Ebersberg im Lockdown: Leere Eisbecher der nahen Eisdiele in einem Mülleimer am Marienplatz.
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Ebersberg im Lockdown: Leere Eisbecher der nahen Eisdiele in einem Mülleimer am Marienplatz.

So kommen die Firmen durch die Pandemie

Ebersberger Selbständige: „Einige stellen die Sinnfrage“

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Wie kommen die örtlichen Gewerbetreibenden durch die anhaltende Pandemie-Krise? Der Ebersberger Finanzausschuss wollte dieser Frage genauer nachgehen und hatte sich dazu den Vorsitzenden des Bund der Selbständigen, Stephan Scharnagl, eingeladen.

Ebersberg - Der Darstellung von Stephan Scharnagl nach ist die aktuelle Situation sehr inhomogen. Es gibt Krisengewinnler, welche die es gerade noch so schaffen, und es gibt unübersehbare Ermüdungserscheinungen, besonders in einer Branche: der Gastronomie.

Handwerk hat volle Auftragsbücher

Jede politische Gestaltung hat eine Voraussetzung: Das Geld dafür muss vorhanden sein und stammt zum Großteil von den Gewerbesteuerzahlern. Deshalb ist es nicht egal, wie die Gewerbetreibenden durch die schwierige Pandemie-Zeit kommen. Einige schaffen das erstaunlich gut. „Handwerker und bauwirtschaftsnahes Gewerbe“ haben „volle Auftragsbücher“ berichtete Scharnagl. Das habe die Stadt selbst schon zu spüren bekommen, bestätigte Bürgermeister Ulrich Proske. Für kleinere Gewerke sei „nur mit Mühe und Not“ ein Auftragnehmer zu finden. Dabei gehören Kommunen zu den zuverlässigsten Zahlern überhaupt.

Scharnagl berichtete, dass viele Bürger die derzeitige Situation zu Sanierungen an ihren Gebäuden nutzen würden. Besonders auch Firmen, die die Möglichkeiten des Internethandels nutzten, kämen gut durch die Krise. Dafür gebe es in Ebersberg ein erfolgreiches Beispiel. Die Bandbreite in der Kreisstadt sei groß, die Unternehmen sehr verschieden. Es gebe welche, die alle Tools nutzen würden und wiederum welche „die zu mir sagen: Komm vorbei, dann mach’ ich das Fenster auf und wir ratschen darüber.“

Das sind die Verlierer der Pandemie

Der Vorsitzende des BDS berichtete sprach aber auch von Verlierern. Zu denen gehörten zum Beispiel diejenigen Betriebe, die Kantinen beliefern. Da seien Metzgereien dabei. „Die haben Einbrüche“, so Scharnagl. Nach anfänglicher Niedergeschlagenheit habe sich die Gastronomie zuerst aufgebäumt und mit viel Optimismus ein „Take-Away“-Angebot auf die Beine gestellt. „Das lässt wieder nach“. Es gebe „einige, die die Sinnfrage stellen.“ Alle Gewerbetreibenden müssten mit „überraschenden und unkalkulierbaren Rückschlägen“ rechnen.

Stadt will Fragebogenaktion starten

„Es ist wichtig, dass es den innerstädtischen Unternehmen gut geht“, meinte Susanne Schmidberger (Grüne). Um das weiter zu ermöglichen, müsse jetzt bereits über eine „strategische Wirtschaftsförderung nach Corona“ nachgedacht werden, sagte Scharnagl. Um sich ein Bild zu machen von den aktuellen künftigen Bedürfnissen der Gewerbetreibenden in der Stadt wird demnächst eine Fragebogenaktion gestartet. Scharnagl sprach dabei ein konkretes Problem an: Es gebe zunehmend keinen mehr, der einen für ihn bezahlbaren Wohnraum finde, wenn er zum Beispiel als Bäckereifachverkäufer arbeite.

Stefan Scharnagl, Chef des Bund der Selbständigen, Ebersberg.

Im Finanzausschuss klang eine weitere Möglichkeit an, wie das Gewerbe in der Stadt der Krise begegnen könne. Es müsse Kaufkraft von außerhalb in der Stadt gebunden werden. In der Sitzung wurde dazu ein interessantes Beispiel behandelt.

Neues Angebot: Wash@work

In der Kreisstadt soll es bald ein neues Angebot geben unter dem Titel „Wash@work“. Die Idee dahinter: Während ein Pendler seinen Wagen am Volksfestplatz oder auf einer Parkfläche am Bahnhof abstellt und sich an seinem Arbeitsplatz aufhält, wird sein Auto gewaschen, gesaugt, innengereinigt und außerdem liegen bei der Rückkehr des Pendlers zu seinem Wagen die Einkäufe für den täglichen Bedarf bereits in seinem Kofferraum. Die Stadt will diese Geschäftsidee aufgreifen, sie unterstützen aber auf Vorschlag von Hans Hilger darauf achten, das die Einkäufe nach Möglichkeit in örtlichen Geschäften getätigt werden. Damit die Kaufkraft im Ort bleibt.

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