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Die Feuerwehr Aßling musste Teile eines Balkons dieses Hauses entfernen, um eine Person aus dem ersten Stock zu retten. Unterstützung erhielten die Aßlinger von den Grafinger Kollegen, die mit ihrer Drehleiter angerückt waren. 

Feuerwehreinsatz in Aßling

Kranker zu schwer – Balkon muss weg

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Die Menschen werden immer schwerer, das bereitet Lebensrettern von Feuerwehr und Rotem Kreuz Probleme - wie ein aktueller Fall aus Aßling zeigt.

Landkreis - Dass das Retten von übergewichtigen Personen nicht umsonst geübt wird, zeigt ein Einsatz, den die Freiwillige Feuerwehr Aßling absolviert hat. Der Bericht dazu liest sich so: „In der Nacht zum Samstag gegen 1 Uhr galt es, eine erkrankte Person aus einer misslichen Lage zu befreien. Da es nicht möglich war, diese auf normalem Weg in den Rettungswagen zu bringen, musste der Balkon der Doppelhaushälfte entfernt werden. Der Einsatz zog sich bis in die frühen Morgenstunden.“

Nachbarschaftshilfe leistete dabei die Grafinger Feuerwehr, denn die hat eine Drehleiter. An deren Ende ist eine Aufnahme für eine Krankentrage befestigt, aber auch die hat ihre physikalichen Grenzen, ebenso wie die Belastbarkeit der Drehleiter selbst. Den Abtransport übernahm in Aßling ein Rettungswagen der Berufsfeuerwehr München. Das Schwerlastrettungsfahrzeug, das in Erding stationiert ist, sei in dieser Nacht schon im Einsatz gewesen, berichtet Kreisbrandrat Andreas Heiß.

Kommen solche Fälle also öfter vor? „Ich kann keine genauen Zahlen nennen, aber ein bis zwei mal im Monat bestimmt“, überlegt Heiß nach der Anzahl befragt. Es gebe immer wieder Situationen, in denen Personen im Einsatz nicht über das Treppenhaus abtransportiert werden können, und das habe manchmal nicht so sehr mit dem hohen Gewicht, sondern auch mit dem Zustand des Patienten zu tun. Es gebe zwar Möglichkeiten mit einem Bergetuch, aber das sei weniger patientenschonend.

„Das ist manchmal schon ein Knochenjob“, sagt Uli Proske, Kommandant der Ebersberger Feuerwehr, die ebenfalls über eine Drehleiter verfügt. „Es kommt immer öfter vor“, berichtet er von Einsätzen, bei denen schwergewichtige Personen nicht mehr aus eigener Kraft von den Obergeschossen ins Erdgeschoss gelangen können. „Je höher, umso schwieriger wird es“, so Proske. Aber: „Das gehört bei uns zur Standardausbildung. Das kann jeder von uns.“ Manchmal seien die Treppenhäuser oder Brüstungen jedoch so schmal, dass zeitenweise nur zwei Personen zum Tragen eingesetzt werden können. Das ist selbst den kräftigsten Feuerwehrlern zu schwer.

Allerdings wird sogar die Rettung mit der Drehleiter manchmal zur unüberwindlichen Hürde. Das Gewicht des Patienten addiert sich zum Eigengewicht der Schwerlastrettungstrage, und wenn dann noch medizinisches Gerät – zum Beispiel zur Beatmung – dazukomme, könne auch eine Grenze erreicht werden. Proske kennt Bilder, bei denen Patienten „in der Schaufel eines Radladers“ aus einem Obergeschoss geholt worden seien, weil es keine andere Möglichkeit mehr gab.

Ein langgedienter Aßlinger Feuerwehrmann kann sich an einen solchen Fall erinnern, der sich in der Landeshauptstadt zugetragen hat. Da musste im Obergeschoss eines Gebäudes das Mauerwerk unter einem Fenster bis zum Boden aufgebrochen werden. Anschließend wurde ein seitlich geöffneter Baucontainer mittels eines mobilen Krans hochgehoben, in dem sich ein Krankenbett befand, das für schwergewichtige Patienten ausgelegt war. Der Baucontainer wurde an das Haus angedockt, die Rettungskräfte konnten das Bett ins Zimmer und mit dem Patienten wieder zurück in den Container schieben, der dann langsam abgelassen werden konnte.

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