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Timm Engelhardt (links) und Marcus Dieter bei einer mikrochirurgischen Operation mit dem neuen OP-Mikroskop, hier an der Hand.  

Neues Mikroskop macht es möglich

Erfolg an der Kreisklinik Ebersberg: Erstmals Muskelgewebe verpflanzt

Dank der Anschaffung eines neuen Operationsmikroskops konnte Timm Engelhardt, seit einem Jahr Chefarzt der Plastischen Chirurgie in der Kreisklinik Ebersberg und Spezialist für Mikrochirurgie, erstmals eine komplexe plastisch-rekonstruktive Transplantation durchführen.

Ebersberg – Beim Sturz von der Leiter hatte sich ein 77-Jähriger einen komplizierten Unterschenkelbruch mit Beteiligung des Sprung- und Kniegelenks zugezogen. Sieben Tage nach der erfolgreichen unfallchirurgischen Operation, bei der die Fraktur optimal eingerichtet und mit Metallplatten fixiert worden war, stellte sich heraus, dass eine große Wunde am Unterschenkel nicht zuheilte. Sie war durch die starke Anschwellung des Beines nach dem Unfall entstanden.

„Knochen, Sehnen und Metallplatten waren sichtbar, und es bestand ein erhöhtes Risiko für Infektionen bis hin zu einer Knocheneiterung sowie für ein Absterben von Körpergewebe“, erläutert Engelhardt. Nach vielen Gesprächen mit dem Patienten, den Angehörigen und Anästhesisten entschied man sich für eine plastische Haut-Weichteil-Rekonstruktion. Aus dem Oberschenkel des gesunden Beines wurde Muskelgewebe entnommen und zum kranken Unterschenkel transplantiert, wobei die feinen Blutgefäße unter dem OP-Mikroskop miteinander verbunden wurden. Der Gefäßdurchmesser beträgt kaum mehr als der einer Nähnadel; die Nähte sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Anschließend wurde das transplantierte Gewebe mit Haut bedeckt, die ebenfalls dem gesunden Oberschenkel entnommen worden war.

Der siebenstündige Eingriff verlief erfolgreich. Zwei Tage lang wurde der Patient auf der Intensivstation überwacht, stündlich prüften die Ärzte den Blutfluss durch die neuen Gefäßverbindungen. Als es keine Komplikationen gab, konnte der Patient am dritten Tag auf eine normale Station verlegt und mobilisiert werden. Drei Wochen später verließ der Mann mit Gehhilfen die Klinik, optimistisch, bald wieder gut laufen zu können.

„In großen Kliniken sind solche Eingriffe längst Standard“, berichtet Engelhardt, der im Universitätsklinikum Großhadern und in der Innsbrucker Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie mehr als 100 Operationen dieser Art durchgeführt hat. „Dass sie nun auch in der Kreisklinik Ebersberg möglich sind, ist für die Patienten hervorragend und bringt uns auf Augenhöhe mit den großen Häusern.“

Der Vorteil einer Haut-Weichteil-Transplantation sei, dass sie den Heilungsprozess großflächiger, tiefer Wunden beschleunige, und dass der Patient früher als bisher in seinen Alltag zurückkehren kann. Zudem senke sie das Risiko für die Bildung von Ödemen, die Stoffwechselprozesse würden angeregt, die Funktionen von Körperteilen und die Beweglichkeit ließen sich besser erhalten. „Alternativ kann bei tiefen Wunden ohne freiliegende Strukturen eine Vakuum-Therapie erfolgen. Dabei wird die offene Wunde mit einem Verband luftdicht verschlossen und ein Unterdruck erzeugt, damit über eine Drainage Wundsekret und Blut abfließen können. Der Nachteil ist die Bildung von großflächigem Narbengewebe, was dazu führen kann, dass Teile des Beines steif bleiben.“ Das neue Transplantationsverfahren hat damit großes Potential, auch die Behandlungsmöglichkeiten in den anderen operierenden Fachabteilungen der Kreisklinik zu ergänzen und zu erweitern. 

Sybille Föll

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