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Sie integrieren Flüchtlinge auf sportliche Weise: Leoni Jörg und Dominic Mayer.

TSV Ebersbergs großes Engegament für Flüchtlinge

Integration auf dem Fußballfeld

Ebersberg - Sie machen nicht viel Aufhebens um ihr Engagement für Flüchtlinge, dabei leisten sie enorm viel: Junge Trainer des TSV Ebersberg, die rund 25 Flüchtlinge beim wöchentlichen "Asylkick" betreuen.

Auf Publicity kommt es ihnen nicht an, den Verantwortlichen beim TSV Ebersberg, die sich in der Abteilung Fußball um 25 Mannschaften kümmern. Können sie doch selbst mit diesem großen Angebot die Nachfrage kaum befriedigen. Der Ortsverband der Grünen wollte trotzdem Genaueres wissen, vor allem über die sogenannte Flüchtlingsmannschaft, und bat Dominic Mayer, den Leiter der Fußballabteilung beim TSV, zum siebten „Ebersberger Gespräch“ des Ortsverbands.

Jeden Sonntagabend, berichtete Mayer, treffen sich rund 25 Flüchtlinge aus Syrien und diversen afrikanischen Ländern im Ebersberger Jugendstadion, um miteinander zu trainieren. Er selbst steht beim „Asylkick“ zusammen mit anderen jungen Trainern dann als Coach auf dem Rasen, während Freundin Leoni Jörg als Dolmetscherin fungiert. Mittlerweile gibt Mayer seine Anweisungen allerdings nur noch auf deutsch – und sie werden, nach anfänglichen Problemen mit der Termin-Disziplin – gewöhnlich auch befolgt. Das Training ist für die Asylbewerber kostenlos. Wenn sie eines Tages so weit sind, dass sie an den Punktspielen teilnehmen können, bekommen sie den Spielerpass für die Teilnahme am Regelspielbetrieb ebenfalls vom TSV.

In den regulären Mannschaften des TSV trainieren bereits die ersten Flüchtlinge, unter ihnen auch zwei Kinder. „Ein Lionel Messi war bisher noch nicht dabei, aber die Jungs entwickeln sich“, kommentierte Mayer schmunzelnd. Ihr Outfit müssen die Spieler selbst kaufen und bezahlen, wobei der Helferkreis Asyl schon einmal eine Fahrt zu einer günstigen Bezugsquelle organisiert. Es gab auch bereits Unterstützung durch verschiedene Fußball-Stiftungen und seit Januar trainieren die Kicker stolz in abgelegten Trikots der deutschen Nationalmannschaft.

Bei aller gelungenen Integration gibt es auch Probleme. Wenn einem Spieler, wie jetzt einem Senegalesen, die Abschiebung droht, dann hilft alle Willkommenskultur nicht weiter und die Motivation der Kicker kann auf den Nullpunkt sinken. „Sehr hart ist es auch für die Trainer, wenn plötzlich einer fehlt“, brauchte Mayer nicht zu betonen. Das praktische Problem Nummer eins aber lautet: Ebersberg hat nur zwei Übungsplätze. „Seit mehreren Jahren wird bei uns super Jugendarbeit gemacht, aber wir haben noch sehr viel ungenutztes Potential – einfach aus Platzmangel“, konstatierte der Trainer. Dass Ebersberg aus diesem Grund und mangels Umkleidemöglichkeiten zum Beispiel auch keine Frauenmannschaft aufstellen kann, sei wirklich peinlich.

Abhilfe wäre allerdings möglich, berichtete Philipp Goldner, Stadtrat der Grünen. So habe ein Architekt auf Kosten des TSV ein Gesamtkonzept erstellt, nach dem ein weiterer Trainingsplatz, diesmal mit Naturrasen, am Waldsportpark errichtet werden könnte. Der Stockschützenplatz soll für diesen Zweck verschoben und überdacht werden. Der marode Kabinenbereich würde vollkommen neu gestaltet. Auch an einen Kraft-/Fitnessraum sei gedacht. Dass ein Projekt wie dieses in Zeiten großer anderer Investitionen bei der Stadt nicht unbedingt Begeisterungsstürme auslösen wird, ist allen Beteiligten klar. „Wenn die Stadt ihre Mittel verteilt, sollte sie aber bedenken, dass jede Woche rund tausend Fußballer, Leichtathleten, Stockschützen und Tennisspieler in den Waldsportpark kommen“, mahnte Goldner.

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