rechtsextremismus und Bundeswehr - ein brandaktuelles, ein brisantes Thema. Auch in Ebersberg. Hier lebt der Offizier Wolfgang B., der über Jahre hinweg intensiven Kontakt zur mehrfach verurteilten Holocaust-Leugnerin Sylvia Stolz unterhielt.

Ebersberg – Ursula von der Leyen schwant Böses. Die Verteidigungsministerin geht davon aus, dass noch weitere rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr öffentlich werden. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass das, was wir bisher wissen, nicht alles ist, sondern dass sich dort noch mehr zeigen wird“, sagte sie nach der Festnahme des terrorverdächtigen Oberleutnants Franco A..

Wie Recht die Ministerin hat, zeigt ein Blick nach Ebersberg. Hier lebt der Sanitätsoffizier der Reserve Wolfgang B., der regelmäßig und über mehrere Jahre hinweg persönlichen Kontakt zur mehrfach verurteilten Holocaust-Leugnerin Sylvia Stolz unterhielt. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Ebersberger Zeitung vorliegen.

Der Oberstabsarzt ist 59 Jahre alt und Mitglied des Vorstands der Freien Wähler in Aßling. Dort hatte der Mann, der nach wie vor an Wehrübungen teilnimmt, eine politische Heimat gefunden, nachdem sich die Ebersberger Freien schon vor über zehn Jahren von ihm getrennt hatten. Grund für das Zerwürfnis war damals eine Podiumsdiskussion, die B. zur Bundestagswahl veranstalten wollte. Dazu hatte er ohne Rücksprache mit der Vorstandschaft auch einen Kandidaten der Republikaner eingeladen.

Aus Schriftverkehr, der der EZ vorliegt, geht hervor, dass sich B. regelmäßig mit Sylvia Stolz austauschte – auch persönlich in ihrem Ebersberger Haus, das sie bewohnt, wenn sie gerade nicht im Gefängnis sitzt.

Auf diesen Kontakt angesprochen, sagt B., dass er Stolz seit 2006 kenne. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 sei er „als behandelnder Arzt zu einem Mitglied ihrer Familie ins Haus gekommen“. Seine „bekannt konservative Haltung“ habe er dabei behalten, politisch habe er sich nicht beeinflussen lassen. Neonazistische Umtriebe seien ihm „wesensfremd“. Er stehe zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. „Mein Kontakt zu Frau Sylvia Stolz ist fern und damit alles andere als intensiv“, schreibt B., der die Behandlung der Mutter von Sylvia Stolz übernommen hatte, weil sie offensichtlich zu keinem anderen Arzt Vertrauen habe. Das geht aus seinem Schriftwechsel hervor.

Dass der Kontakt zu Stolz nur „fern“ war, wie der Truppenarzt behauptet, muss anzweifeln, wer das Schreiben liest, das B. im Januar dieses Jahres an Stolz schickte und das in intimem Ton verfasst ist. Klar wird darin, dass B. einst den Kontakt zu der heute 53-Jährigen suchte, die jahrelang mit dem mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilten Neonazi Horst Mahler liiert war.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr ist über den Ebersberger Fall informiert und hat nach Informationen unserer Zeitung Ermittlungen aufgenommen. Konkret wollte sich ein Sprecher des bundeswehreigenen Geheimdienstes nicht äußern. Man untersuche „die Sache ergebnisoffen“ und werde Gespräche mit den Betroffenen führen, hieß es auf Nachfrage.

Entsetzt reagierte der Landesverband der Freien Wähler auf die Kontakte seines Mitglieds B. in die rechtsextreme Szene. Ein Mitglied, das bei Landesversammlungen immer wieder mit Anträgen aufgefallen war. „Ich kenne ihn persönlich“, sagt FW-Generalsekretär Michael Piazolo zur Ebersberger Zeitung, „über sein Privatleben ist mir allerdings nichts bekannt“. Die Freien Wähler würden den Fall B. untersuchen. Das sei ein „höchst sensibles Thema“.

Weniger brisant finden die Freien Wäher in Aßling B.’s freundschaftliches Verhältnis zu der mit Berufsverbot belegten Rechtsanwältin Stolz. „B. hat mich informiert. Wir haben nichts dagegen, wenn er bei uns weitermacht“, sagt Hugo Kasper, Chef des Ortsverbands der Freien. Der Ebersberger sei einer, „der nicht nur redet, sondern auch mitarbeitet“.

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