Aus dem Gerichtssaal

Gehörnter Freund prügelt Liebhaber über den Balkon

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Ebersberg - Schmerzhafte Begegenung mitten in der Nacht: Weil er seine Freundin nackt mit einem anderen Mann im Bett gefunden hat, rastete der Mann total aus. 

Es gibt angenehmere Arten aufzuwachen, als um vier Uhr morgens mithilfe einer Taschenlampe aus dem Schlaf geprügelt zu werden. Wenn man dann, als Mann, noch ein Knie zwischen die Beine gerammt bekommt und begleitet von Todesdrohungen vom Balkon aus dem ersten Stock springen muss, ist das äußerst unangenehm.

Zu einem solchen Erlebnis, das sich so im nördlichen Landkreis zugetragen hat, gab es, wenig überraschend, ein Nachspiel. Und zwar vor dem Amtsgericht in Ebersberg.

Angeklagt war ein arbeitsloser Sportwissenschaftler (38), der dem Liebhaber seiner Lebensgefährtin die erwähnte Behandlung zukommen hatte lassen. Er hatte die beiden in flagranti erwischt: Als er nachts aus dem Urlaub heimkam, fand er seine Freundin in der gemeinsamen Wohnung neben einem Fremden im Bett – beide nackt.

Obwohl die Beziehung schon länger in der Krise und die baldige Trennung bereits ausgemacht war, „ist bei mir eine Welt zusammengebrochen“, schilderte der Angeklagte mit zittriger Stimme. Als „wahnsinnige Demütigung“ habe er den Anblick im Schlafzimmer empfunden, weshalb er völlig ausrastete. Auch die Frau bekam dabei eine Ohrfeige sowie wüste Beschimpfungen ab.

Sein Widersacher durfte sich wenigstens anziehen, bevor der gehörnte Hausherr ihn über den Balkon davonjagte. Doch trug das Opfer eine Platzwunde an der Stirn, eine Schädelprellung, Schürfwunden und weitere Prellungen durch den Sturz sowie erhebliche Unterleibsschmerzen davon.

Seine Schuld gestand der Angeklagte widerspruchslos ein, weshalb weder die Frau, noch ihr Bettgenosse aussagen mussten. „Es tut mir wirklich leid, es ist katastrophal, was in den paar Minuten passiert ist“, versuchte sich der Mann gar nicht erst vor der Verantwortung zu drücken.

Zudem hatte er sich bereits kurz nach der eskalierten Nacht im September bei seiner, nun ehemaligen, Lebensgefährtin entschuldigt und ihr 500 Euro Wiedergutmachung bezahlt. Auch bei seinem Hauptopfer wollte er sich entschuldigen sowie 1500 Euro übergeben, der Mann lebt jedoch inzwischen im Ausland und war nicht zu erreichen. „Da hat es bestimmt den Verkehrten getroffen“, bekannte der Angeklagte zerknirscht.

Vielmehr müsse seine Ex-Partnerin das Zusammentreffen „bewusst gesteuert haben“, sie habe schließlich gewusst, wann er aus dem Urlaub zurückkommen wollte.

„Ich würde es gerne rückgängig machen, doch das geht leider nicht. Darum werde ich die Strafe so akzeptieren, wie sie ausfällt“, lautete das Schlusswort des nicht vorbestraften 38-Jährigen. Richterin Vera Hörauf nahm dem Mann zwar seine Reue ab und honorierte auch die (versuchte) Wiedergutmachung.

Dennoch muss der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung 120 Tagessätze à 25 Euro Strafe bezahlen, macht in der Summe 3000 Euro. Besonders schmerzhaft: Da eine Strafe dieser Höhe im Führungszeugnis vermerkt wird, kann der Mann sein bisheriges Ehrenamt wohl nicht mehr ausüben und wird es schwer haben, wieder eine Stelle zu finden.

Rubriklistenbild: © dpa

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