+
Mit dem Elektro-Transporter durch Ebersberg: Klimaschutzmanager Christian Siebel und Marcel Nunez. 

Elektromobilität im Landkreis Ebersberg

Nach Semmellieferung Auto aufladen

Elektromobilität und Transportwesen: Verträgt sich das überhaupt? Die Stadt Ebersberg wagt einen Versuch.

Ebersberg Gewerbetreibende und Bürger konnten vor dem Rathaus zwei rein elektrisch betriebene Kleintransporter besichtigen und ausprobieren. Aufgetankt wurde über Nacht an der Ökostrom-Ladesäule am P+R Parkplatz am S-Bahnhof.

Am Infostand konnten zwei StreetScooter der Deutschen Post AG besichtigt werden, ein Beraterteam stand Rede und Antwort am Marienplatz. Zahlreiche Firmen und Einzelpersonen nutzten die Gelegenheit, mit den fast geräuschlosen Fahrzeugen in und um Ebersberg Ihre Runden zu drehen.

Später am Nachmittag traf sich eine kleinere Runde Interessierter zu einer Infostunde vor dem Rathaus. Josef Riedl, Dritter Bürgermeister der Stadt Ebersberg, begrüßte die Anwesenden. Es sei der Stadt ein wichtiges Anliegen „jegliches Engagement der Hersteller im Bereich der Elektromobilität mit vergleichbaren Aktionen zu unterstützen“.

Klimaschutzmanager Christian Siebel berichtete, was die Stadt bereits unternimmt und plant, die E-Mobilität in Ebersberg weiter auszubauen. Die Stadt fördert Elektroautos mit zwei kostenfreien Ökostrom-Ladepunkten am P+R-Parkplatz am S-Bahnhof und einem besonderen Fahrzeug-Ausweis für kostenfreies Parken im gesamten Stadtgebiet. Darüber hinaus nutze die Stadt selbst einen eigenen Elektro-PKW. Zusätzlich solle die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Das Ziel sei eine möglichst gut abgestimmte Karte potenzieller Standorte und ein gemeinsamer Standard bei der Ladetechnik, sodass man als Fahrer eines E-Fahrzeugs möglichst einfach über die Stadtgrenzen hinweg im gesamten Landkreis Strom tanken könne.

Viel mehr als die Aktivitäten lokaler Behörden sind es aus Sicht von Siebel aber vor allen Dingen die privaten Projekte, die rasche Fortschritte auf dem Gebiet der E-Mobilität bringen könnten. „Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: schaffen Sie in Ihrem Betrieb Lademöglichkeiten für Ihre Mitarbeiter oder sehen Sie bei Ihren Bauvorhaben künftige Kapazitäten für E-Ladepunkte vor!“ ermutigt Siebel die Anwesenden.

Gleichzeitig würde die Stadt auch weiterhin „vor ihrer eigenen Haustüre kehren“ so Siebel: Noch vor wenigen Jahren habe es im Bereich der Kleintransporter, die die Stadt beispielsweise für Hausmeistereinsätze oder am Bauhof einsetze, keine passende Elektro-Alternative zu den etablierten Verbrenner-Modellen gegeben. Inzwischen habe sich die Situation geändert. Die Stadt prüfe daher die Möglichkeiten, elektrisch angetriebene Transporter für die eigenen Betriebe einzusetzen und erwäge hierbei Lösungen verschiedener Anbieter.

Nicht nur für Kommunen seien derartige Fahrzeuge interessant, glaubt Siebel. Auch lokale Betriebe könnten über einen Umstieg auf die wartungsarme Elektro-Technologie nachdenken. Hierzu hatte er einen Tipp parat: Bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern sei ein Beraterteam ausgebildet worden, das Betriebe bei der Etablierung von E-Fahrzeugen in der eigenen Fahrzeugflotte bereits erfolgreich unterstützt. Einen entsprechenden Kontakt erhalten interessierte Unternehmen beim Klimaschutzmanager der Stadt.

Ein Beispiel, wie es gut gehen kann, findet sich bei Bäckereibetrieben. Backwaren werden früh morgens ausgefahren und schon am Vormittag stehen die Fahrzeuge deshalb meist wieder beim Betrieb und könnten dann über eine eigene Solaranlage tagsüber geladen werden. „So verbindet man ökologische und ökonomische Vorteile. Denn der selbst produzierte Strom ist deutlich günstiger als Strom vom Energieversorger und mit steigender Eigenverbrauchsquote wird die PV-Anlage wirtschaftlicher. Außerdem sind E-Fahrzeuge gegenüber fossil betriebenen Fahrzeugen sparsamer unterwegs“, meint Bärbel Zankl von der Energieagentur Ebersberg-München.  ez

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mittelstand kämpft mit Wohnungsnot
Inzwischen muss oft der ganz normale Mittelstand schon Sorge haben um seine Wohnung. So geht es nicht weiter, sagt die Caritas.
Mittelstand kämpft mit Wohnungsnot
Kleber im Türschloss
Die Geschädigte musste mit zugeklebtem Türschloss nach Polen fahren. Sie sprach von „Ausländermobbing“.
Kleber im Türschloss
Poinger werden noch mehr
Die Gemeinde Poing wird im Jahr 2033 gut 22 000 Einwohner haben. Das prognostiziert eine neue Studie. Etwa 2000 Bürger mehr, als bislang angenommen.
Poinger werden noch mehr
FDP fordert neue Polizeistation für den Landkreis
Braucht der Landkreis Ebersberg mit seiner ständig wachsenden Bevölkerung eine neue polizeistation? Die Freien Demokraten fordern das.
FDP fordert neue Polizeistation für den Landkreis

Kommentare