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Zum nächsten Verhandlungstag ordnete Richter Markus Nikol die polizeiliche Vorführung eines Zeugen an, der einfach nicht zur Verhandlung erschien.

Wichtiger Zeuge abgetaucht

Zerbrochene Liebe im Drogensumpf

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Eine zerbrochene Liebe lässt einen regelrechten Drogensumpf in den Landkreisen Erding und Ebersberg auffliegen. Oder auch nicht, denn die Geschichte hat einen Schönheitsfehler: Der wichtigste Zeuge ist abgetaucht.

Landkreis – Den Anfang nimmt das Drama mit einem Vater, der kurz nach der Geburt seines Kindes aus dem Krankenhaus fliegt, weil er sich mit der Mutter bitterlich zerstritten hat. Aus der im Sommer 2015 zerbrochenen Beziehung resultiert eine ganze Prozess-Serie, die nun ihren Auftakt vor dem Amtsgericht Ebersberg genommen hat. Nicht etwa um Sorgerecht oder Unterhalt geht es dabei, sondern um Drogen.

Eine Aussage stößt zahlreiche Gerichtsverfahren an

Denn Manuel N. (alle Namen geändert), der geschasste Freund, hat seine Ex-Lebensgefährtin, die Mutter seines Kindes, angezeigt: Angelica S. soll von ihrer Wohnung im nördlichen Landkreis Ebersberg aus mit großen Mengen Marihuana gehandelt haben. Bei seiner Anzeige nannte der Mann außerdem einen ganzen Schwung Namen; Leute, die die Frau mit der Droge beliefert oder sie von ihr gekauft haben sollen. Es folgten Ermittlungen und Hausdurchsuchungen, nun sind laut Staatsanwalt zahlreiche Gerichtsverfahren offen.

Weshalb der Streit des Paars damals ausgerechnet auf der Geburtenstation eskalierte, ist bis jetzt noch offen. Genau wie viele andere Fragen, die das Ebersberger Schöffengericht in den ersten Prozessen gegen zwei mutmaßliche Drogenlieferanten gerne geklärt hätte. Denn der wichtigste Zeuge fehlt: Manuel N., der mit seiner Aussage die Prozess-Serie ins Rollen gebracht hat, ist untergetaucht.

N. war plötzlich auf einer Polizeiinspektion im Rheinland, wo er offenbar mittlerweile lebt, aufgetaucht. Zähneknirschend habe er die Drogen-Deals seiner damaligen Freundin Angelica S. toleriert. Weil diese aber während der Schwangerschaft selbst stark konsumiert und deshalb die Gesundheit des Kindes gelitten habe, wolle er nun reinen Tisch machen. So gab die als Zeugin geladene Polizeibeamtin die Aussage des Mannes wieder. Dabei habe dieser aber nicht den besten Eindruck hinterlassen: „Es kam sehr genau raus, dass er das anzeigt, weil er nicht an sein Kind kommt.“ Der Mann habe „sehr verweichlicht“ und „ein bisschen wichtigtuerisch“ gewirkt, so die Polizistin.

Angeklagter: “Das ist einfach nur frei erfunden“

Den beiden an diesem Prozesstag angeklagten Männern kam diese Einschätzung sehr zupass: „Das ist einfach nur frei erfunden“, sagte ein 32-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Ebersberg aus, ebenfalls ein ehemaliger Lebensgefährte der Kindesmutter. Ihn hatte N. bezichtigt, über fast ein Jahr enorme Mengen Marihuana an Angelica S. verkauft zu haben – im Zwei-Wochen-Rhythmus habe er jeweils 200 Gramm geliefert. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei zwar eine Kleinstmenge Amphetamine, aber „nichts, was auf Marihuana hindeutet“, wie der ermittelnde Beamte der Kripo Erding aussagte.

Ähnlich verhielt es sich mit dem zweiten Angeklagten, einem arbeitslosen Paketfahrer (32) aus Erding. Laut Anzeige habe dieser Angelica S. einen 10-Liter-Eimer voller Cannabis-Blüten zum Kauf angeboten. „Ich gehe davon aus, dass er die Anzeige gemacht hat, um das Sorgerecht für das Kind zu kriegen“, vermutete der Erdinger, der den Vorwurf vehement bestritt. Bei ihm hatte die Polizei als „Beifang“ zwei verbotene Waffen, Nunchaku-Würgehölzer, gefunden, jedoch nichts, was auf Drogen hindeutete.

Den abgetauchten Zeugen soll nun die Polizei vorführen

In beiden Prozessen endete die Verhandlung ohne Urteil. Diese sollen Ende Februar folgen. Dann muss sich am selben Tag auch Angelica S. den Vorwürfen stellen. Bei ihr waren bei einer Hausdurchsuchung fünf Gramm Marihuana sichergestellt worden, bei ihrer Mutter wurden außerdem 20 Gramm gefunden. „Etwas, das auf Handel hindeute, konnte aber nicht nachgewiesen werden“, erklärte der zuständige Drogenfahnder.

Mehr Erkenntnisse soll nun die Aussage des geheimnisvollen Zeugen Manuel N. bringen. Er muss wegen seines Nichterscheinens vor Gericht bereits ein Ordnungsgeld von 300 Euro berappen. Das bleibt ihm für den kommenden Prozesstag wohl erspart: Richter Markus Nikol ordnete auf Antrag der Münchner Staatsanwaltschaft noch im Gerichtssaal die polizeiliche Vorführung des Zeugen zur nächsten Verhandlung an.

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