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Hier lag die tote Frau: Martina K. zeigt auf die Stelle in ihrem Haus, wo sie die Leiche fand.

Schreckensfund nach Urlaub

Ebersbergerin (42): "Plötzlich hatte ich eine Tote im Haus"

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Ebersberg - Wenn ein Mieter in seiner Wohnung stirbt, die Leiche  dort noch zehn Tage liegt und die Erben den Nachlass ausschlagen, wer muss dann für die Renovierung aufkommen? Wahrscheinlich der Vermieter, wie ein Beispiel aus Ebersberg zeigt. Dort sieht sich Martina K.  hohen Kosten gegenüber.

Die 42-jährige Frau hatte sich in der Kreisstadt eine Doppelhaushälfte gekauft. „Am 1. November zog eine ältere Frau bei mir ein“, berichtet die Ebersbergerin. „Wir hatten eine Art Wohngemeinschaft.“ Dann fuhr die Hauseigentümerin im März ein paar Tage in Urlaub. Als sie wieder in ihre Doppelhaushälfte heimkehrte, dachte sie, ihre Mietern sei zuhause und es sei alles in Ordnung. „Ich habe ihre Schuhe stehen gesehen. Erst am nächsten Tag habe ich den Geruch bemerkt“, schildert die Frau die Situation. „Wir haben ein offenes Treppenhaus.“ Als sie nach oben geht, in die Räume ihrer Mieterin, sieht sie eine Tote auf dem Boden liegen. Sie hat ohne es zu wissen eine Nacht lang mit einer Leiche unter einem Dach verbracht. „Das war ein schlimmes Erlebnis für mich. Ich kann momentan nicht arbeiten. Ich bin krankgeschrieben“, schildert die Ebersbergerin ihre traumatische Erfahrung.

Es wurde sofort die Polizei gerufen. „Die Beamten und der Arzt haben festgestellt, dass die Verstorbene schon seit etwa zehn Tagen in der Wohnung lag.“ Aufgrund des langen Zeitraums haben sich Körperflüssigkeiten auf einer Fläche von mehreren Quadratmetern auf dem Parkett verteilt. „Der Leichengeruch steckt sogar in den Wänden und in den Möbeln“, berichtet die geschockte Eigentümerin.

Die Leiche wurde abtransportiert. Die Ebersbergerin und ein Freund versuchten, alles wieder sauber zu machen. „Das Parkett muss rausgerissen werden, die Möbel kann ich wegschmeißen“, sagt Martina K.. Böse Überraschung: Die Nachkommen der Verstorbenen schlagen das Erbe aus. Zum Schock über den Vorfall kommt jetzt der Ärger über die hohen Renovierungskosten.

„Bei der Reinigung könnte sie Probleme bekommen. Es kann durchaus sein, dass die Eigentümerin dafür aufkommen muss“, sagt Rechtsanwalt Norman Sauer, der Vorsitzende des örtlichen Mieterbundes auf Anfrage der Ebersberger Zeitung.

Florian Haenisch, Grafinger Fachanwalt für Erb- und Familienrecht, rät in einem solchen Fall dazu, eventuelle Forderungen „beim Nachlassgericht anzumelden“. Der Betroffene selbst erhalte zwar dort keine Akteneinsicht, aber der von ihm beauftragte Anwalt. Der könne dann feststellen, ob nicht doch noch auf einem Konto ein Betrag vorhanden sei, der zur finanziellen Entlastung der Vermieterin beitragen könne. Haenisch: „Am Ende erbt alles der Staat. Aber der sucht sich nur das Positive aus. Der erbt keine Schulden.“

Martina K. hat das Erlebte noch nicht verarbeitet. „Ich wohne derzeit bei einer Freundin“, schildert sie ihre Situation. Sie ist froh, dass ihr kleiner Sohn in der betreffenden Nacht nicht mit dabei gewesen sei. So sei ihm ein schrecklicher Anblick erspart geblieben.

Die Angehörigen der Toten hätten sich geweigert, die Sachen ihrer verstorbenen Mutter abzuholen. Martina K. fürchtet, dass sie jetzt auch auf den Entsorgungskosten sitzen bleibt. Das Haus müsse aufwändig saniert werden. Es müssten die Räume mit geruchshemmender Farbe gestrichen werden. Der Bodenbelag mit dem drei Quadratmeter großen Blutfleck müsse komplett raus. „Das war alles total verkrustet.“

Wann Martina K. wieder in ihr Eigentum einziehen kann, ist derzeit offen. Die Frau hofft, dass doch noch von irgendeiner Seite Hilfe für sie kommt.

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