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Ebersberg bekommt Gräberfeld für Muslime

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Von: Michael Seeholzer

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Eine Rose blüht am neuen Friedhof in Ebersberg. Hier soll ein Gräberfeld für Muslime enstehen.
Eine Rose blüht am neuen Friedhof in Ebersberg. Hier soll ein Gräberfeld für Muslime enstehen. © Rossmann

Im Tod sind alle Menschen gleich, aber auf ihrem letzten Weg auf Erden sind sie es nicht. Muslimische Bestattungsriten sind anders als christliche. Ein großer Unterschied dabei: Es fehlt der Sarg. Er wird durch Leichentücher ersetzt. Da gab es manchmal Probleme.

Ebersberg - Am 1. April 2021 hat der Freistaat Bayern deshalb eine neue Bestattungsverordnung in Kraft gesetzt, die den Kommunen in dieser Frage freie Hand gibt. Die SPD-Fraktion brachte im Ebersberger Sozialausschuss den Antrag ein, sarglose Bestattungen zu ermöglichen. Bürgermeister Ulrich Proske soll deshalb Gespräche mit den Kirchen im Stadtgebiet aufnehmen und auf Anregung von Dominic Mayer (Pro Ebersberg) auch mit der Muslimischen Gemeinde in Kirchseeon. Der Beschluss dazu war einstimmig.

Grüne: Integration über den Tod hinaus

Hintergrund des Antrags: Muslime wollen keinen Sarg, sondern werden zur Bestattung in Leichentücher gehüllt. Außerdem müssen sie unmittelbar vor der Beerdigung rituell gewaschen werden. „Am alten Friedhof sehe ich da keine Möglichkeit“, überlegte Proske in der Diskussion. Außerdem: Die Muslime bräuchten wohl ein eigenes Gräberfeld, weil sie nicht kreuz und quer liegen können, wie ihre christlichen Brüder, sondern mit dem Blick Richtung Mekka. Darauf wies Marina Matjanovski (CSU) hin. Die Stadt wird das prüfen und will es auch ermöglichen. Die CSU-Stadträtin erinnerte zudem daran, dass viele nicht für ihre Beerdigung in ihre alte Heimat überstellt werden könnten und deshalb hier beerdigt werden müssten. Dem pflichtete Petra Behounek (Grüne) bei. „Integration geht über den Tod hinaus“, meinte sie.

Wichtig sei, dass eine würdevolle Bestattung ermöglicht werde und dass sie hygienisch einwandfrei sei. Das war im Sozialausschuss Konsens. „Auf dem neuen Friedhof werden künftig immer mehr verschiedene Religionen aufeinandertreffen. Wir sollten die Rituale der Muslime vor Ort unterstützen“, so Matjanovski.

Keine Grabsteine aus Kinderarbeit

Nicht unterstützen will der Sozialausschuss künftig, dass auf dem Ebersberger Friedhof Grabsteine aufgestellt werden, für deren Herstellung Kinder arbeiten mussten. Diesen Antrag brachten die Grünen ein. Die Friedhofssatzung der Kreisstadt soll entsprechend geändert werden. „Grabsteine und Grabeinfassungen aus Naturstein dürfen nur aufgestellt werden, wenn sie ohne schlimmste Formen von Kinderarbeit hergestellt worden sind“, wurde in dem Antrag gefordert, der einstimmig angenommen wurde. Zuvor allerdings gab es auch kritische Anmerkungen. Martin Schedo (CSU) monierte, dass das ein Antrag sei, „der auf das heimische Handwerk losgeht“, aber eigentlich gehe es dabei um den deutschlandweiten Import. Wie Proske nämlich informierte, würden inzwischen 80 Prozent aller Grabsteine aus Indien kommen. Und Stadtrat Toni Ried (FW) wies darauf hin, dass die Zertifikate, mit denen diesen Steinen bescheinigt wird, dass sie ohne Kinderarbeit entstanden sind, ebenfalls aus Indien kämen. Was diese also wert seien, müsse jeder selbst beurteilen, so Ried sinngemäß.

Bevor die Diskussion an dieser Stelle richtig Fahrt aufnehmen konnte, wies der Bürgermeister darauf hin, dass „das den einheimischen Steinmetzen nicht weh tut“. „Das ist nur eine Änderung der Friedhofssatzung“, beschwichtigte er. Doris Rauscher (SPD) räumte ein, der Einwand von Ried sei nicht aus der Luft gegriffen. „Wir können nicht sicher sein, aber für unsere Steinmetze ist das keine Veränderung. Wir schließen Steine aus Kinderhand einfach aus“, warb sie um Zustimmung. Eine Ausnahme aber gibt es, und das auch deswegen, weil bei Grabsteinen der Umsatz nicht der gleiche ist, wie etwa der von Bäckersemmeln. Einen Nachweis müssen die Steinmetzbetriebe nicht erbringen, wenn „der Letztveräußerer glaubhaft mache, dass die Grabsteine oder Grabeinfassungen aus Naturstein oder deren Rohmaterial vor dem 1. September 2016 in das Bundesgebiet eingeführt wurden.“ Damit wird der Altbestand der Steinmetzbetriebe geschützt.

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