Grafing und Ebersberg vor Einigung

Schluss mit dem Wasserkrieg

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Die interkommunale Zusammenarbeit ist an sich eine feine Sache. Spart Kosten, bringt Synergieeffekte, erhöht Versorgungssicherheit. Zumindest in der Theorie. In der Praxis schaut das oft ganz anders aus.

Ebersberg/Grafing–  Dass dem so ist,  zeigen die Verhandlungen zwischen Ebersberg und Grafing, was einen Trinkwassernotverbund beider Städte betrifft. Sie dauern schon über zehn Jahre lang. Und sie sind noch nicht ganz zu Ende.

In der jüngsten Grafinger Bauausschusssitzung wurde der Sachverhalt noch einmal aufgedröselt. Festgebissen hatten sich die beiden Städte, die auf dem Papier ein gemeinsames Mittelzentrum bilden, an der Kostenverteilung. Offenbar war – und das ein bisschen hemdsärmelig – auf kurzem Verwaltungswege früher einmal eine 50:50-Lösung vereinbart worden. Ausgegangen wurde von einem Gesamtinvestitionsaufwand von 5,5 Millionen Euro. Handschlag hin oder her: Je mehr die Jahre ins Land gingen, setzte sich bei den Grafingern die Erkenntnis durch, dass man dabei ein bisschen über den Tisch gezogen wurde. Denn die Ebersberger brauchen den Notverbund wesentlich mehr, als ihn die Grafinger brauchen. Das bestätigte ihnen sogar die Regierung von Oberbayern.

Vor zwei Jahren erschien nämlich eine Broschüre mit dem Titel „Wasserversorgungsbilanz“. Bewertet wurde von der Regierung darin auch die jeweilige Situation der beiden Städte. Und siehe da: Grafing wurde als uneingeschränkt versorgungssicher, Ebersberg hingegen nur als eingeschränkt versorgungssicher bezeichnet. „Wir hatten eine gute Verhandlungsposition“, informierte Bürgermeistern Angelika Obermayr (Grüne) die Bauausschussmitglieder. „Eine große Notwendigkeit für uns bestand nicht“, einen solchen Notverbund aufzubauen, meinte die Rathauschefin. Außerdem hatten sich die Grafinger bereits einen Wassertausch mit Aßling zugelegt.

Die Beschaffungssituation der beiden Städte ist höchst unterschiedlich. Die Ebersberger beziehen ihr Trinkwasser aus zwei Brunnen im Ebersberger Forst, die mit einer über zehn Kilometer langen Verbindungsleitung angeschlossen sind. Gäbe es hier einen längeren Ausfall, die Kreisstädter würden binnen Kurzem auf dem Trockenen sitzen.

Die Grafinger hingegen haben ihre Versorgung auf drei Beine gestellt. Wasser liefern die Brunnen in Öxing, Elkofen und vor allen Dingen in Aiterndorf mit der weitaus größten Schüttung. Trotz dieser recht komfortablen Situation ist die Grafinger Verwaltung zu dem Schluss gekommen, dass die „Aufrechterhaltung einer Mindestversorgung nicht der freiwillige Anspruch der Stadt“ sein könne. „Im Sinne einer uneingeschränkten Versorgungssicherheit wird der zusätzliche Wasserverbund weiterhin für erforderlich angesehen.“ Die Verhandlungen gingen also weiter.

Inzwischen hatten sich aber wesentliche Rahmendaten geändert. Die ursprüngliche Preiskalkulation war aufgrund er langen Zeitdauer Makulatur geworden und auch die Entnahmemengen hatten sich zum Teil stark reduziert, weil beide Städte begannen, die Lecks in ihrem Versorgungssystem aufzuspüren und zu verschließen. Zwischenzeitlich drohte sogar ein Abbruch der Gespräche.

Warum wurde so zäh gerungen? Das war der Sitzungsvorlage im Bauausschuss zu entnehmen. „Die Abgabepflichtigen haben hinsichtlich der abgabenrelevanten Herstellungskosten einen Schutzanspruch gegen eine Belastung mit ungerechtfertigten und unverhältnismäßigen Aufwendungen.“ Die Grafinger Verbraucher sollten vor zu hohen Kosten geschützt werden.

Herausgekommen ist jetzt Folgendes: Die aktualisierte Kostenschätzung liegt bei einem Gesamtaufwand von 2,3 Millionen Euro. Ebersberg bezahlt davon knapp 1,3, Grafing knapp eine Million. Das entspricht einer Kostenteilung von 57:43 Prozent. Gebaut wird in kommunaler Zusammenarbeit. So wurde es dem Grafinger Stadtrat einstimmig zur Beschlussfassung empfohlen. Kommentar von Stadtrat Max Graf von Rechberg (CSU): „Eine feine Lösung. Das hätten wir ein bisschen früher haben sollen.“

Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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