+
Abfräsen, abräumen, neu einbauen: Die Sanierungsmaßnahme an der Ebersberger Südumfahrung ist keine Kosmetik, sondern eine Totalsanierung, die notwendig ist, weil die Fahrbahn nach wenigen Jahren zur Buckelpiste wurde.

Grüne sprechen von Fiasko

Ebersberger Südumfahrung: „Quasi-Neubau“ nach wenigen Jahren

  • schließen

„Baufällig nach nur sechs Jahren“: Nur eine der wenig schmeichelhaften Schlagzeilen im Zusammenhang mit dem Bau der umstrittenen Ebersberger Südumfahrung. Und die schlechten Nachrichten reißen scheinbar nicht ab. Die Ebersberger Grünen sprechen deshalb von einem „neuerlichen Fiasko“.

Ebersberg – Noch bis zum 10. September wird die Bundesstraße 304 zwischen den Ampelanlagen in Langwied und Gsprait total saniert. Die Fahrbahn hat noch keine acht Jahre Betrieb auf dem Buckel und wurde in dieser Zeit sehr schnell zur Buckelpiste. Das räumt auch das Straßenbauamt ein: „Als ich da das erste Mal drübergefahren bin, hab ich mir gedacht: das kann jetzt aber nicht wahr sein“, meint Doris Lackerbauer, Amtsleiterin der Straßenverkehrsbehörde in Rosenheim, die das Problem von ihrem Vorgänger geerbt hat.

Zu denjenigen, die von Anfang an vor dem Projekt gewarnt haben und die jetzt recht behalten sollten, gehören die Ebersberger Grünen. Für den Ortsverband ist die aktuelle Totalsanierung angesichts des Umfangs der Bauarbeiten nämlich ein „Quasi-Neubau“. Sie haben sich auf der Großbaustelle umgesehen und berichten in einer Presseerklärung von ihren Eindrücken: „Etwa einen halben Meter tief wurde die Erde entfernt. Einstmals viel gelobtes Geotextil liegt zu Kubikmeter-großen Haufen aufgeschichtet und wird nun wohl durch neues Plastik ersetzt.“ Die Grünen erinnern daran, „dass diese Straße gegen unseren jahrelangen Protest und Widerstand und gegen jeden Verstand buchstäblich in den Sumpf gesetzt wurde“. Auch Lackerbauer räumt „relativ schnelle Setzungen“ ein.

In einer Information auf der Seite des Straßenbauamtes gibt es zwar allgemeine Hinweise zu Dauer und Bauphasen, nicht aber zu den Kosten, die dem Steuerzahler durch den Straßenpfusch entstehen. Und mit der aktuellen Aktion ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, denn die Fahrbahn bekommt nur einen provisorischen Straßenbelag. „Dies ist nötig, da im ersten Jahr nach der ersten Bauphase mit leichten Setzungen zu rechnen ist“, informieren die Fachleute.

25 Millionen hat der Neubau damals gekostet, viel mehr als ursprünglich angenommen wurde. „Der Steuerzahler begleicht nun abermals die Rechnung und fragt sich, ob mit seinem Geld nicht Sinnvolleres hätte angestellt werden können“, kritisieren die Grünen. Sie denken dabei an eine S-Bahn-Ausweichstelle im eingleisigen Bereich zwischen Ebersberg und Grafing. Die aktuelle Maßnahme kostet 1,1 Millionen Euro. Diese Summe war erst auf Nachfrage von der Straßenbaubehörde zu erfahren, in der Pressemitteilung zur Sanierung wurde sie vornehm weggelassen.

Skeptiker im Landkreis glauben, dass auch nach den aktuell laufenden Arbeiten weiterhin mit Setzungen zu rechnen sei. Das fürchten sogar die Fachleute in der Straßenbaubehörde selbst. Die „Ausbesserung“ würde damit Stückwerk bleiben, weitere Kosten würden drohen. Lackerbauer verweist dabei auf „baugrundbedingte“ Schwierigkeiten. Tatsächlich waren vor Jahren schon die Auffahrtrampen zur Brücke im Laufinger Moos im Moorboden versunken. Gottseidank wurden die massiven Hohlräume unter der Teerdecke rechtzeitig entdeckt, die Straße über die Brücke wurde gesperrt. „Die Arbeiten sind im Zeitplan“, verspricht das Straßenbauamt den Autofahrern. Eine kleine Unsicherheit besteht aber: Asphaltiert werden kann nicht bei schweren Regenfällen. Hoffentlich nicht die nächste Panne.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Niemand will Poings Marktbrunnen bauen
Zwei Auftragsausschreibungen ohne Erfolg: Keine einzige Firma hat sich gemeldet, um Poings neuen Marktbrunnen zu bauen. Und jetzt?
Niemand will Poings Marktbrunnen bauen
Schwerer Unfall: B12 gesperrt
Schwerer Unfall bei Hohenlinden. Die Bundesstraße 12 ist in Höhe Birkach voll gesperrt.
Schwerer Unfall: B12 gesperrt
Diese Burschen bauen sich ihren Jugendtreff in Purfing selbst
Zehn Burschen renovieren einen alten Bauwagen in Purfing (Gemeinde Vaterstetten). Dort soll ein neuer Jugendtreff entstehen. Ein Besuch.
Diese Burschen bauen sich ihren Jugendtreff in Purfing selbst
Emilie aus Grafing
Schlafmütze Emilie: Die müde Prinzessin ist das erste Kind von Veronika und Michael Urban aus Grafing und hat am 6. Februar in der Kreisklinik Ebersberg das Licht der …
Emilie aus Grafing

Kommentare