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So manch ein Hahn kann ganz schön aggressiv werden. In Egmating attackierte ein Gockel einen Mann. Der Fall landete jetzt vor dem Oberlandesgericht.

Zimmermann stürzte schwer

Nach Gockel-Attacke: “Ich kann nicht mal mehr einen Bierkasten hochheben“ 

Ein Mann flüchtet vor einem Hahn und stürzt. Er verklagt dessen Besitzer. Nun hat sich das Oberlandesgericht mit dem Fall befasst. 

Egmating – Jenen Sommertag im Jahr 2013 wird Albrecht R. wohl nie mehr vergessen. Damals arbeitete er in Egmating im Landkreis Ebersberg als Bauaufseher. An sich auf dem Land nichts Ungewöhnliches. Auf einem angrenzenden Grundstück durften sich Hühner und die dazugehörigen Gockel frei bewegen. Doch ein Hahn war nach Aussagen des Oberbayern äußerst kampflustig, griff den Mann am frühen Morgen an.

Beim Versuch, sich vor dem aggressiven Tier in Sicherheit zu bringen, stürzte der 53-Jährige – Albrecht R. verletzte sich schwer, gar an einem Lendenwirbel. Im Anschluss war er mehrfach wochenlang im Krankenhaus. „Das ist kein Spaß, wenn einen ein Gockel plötzlich aus dem Busch anspringt“, sagte der Mann. Er habe sich nur mit knapper Not und unter massivsten Schmerzen überhaupt in das Haus eines Nachbarn retten können.

Anwohnerin ruft die Polizei: Zwerggockel terrorisieren Nachbarschaft in Geretsried (merkur.de)

Auch nach viereinhalb Jahren sei er wegen des Vorfalls in ärztlicher Behandlung. Er sei noch immer in Physiotherapie. Seine Arbeitszeit musste der Mann nach dem Gockel-Angriff verringern – ließ sich sogar in den Innendienst versetzen.

Der 53-Jährige, der in der Vergangenheit zwei Jahrzehnte als Zimmermann gearbeitet hat, sagt, er habe noch immer Schmerzen, könne zudem nicht schwer tragen. „Ich kann nicht einmal einen Bierkasten hochheben“, sagt er.

Ein Gockel soll einen gelernten Zimmermann so aggressiv angegangen haben, dass sich dieser schwer verletzte.

Deshalb klagte er gegen die Halter des aggressiven Hahns. Das Landgericht München sah die Klage in erster Instanz teilweise als begründet an, hatte den Besitzer Johann H. unter anderem zu 10.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Das Gericht stellte zudem fest, dass die Beklagten verpflichtet sind, dem Kläger sämtlichen materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen.

Kampfeslustiger Gockel wurde nach Attacke geschlachtet

Die Beklagten hatten eingeräumt, dass Hühner und Hahn auf ihrem Grundstück frei herumliefen – wie in der Gegend üblich. Dass aber ausgerechnet ihr Hahn den Sturz und die Verletzungen verursacht haben soll, sei nicht belegt. Es gebe viele Möglichkeiten, wie der Kläger gestürzt sein könnte.

Das Opfer hatte in der ersten Instanz mindestens 30.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld sowie einen teilweisen Verdienstausfall gefordert und ging deshalb in Berufung. Obwohl Teile des Falls skurril wirken, war gestern vor dem Oberlandesgericht niemand zum Lachen zumute. Der Richter signalisierte schnell, dass auch er eine höhere Zahlung für angemessen halte.

Nachbar beschwert sich über Gockel: Brucker Tierbesitzer hat daraufhin eine kreative Idee

Am Ende einigten sich Kläger und Beklagter auf einen Vergleich von rund 27.500 Euro – zusätzlich zu den 10.000 Euro Schmerzensgeld. Albrecht R. sagt nach Ende des Gerichtstags auf die Frage, ob er zufrieden sei, mit dem Urteil: „Das wird die Zeit zeigen.“ Für den Übeltäter nahm der Streit übrigens kein gutes Ende – der aggressive Hahn wurde geschlachtet. „Es gibt keine Hühner und keinen Hahn mehr auf dem Hof“, sagt der Anwalt von Johann H.

Im Frühling des vergangenen Jahres krähten in aller Herrgottsfrühe am Geretsrieder Johannisplatz zwei Gockel und weckten die ganze Nachbarschaft. Was daraufhin passierte.

Video: Hier werden Kampfhähne gezüchtet 

Tobias Lill/Video: Glomex

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