Eberwerk wird nicht in Aufladepunkte für Elektroautos investieren

Netz ohne Steckdosen

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Im Februar wurden die Weichen gestellt für eine Stromnetz-Übernahme im Landkreis. Dazu  hat die  Energieagentur im Auftrag von 19 Landkreiskommunen eine Holding gegründet. Was bedeutet das für das örtliche Angebot von zusätzlichen Stromtankstellen?

Landkreis – Wer das Netz hat, hat aber offensichtlich noch lange nicht die Steckdosen dazu. Zumindest sieht es derzeit danach aus. „Das ist eine schwierige Situation“, räumt Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr ein.

„Wir machen gerade ein Konzept dazu“, meint Gröbmayr auf die Frage der Ebersberger Zeitung, ob mit der Übernahme des Stromnetzes im Landkreis Ebersberg in einem Konsortium zusammen mit dem Bayernwerk auch eine Verbesserung des Ladepunkt-Angebots einhergehen wird. Ausgeschlossen wäre das nicht – zumindest auf dem Papier. Denn der Firmenzweck der Neugründung wird so formuliert: „Konzeption, Planung, Erstellung und Betrieb von Anlagen zur Erzeugung, Verteilung und Speicherung regenerativer Energien im Landkreis Ebersberg.“ Dazu würden per Definition auch neue Ladepunkte gehören.

„Das Entscheidende sind nicht die öffentlichen Tankstellen, wenn es dort mehr kostet, als es zuhause kosten würde“, lässt Gröbmayr ahnen, dass die zusätzlichen Aufladestationen offensichtlich nicht die oberste Priorität haben werden bei den neu gegründeten Holding.

Der Siegeszug des Verbrennungsmotors ist zwar hauptsächlich dem Bedürfnis der Menschen nach immer mehr Mobilität geschuldet. Dieses Bedürfnis könnte auch mit Elektrofahrzeugen befriedigt werden. Der Verbrennungsmotor aber war deswegen so unglaublich erfolgreich, weil das Netz an Tankstellen mit der Zunahme an Fahrzeugen spielend fertig wurde, sieht man einmal von der Pionierzeit der Automobilisten ab, die ihren Sprit zum Teil in Apotheken holten. Das aktuelle Ladenetz hingegen ist viel zu weitmaschig gestrickt, nimmt man es denn mit den Anstrengungen gegen den Klimawandel ernst. Erst vor kurzem waren zwei Elektroscooter der Post im Landkreis Traunstein auf dem Rückweg zu ihrer Station liegen geblieben. Ein solcher Elektro-Lieferwagen war auch im Kreis Ebersberg zu Werbezwecken aufgestellt worden. Sind sie wirklich praxistauglich?

Fahrer von Elektroautos im Landkreis Ebersberg berichten bei den Minustemperaturen der vergangenen Woche von Reichweiten von unter hundert Kilometern. Das ist selbst für einen hartgesottenen E-Auto-Fan zu wenig. Der Strom in der Batterie geht drauf nicht nur für den Antrieb mit beträchtlichem Drehmoment, sondern auch für Beleuchtung, Innenraumheizung und auch für die Erwärmung der Batterie, deren Kapazität arg unter den Minusgraden leidet. „Ich habe zum Schluss die Heizung nicht mehr angemacht“, berichtet ein Betroffener frostig aus seiner täglichen Pendlerpraxis.

„Wir setzen mehr auf halböffentliche Ladepunkte“, sagt Gröbmayr. Wie soll das aussehen? Der Klimaschutzmanager nennt ein Beispiel: Eine Firma in Ebersberg zum Beispiel installiert Ladepunkte für ihre Mitarbeiter. Die könnten dann öffentlich angeboten werden, wenn die Mitarbeiter gerade selbst nicht ihr Fahrzeug aufladen. Das ähnelt zwar der Entwicklung des konventionellen Tankstellennetzes. Denn auch dort haben die Autofahrer die Infrastruktur selbst finanziert durch den Kauf von Treibstoff über den von ihnen erzielten Erlös. Entscheidend war jedoch, dass der Treibstoff überall zu haben war. Dass es damit im Landkreis Ebersberg nicht weit her ist, zeigt ein Blick auf die Internetseite e-tankstellen-finder.com. Dort können Nutzer eine Bewertung hinterlassen und die fällt zum Teil deutlich aus: „Katastrophe. Lädt kurz und fällt kurze Zeit später aus oder geht von Haus aus nicht. Das hemmt den Fortschritt“, heißt es etwa über den Ladepunkt am Bahnhof in Ebersberg. Im Bereich der Stadt Grafing wurde jetzt eine Reihe von neuen Ladepunkten in Betrieb genommen. Die sind aber erst seit Kurzem in Betrieb und haben deshalb noch keine Verbraucherbewertungen auf der Internetseite.

Rubriklistenbild: © Plettenberg

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